{"id":4119,"date":"2018-04-19T00:00:28","date_gmt":"2018-04-19T00:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=4119"},"modified":"2020-05-02T18:28:00","modified_gmt":"2020-05-02T16:28:00","slug":"4119","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=4119","title":{"rendered":"Ein Sto\u00df Papier"},"content":{"rendered":"<p>[2018-04-19]<\/p>\n<h2>Von einem Begr\u00e4bnis, das zu einem neuen Anfang f\u00fchrte<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4121\" src=\"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/books-1012088_640-600x399.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"399\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/books-1012088_640-600x399.jpg 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/books-1012088_640.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/>Jonas hatte es nicht leicht. Seit er in der Schule war, hatte er nur Probleme. Nein, nicht mit dem Lernen, das fiel ihm kaum einmal schwer. Sondern mit seinen Mitsch\u00fclern. Jonas war n\u00e4mlich nicht sehr beliebt in seiner Klasse. Warum, das wusste er nicht so genau. Die anderen, die hatten wohl einfach Spa\u00df daran, ihn zu h\u00e4nseln und zu \u00e4rgern. Irgendeinen Sch\u00fcler traf es schlie\u00dflich in jeder Klasse, in jeder Schule war das so. Und hier in dieser Schule, in seiner Klasse, da war das eben er. Da konnte man nichts machen. Es hatte auch keinen Sinn, es den Eltern zu erz\u00e4hlen, im Gegenteil, das w\u00fcrde die Sache nur noch schlimmer machen. Dann w\u00e4re er in den Augen der anderen auch noch eine Petze. Nein, nein, dann lieber die dummen Streiche der anderen stumm ertragen und jeden Tag in der Fr\u00fch hoffen, dass es heute schon nicht ganz so schlimm werden w\u00fcrde. Und wenn es dann doch wieder schlimm &#8211; manchmal sogar sehr schlimm &#8211; gewesen war, dann konnte Jonas sich immer noch in seinem Zimmer verkriechen, unter seiner Decke. Dort wenigsten lie\u00dfen ihn alle in Ruhe. Aber mit der Zeit fiel es ihm schon sehr schwer, in der Fr\u00fch aufzustehen und zur Schule zu gehen.<\/p>\n<p>Auch diesen Morgen wieder wachte Jonas mit diesem mulmigen Gef\u00fchl auf, das er immer hatte, sobald er an die Schule dachte. Aber schlie\u00dflich stand er doch auf, fr\u00fchst\u00fcckte \u2013 obwohl er wenig Hunger hatte \u2013 und ging los. Als er hinter seinem Haus um die erste Ecke bog, wurde er langsamer. Denn das war der Platz, wo sie oft auf ihn warteten, die anderen, wenn sie gerade Lust hatten, ihn schon am Schulweg zu \u00e4rgern. Diesmal aber hatte er Gl\u00fcck, denn um die Ecke wartete nur Herr J\u00e4ger auf ihn, der alte Nachbar, der da im Haus an der Ecke wohnte.<\/p>\n<p>\u201eGr\u00fc\u00df dich, Jonas\u201c, sagte er, \u201edarf ich dich ein St\u00fcck begleiten?\u201c \u201eJa, ja, sicher\u201c, antwortete Jonas und war eigentlich ganz froh dar\u00fcber, denn so hatte er wenigstens bis zur Schule seine Ruhe. \u201eDu, Jonas\u201c, sagte Herr J\u00e4ger nach einer Weile, \u201edir geht\u00b4s nicht so gut, oder? Ich meine, ich sehe von meinem Fenster aus ja alles, was da am Weg so passiert. Das mit deinen Schulkollegen und so. Wie die dich behandeln. Gar nicht fein ist das.\u201c \u201eGeht schon so. Muss ja gehen\u201c, murmelte Jonas als Antwort vor sich hin. \u201eSchon? Also, ich finde nicht, dass du das verdient hast.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDanach fragt doch keiner von denen\u201c, antwortete Jonas, \u201edas ist denen doch v\u00f6llig egal.\u201c\u00a0\u201eDa hast du wahrscheinlich recht\u201c, erwiderte Herr J\u00e4ger. \u201eAber vielleicht w\u00fcsste ich einen Weg, wie man dir helfen kann. Wie du dir helfen kannst.\u201c \u201eAch ja?\u201c, fragte Jonas und schaute Herrn J\u00e4ger fast ungl\u00e4ubig an. \u201eWei\u00dft du Jonas, ich kann dir das nat\u00fcrlich nicht versprechen, aber einen Versuch w\u00e4re es doch wert, oder?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWahrscheinlich schon\u201c, antwortete Jonas, \u201eja, sch\u00f6n w\u00e4r\u2018 es schon, wenn man da was tun k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>Inzwischen waren die beiden vor der Schule angekommen und stehen geblieben. Herr J\u00e4ger klopfte Jonas auf die Schulter und sagte: \u201eKomm doch nach der Schule bei mir vorbei, dann schauen wir mal, was wir machen k\u00f6nnen.\u201c Am Nachmittag ging Jonas gleich nach der Schule zu Herrn J\u00e4ger. Der begr\u00fc\u00dfte ihn freundlich und bat ihn zu sich herein. Sie setzten sich an den K\u00fcchentisch.<\/p>\n<p>Da lag ein Sto\u00df Papier und ein Bleistift. \u201eJonas\u201c, sagte Herr J\u00e4ger, \u201eder Plan lautet folgenderma\u00dfen: Heute begraben wir dein altes Leben und fangen einfach ein neues an.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie bitte?\u201c Jonas schaute verdutzt drein.<\/p>\n<p>\u201eDu hast schon richtig verstanden, Jonas. Hier, auf diesem Papier schreibst du jetzt alles auf, was dich bedr\u00fcckt. Schreib alles auf, alles, was dir einf\u00e4llt. Und wenn das alles, wirklich alles, auf diesem Papier steht, dann begraben wir es und dann ist es vorbei.\u201c<\/p>\n<p>Jonas sa\u00df stumm da und wusste nicht, was er tun sollte. Das sollte funktionieren?<\/p>\n<p>\u201eLos. Schreib schon. Du wirst sehen, das hilft\u201c, forderte Herr J\u00e4ger ihn auf. Und da fing Jonas an zu schreiben. Und er schrieb. Und schrieb. Und schrieb. Er h\u00f6rte gar nicht mehr auf. Als er endlich doch fertig war, lag vor ihm ein Sto\u00df von mehr als zehn Bl\u00e4ttern Papier, vollgeschrieben von oben bis unten.<\/p>\n<p>\u201eSehr gut, Jonas\u201c, sagte Herr J\u00e4ger, \u201eund jetzt komm mit!\u201c Er nahm den Sto\u00df Papier und ging in den Garten. Jonas folgte ihm. Dort war schon ein kleines Loch in die Erde gegraben, in dem lag eine kleine schwarze Holzkiste. Da hinein legte Herr J\u00e4ger die Bl\u00e4tter, machte die Kiste zu und dann nahm er eine Schaufel und gab sie Jonas: \u201eJetzt kannst du das Loch zuschaufeln.\u201c<\/p>\n<p>Das lie\u00df sich Jonas nicht zweimal sagen. Er schaufelte, bis das ganze Loch mit Erde zugedeckt war. Und dann stellte er sich noch auf die Erde und stampfte sie mit seinen F\u00fc\u00dfen fest. So fest, dass Herr J\u00e4ger lachen musste: \u201eWenn du so weiter machst, dann wird da nicht einmal mehr Gras wachsen, Jonas.\u201c \u201eKann schon sein\u201c, lachte auch Jonas. Und er sp\u00fcrte, wie es ihm bereits ein\u00a0wenig leichter ums Herz wurde.<\/p>\n<p>Und das soll jetzt geholfen haben, fragst du? Ja, hat es. Nat\u00fcrlich ist das Leben von Jonas nicht sofort ganz anders und supertoll geworden. Doch das hat ihm Herr J\u00e4ger damals im Garten auch gesagt, dass er sich das nicht erwarten darf. Aber die Zeit, wo er sich alles gefallen hat lassen, die war vorbei. Die war begraben. Jonas hatte auf einmal den Mut, den anderen zu sagen, wenn ihn etwas gest\u00f6rt hat. Manchmal hat er dann noch eins auf die Nase bekommen. Aber immer \u00f6fter haben sie ihn auch in Ruhe gelassen. Vor allem aber hatte er den Mut, sich Freunde zu suchen. Und die hat er mit der Zeit auch gefunden und damit wurde vieles besser. Vorher, in seinem alten Leben, da h\u00e4tte er nie geglaubt, dass er Freunde finden k\u00f6nnte. Aber Gott sei Dank lag dieses alte Leben ja nun begraben in der kleinen schwarzen Holzkiste in Herrn J\u00e4gers Garten. Der \u00fcbrigens seither sein bester Freund geworden ist.<\/p>\n<p>Hartmut Schwaiger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[2018-04-19] Von einem Begr\u00e4bnis, das zu einem neuen Anfang f\u00fchrte Jonas hatte es nicht leicht. Seit er in der Schule war, hatte er nur Probleme. 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