{"id":6006,"date":"2019-03-03T10:00:59","date_gmt":"2019-03-03T09:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=6006"},"modified":"2019-04-15T09:53:25","modified_gmt":"2019-04-15T07:53:25","slug":"das-war-keine-einigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=6006","title":{"rendered":"Das war keine Einigung!"},"content":{"rendered":"<p>[2019-03-03]<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>entgegen aller Versprechen der Bundesregierung wurde den Evangelischen der Karfreitag als Feiertag genommen. Mit etwas Abstand zu den Ereignissen dieser Woche, die nicht nur mich tief betroffen machen, m\u00f6chte ich einige Klarstellungen dazu vornehmen:<\/p>\n<p>Wir haben von Anfang an praktikable L\u00f6sungen vorgeschlagen, die sowohl der Zusage, dass \u201eniemandem etwas weggenommen werden soll&#8220;, als auch dem EuGh-Urteil entsprochen h\u00e4tten: zum einen den Karfreitag als ganzen Feiertag f\u00fcr alle, zum anderen einen zus\u00e4tzlichen (individuell festlegbaren) freien Tag. Beides wurde zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<p>Stattdessen lag seit dem 19. Februar die Variante mit dem \u201ehalben&#8220; Feiertag f\u00fcr alle &#8211; ab 14 Uhr &#8211; vor. Gegen diese Entscheidung erhob sich berechtigterweise laute Kritik von vielen Seiten. F\u00fcr uns h\u00e4tte sie einen unzumutbaren Eingriff in die Religionsaus\u00fcbungsrechte bedeutet, weil Gottesdienste am Vormittag erschwert und an vielen Orten sogar unm\u00f6glich gemacht worden w\u00e4ren. Diese Regelung h\u00e4tte unsere gewachsene Gottesdienstkultur schwer besch\u00e4digt, wenn nicht zerschlagen. Daher kam auch von der Evangelischen Kirche massiver Einspruch dagegen. Im Internet haben sich in kurzer Zeit rund 30.000 Menschen gegen diese L\u00f6sung ausgesprochen.<\/p>\n<p>Nachdem unsere Positionen lange ignoriert wurden, kam es in Folge dieses Unmuts zu sehr kurzfristig anberaumten Gespr\u00e4chen. Am Montag, den 25. Februar, begann ein intensiver Austausch der Regierungskoordinatoren mit mir, mit dem Generalsekret\u00e4r der katholischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, und einigen anderen. Ich habe mich in allen diesen Gespr\u00e4chen f\u00fcr den Karfreitag als Feiertag im Austausch gegen den Pfingstmontag stark gemacht, doch traurigerweise bin ich mit diesem Vorschlag alleine geblieben. Es war auch deshalb ein gro\u00dfer Zeitdruck gegeben, weil der von mir eingebrachte Vorschlag, sich f\u00fcr ausf\u00fchrliche Gespr\u00e4che mit allen Beteiligten ausreichend Zeit zu nehmen, leider nicht aufgenommen wurde. Dies ist umso bedauerlicher, da das unserer, in den Evangelischen Kirchen gepflegten demokratischen Kultur zuwiderl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Der Ausgang der \u201eVerhandlungen&#8220;, in denen unsere L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge keinen Raum bekamen, wurde am Dienstag, den 26. Februar, gegen Mittag ver\u00f6ffentlicht und bereits am Tag darauf im Nationalrat beschlossen. Somit konnte nur das Schlimmste verhindert werden: dass evangelische Familien nicht mehr gemeinsam am Karfreitag Vormittag Gottesdienst haben k\u00f6nnen. Die f\u00fcr uns inakzeptable L\u00f6sung mit dem \u201ehalben&#8220; Feiertag, die eine Zerschlagung unsere Gottesdienstkultur am Karfreitag bedeutet h\u00e4tte, war vom Tisch. Das hat bei mir zun\u00e4chst Erleichterung ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Allerdings ist der \u201epers\u00f6nliche Feiertag&#8220;, den jeder und jede selbst bestimmen und in Anspruch nehmen kann, kein zus\u00e4tzlicher freier Tag, sondern muss aus dem bestehenden Urlaubsanspruch genommen werden. Hier wurde einseitig den Interessen der Wirtschaft gefolgt &#8211; und ein \u00f6ffentliches Versprechen gebrochen. Das ist auch f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung. Von einer Einigung zwischen der Regierung und der Evangelischen Kirche, wie in einigen Medien gefolgert wurde, kann in diesem Punkt nicht die Rede sein.<\/p>\n<p>In einer ersten, sehr eilig entstandenen Stellungnahme habe ich mich bem\u00fcht, die positiven Aspekte der ge\u00e4nderten Regierungslinie, die uns eine Feier zur gewohnten Gottesdienstzeit erm\u00f6glicht, zu w\u00fcrdigen. Dass dieser ungl\u00fcckliche Versuch als positive Zustimmung zum Gesamtergebnis gedeutet werden konnte, schmerzt mich sehr und tut mir leid. Ich bedanke mich f\u00fcr alle Reaktionen dazu, auch f\u00fcr die offenen kritischen Worte.<\/p>\n<p>Niemand wei\u00df, wie die neue Regelung gelebt werden wird. Dazu kommt eine ganze Reihe von rechtlichen Fragen. Fazit ist, dass damit den Evangelischen ein bisher freier Tag genommen wird. Das wirft ein Licht darauf, wie mit den Interessen religi\u00f6ser Minderheiten in \u00d6sterreich derzeit umgegangen wird. Viele Evangelische in \u00d6sterreich haben sich emp\u00f6rt an mich gewandt, weil sie sich jetzt als B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen zweiter Klasse sehen. Es wird eines starken Zeichens der Wertsch\u00e4tzung durch die Regierung gegen\u00fcber den Evangelischen bed\u00fcrfen, um diese Emotionen wieder ins Lot zu bringen. Und wir werden von unserer Forderung nach einem rechtskonformen freien Karfreitag nicht abgehen.<\/p>\n<p>Der Karfreitag ist f\u00fcr uns Evangelische von zentral wichtiger Bedeutung. Wir sind im Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn verbunden. Feiern wir den Karfreitag heuer besonders bewusst und zahlreich, um gemeinsam seine Bedeutung f\u00fcr uns Evangelische sichtbar zu machen!<\/p>\n<p>Ich bedanke mich f\u00fcr alle Unterst\u00fctzung dieses Anliegens.<\/p>\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p><em>Bischof Michael B\u00fcnker<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[2019-03-03] Liebe Schwestern und Br\u00fcder, entgegen aller Versprechen der Bundesregierung wurde den Evangelischen der Karfreitag als Feiertag genommen. 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