{"id":7172,"date":"2020-04-06T00:00:10","date_gmt":"2020-04-05T22:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=7172"},"modified":"2020-09-11T16:26:00","modified_gmt":"2020-09-11T14:26:00","slug":"hildegard-von-bingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=7172","title":{"rendered":"Hildegard von Bingen"},"content":{"rendered":"<p>[06.04.2020]<\/p>\n<h3>\u201ePflege das Leben, wo du es triffst!\u201c<\/h3>\n<p>Dieses Zitat w\u00fcrden wir wohl nicht einer Nonne aus dem \u201efinsteren\u201c Mittelalter zuschreiben. Aber es stammt von Hildegard von Bingen, einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Frau, einer Benediktinerin, geboren 1098 und gestorben 1179 in dem f\u00fcr das Mittelalter ausgesprochen hohen Alter von 81 Jahren.<\/p>\n<h4>Wer war diese bemerkenswerte Nonne?<\/h4>\n<p>Sie entstammte einer herrschaftlichen und wohlhabenden Adelsfamilie, war\u00a0das zehnte und j\u00fcngste, stets kr\u00e4nkelnde Kind. Mit knapp 10 Jahren kam sie in das Benediktinerkloster Disibodenberg, heute Rheinland-Pfalz, in die Obhut\u00a0von Jutta von Sponheim. F\u00fcr Kinder aus wohlhabenden Adelsfamilien war es durchaus \u00fcblich, ins Kloster \u201egesteckt\u201c zu werden. Durch ihre Mitgift und ihre L\u00e4ndereien wurden diese Kl\u00f6ster reich und bekannt.\u00a0Mit 16 Jahren entschied sich Hildegard von Bingen, dem Benediktinerorden beizutreten. Damit hatte sie keinen Kontakt mehr zur Au\u00dfenwelt und lebte\u00a0in strenger Klausur. Ihr Tagesrhythmus wurde in Wortgottesdienste und Gebetszeiten eingeteilt.<\/p>\n<p>Kl\u00f6ster waren im Mittelalter eigene Unternehmen, Hochburgen der Wissenschaft und Zentren der Kunst und Kultur. So kam Hildegard in den Genuss einer umfassenden Ausbildung. Sie erwarb sich gro\u00dfes Wissen \u00fcber Natur, Medizin, Philosophie, Musik, Politik und vieles mehr. Schlie\u00dflich wurde sie zur Magistra ernannt.\u00a0Als man bei Jutta von Sponheim einen Bu\u00dfg\u00fcrtel entdeckte, ein Ger\u00e4t, das direkt auf dem Leib getragen wurde und der Selbstgei\u00dfelung diente, distanzierte sich Hildegard von ihr. Auch andere ihrer selbstzerst\u00f6rerischen Praktiken lehnte\u00a0sie ab. Ihr Weltbild war ein anderes: \u201eDer Herr will nicht, dass wir unseren Leib zerst\u00f6ren!\u201c Hildegard wollte menschenfreundliche Kl\u00f6ster. Auch ihre Gedanken zur Rolle einer Frau waren mutig und richtungsweisend. Trotzdem richtete sie ihr Leben streng nach den Regeln des Ordens aus.<\/p>\n<p>Nach Sponheims Tod im Jahre 1136 \u00fcbernahm Hildegard die Leitung der Gemeinschaft frommer Frauen, die rechtlich dem M\u00e4nnerkloster unterstellt war. 40 Jahre blieb sie in Disibodenberg. Dann entschloss sie sich, gegen Widerstand und Anfeindungen von M\u00f6nchen und dem Abt, mit einigen Nonnen nach Bingen zu gehen. Anf\u00e4nglich lebten sie in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen. Doch mit Hilfe von G\u00f6nnern lie\u00df Hildegard ein eigenes Kloster, Rupertsberg, erbauen, direkt an den Fl\u00fcssen Nahe und Rhein. Das Leben dort verschaffte Hildegard Ruhm. Das Kloster wurde zum Zentrum f\u00fcr Kranke sowie Hilfe und Rat Suchende des damaligen Rheingaus. Auch als Hebammen arbeiteten die Nonnen. Sp\u00e4ter erwarb Hildegard das Tochterkloster Eibingen bei R\u00fcdesheim, das heute noch besteht. Dort wurden auch nicht adlige T\u00f6chter aufgenommen. Zuletzt war ihr Kloster nur noch dem Kaiser Barbarossa und dem Papst unterstellt. Als sie 81-j\u00e4hrig starb, war sie eine der gelehrtesten und bedeutendsten Frauen des Hochmittelalters und setzte Impulse bis in die heutige Zeit.<\/p>\n<p>Lange war sie in Vergessenheit geraten. Erst 1970 entdeckte der \u00f6sterreichische Arzt Gottfried Hertzka Hildegards Aufzeichnungen \u00fcber Heilmethoden und ver\u00f6ffentlichte sie. Es kam geradezu zu einem \u201eHildegard-hipe\u201c. Im Jahre 2012 wurde sie durch Papst Benedikt XVI. in den Heiligenkalender aufgenommen und zur \u201eKirchenlehrerin\u201c ernannt.<\/p>\n<p>Hildegard von Bingen hinterlie\u00df umfangreiche und umfassende Werke. In zahlreichen Schriften trug sie zum Verst\u00e4ndnis des Lebens, der Natur, der Umwelt und der Erlangung des Seelenheils bei. Ihre B\u00fccher reichen von theologischen Schriften \u00fcber Sammlungen von Briefen, Biografien von\u00a0Heiligen, einer Autobiografie, Gedichten und 77 selbst komponierten Liedern. (\u201eIn der Musik hat Gott den Menschen die Erinnerung an das verlorene Paradies hinterlassen.\u201c) Sie befasste sich mit der Wirkung von Nahrungsmitteln, Kr\u00e4utern und Gew\u00fcrzen auf die Gesundheit und beschreibt die Heilkraft der Natur.<\/p>\n<p>Ein besonders Buch ist das der g\u00f6ttlichen Werke. Ihrer Ansicht nach entfremdet sich der Mensch selbst, wenn er sich von Gott entfremdet. Die K\u00f6rpers\u00e4fte geraten in Verwirrung. Heilung bedeutet f\u00fcr sie, sich wieder in die g\u00f6ttliche Ordnung einzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Sie machte sich auch Gedanken \u00fcber die Liebe: \u201eJede Kreatur hat einen Urtrieb nach liebender Umarmung!\u201c\u00a0Hildegards Bet\u00e4tigungsfeld war so umfangreich, dass in diesem Artikel\u00a0nur ein kleiner Teil dargestellt werden kann. Heute w\u00e4re sie sicher eine Naturwissenschaftlerin und ganz sicher eine streitbare \u201eGr\u00fcne\u201c.<\/p>\n<p>Nach Hildegard von Bingen gibt es gute und schlechte Nahrung, wobei Dinkel zu der besonders guten z\u00e4hlt. Deshalb gibt es zum Abschluss noch ein Fr\u00fchst\u00fccksrezept aus Dinkel:<\/p>\n<figure id=\"attachment_7173\" aria-describedby=\"caption-attachment-7173\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7173 size-medium\" src=\"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cereals-2437808_1920-600x373.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"373\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cereals-2437808_1920-600x373.jpg 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cereals-2437808_1920-1024x637.jpg 1024w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cereals-2437808_1920-1536x955.jpg 1536w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cereals-2437808_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7173\" class=\"wp-caption-text\">Bild: pixabay.com<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Habermus nach Hildegard von Bingen:<\/h3>\n<h4>Zutaten<\/h4>\n<ul>\n<li>50g Dinkelschrot,<\/li>\n<li>120 ml Wasser,<\/li>\n<li>1 Apfel,<\/li>\n<li>1 EL Mandeln,<\/li>\n<li>1 TL Honig,<\/li>\n<li>Zimt,<\/li>\n<li>Bertram,<\/li>\n<li>Galgant<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Zubereitung<\/h4>\n<p>Zuerst muss man den Apfel raspeln oder in kleine St\u00fccke schneiden. Wasser zum Kochen bringen. Den Dinkelschrot einsch\u00fctten und umr\u00fchren. Topf von der Platte nehmen und den geraspelten Apfel dazu r\u00fchren. Kurz d\u00fcnsten lassen. Habermus mit Honig und etwas gehackten Mandeln verfeinern. Zum Abschmecken eignen sich die Hildegardgew\u00fcrze Zimt, Bertram und Galgant.<\/p>\n<p><em>Karin Landwehr<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[06.04.2020] \u201ePflege das Leben, wo du es triffst!\u201c Dieses Zitat w\u00fcrden wir wohl nicht einer Nonne aus dem \u201efinsteren\u201c Mittelalter zuschreiben. 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