{"id":3063,"date":"2017-10-14T08:03:48","date_gmt":"2017-10-14T08:03:48","guid":{"rendered":"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=3063"},"modified":"2017-11-28T11:53:03","modified_gmt":"2017-11-28T11:53:03","slug":"die-briefe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=3063","title":{"rendered":"Die Briefe"},"content":{"rendered":"<p>[2017-10-14]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?attachment_id=3065\" rel=\"attachment wp-att-3065\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3065\" src=\"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Briefe_1507910555-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Briefe_1507910555-600x450.jpg 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Briefe_1507910555-678x509.jpg 678w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Briefe_1507910555-326x245.jpg 326w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Briefe_1507910555-80x60.jpg 80w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Briefe_1507910555-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Briefe_1507910555.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a>In einem kleinen Dorf lebte einmal ein Mann, der hatte seit seiner Geburt ein verkr\u00fcppeltes Bein. Er konnte nichts daf\u00fcr, er war ja schon so geboren worden. Aber die Dorfbewohner, die sehr abergl\u00e4ubisch waren, glaubten, dass diese Missbildung einen Grund haben m\u00fcsse. Schlie\u00dflich w\u00fcrde Gott sich schon etwas dabei gedacht haben, dass er genau diesem Mann (und nicht ihnen!) diese Verkr\u00fcppelung gegeben habe. Also sahen sie sich im Recht, mit Verachtung auf ihn zu blicken und lie\u00dfen ihn auch bei jeder Gelegenheit sp\u00fcren, was sie von ihm hielten.\u00a0Der Mann selbst hielt sich ebenfalls f\u00fcr etwas Minderwertiges, es war schlie\u00dflich von Anfang an immer so gewesen, er kannte es nicht anders.<\/p>\n<p>Eines Tages trat er in der Fr\u00fch vor seine \u00e4rmliche H\u00fctte, als er auf der Schwelle seiner T\u00fcr einen Brief liegen sah. Erstaunt hob er ihn auf, \u00f6ffnete ihn und las ihn. Da stand nur ein Satz: \u201eIch sehe dich, hab keine Angst.\u201c Verwirrt blickte der Mann auf und sah sich um, aber da war niemand. Ohne recht zu wissen, was er von dem Brief halten sollte, legte er ihn in seine H\u00fctte und hatte ihn bald vergessen.<\/p>\n<p>Doch schon am n\u00e4chsten Tag lag wieder ein Brief vor seiner T\u00fcre, in dem stand: \u201eIch sehe dich. Und was ich sehe, ist gut.\u201c Der Mann stand ratlos da und fragte sich, wer diese Briefe wohl geschrieben haben k\u00f6nnte, aber er hatte keine Ahnung. Also legte er den Brief zu dem anderen und machte sich wieder an sein Tagwerk. Er verrichtete niedrige Dienste f\u00fcr die Reichen des Dorfes, so bekam er wenigstens genug zum \u00dcberleben. Aber die Sache mit den Briefen h\u00f6rte nicht auf. Jeden Tag in der Fr\u00fch lag wieder einer da. Und jedes Mal stand etwas drin, was dem Mann Mut machte. Immer stand etwas drin, was ihm zeigte, dass da irgendwo jemand war, dem er nicht egal war.<\/p>\n<p>Und der Mann stellte fest, dass das ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl war. Auch wenn er den Absender der Briefe nicht kannte und auch nicht herausfinden konnte, wer es war, tat es doch gut, zu wissen, dieser Jemand war da. Auf einmal hatte er durch diese Briefe das Gef\u00fchl, nicht ganz allein zu sein. Seine Arbeit fiel ihm nun jeden Tag ein wenig leichter. So manche Geste der Verachtung von den anderen Dorfbewohnern konnte er jetzt besser verkraften, denn er wusste, es waren nicht alle so. Zumindest einer war da, der achtete ihn und sorgte sich um ihn.<\/p>\n<p>Mehrere Monate vergingen und jeden Tag kam einer dieser \u201eIch sehe dich\u201c-Briefe. Der Mann wurde immer fr\u00f6hlicher und war nicht mehr so niedergedr\u00fcckt wie sonst. Er war auch am Abend nicht mehr so m\u00fcde wie fr\u00fcher. W\u00e4hrend er fr\u00fcher sofort schlafen gegangen war, wenn er von seinen m\u00fchsamen Arbeiten nach Hause kam, sa\u00df er nun noch einige Stunden vor seiner H\u00fctte und schnitzte Holzfiguren. Das bereitete ihm gro\u00dfe Freude. Jede fertig geschnitzte Figur stellte er in dem winzigen Garten vor seiner H\u00fctte auf. Zun\u00e4chst beachteten die Dorfbewohner das gar nicht. Aber nach einiger Zeit fiel es ihnen doch auf. Immer mehr von ihnen schlichen wie zuf\u00e4llig an seiner H\u00fctte vorbei, weil sie von den Figuren geh\u00f6rt hatten und auch davon, dass diese Figuren besonders sch\u00f6n seien. Und in der Tat waren es die sch\u00f6nsten Schnitzereien weit und breit. Eines Tages kam ein Fremder ins Dorf, der war so begeistert von den Figuren, dass er dem Mann sofort einige zu einem hohen Preis abkaufte. Und ehe er abreiste, ging er zum B\u00fcrgermeister des Dorfes und sagte zu ihm: \u201eAlso ehrlich, B\u00fcrgermeister, warum versteckt ihr denn einen so bedeutenden K\u00fcnstler vor der ganzen Welt? Wenn ich hier B\u00fcrgermeister w\u00e4re, dann w\u00fcrde ich daf\u00fcr sorgen, dass alle Menschen von ihm erfahren!\u201c Mit diesen Worten reiste er ab und lie\u00df den B\u00fcrgermeister besch\u00e4mt stehen.<\/p>\n<p>Aber schlie\u00dflich erkannte der B\u00fcrgermeister die Wahrheit dieser Worte und er sorgte daf\u00fcr, dass die Kunde von dem Holzschnitzer sich verbreitete. So \u00e4nderte sich das Leben des verkr\u00fcppelten Mannes von Grund auf und er wurde ein wohlhabender K\u00fcnstler und all seine Sorgen hatten ein Ende. Er aber wurde nicht \u00fcberheblich, sondern blieb stets bescheiden und dankbar f\u00fcr die wundersame Wendung, die sein Leben genommen hatte.<\/p>\n<p>Einige Zeit sp\u00e4ter fand er das erste Mal keinen Brief mehr vor seiner T\u00fcr. Statt eines Briefes lagen dort nun ein Stapel Briefpapier, ein Fass Tinte und eine Schreibfeder. Der Mann verstand sofort. Er l\u00e4chelte, hob alles auf und trug es in seine H\u00fctte.<\/p>\n<p>Hartmut Schwaiger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[2017-10-14] In einem kleinen Dorf lebte einmal ein Mann, der hatte seit seiner Geburt ein verkr\u00fcppeltes Bein. Er konnte nichts daf\u00fcr, er war ja schon so geboren worden. 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