{"id":7205,"date":"2020-03-03T21:13:52","date_gmt":"2020-03-03T20:13:52","guid":{"rendered":"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=7205"},"modified":"2020-04-02T15:45:19","modified_gmt":"2020-04-02T13:45:19","slug":"auch-jesus-war-ein-pilger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=7205","title":{"rendered":"Auch Jesus war ein Pilger"},"content":{"rendered":"<p>[2020-03-03]<\/p>\n<p>Mag. Ingrid Leitner aus der Salzburger Stadtpfarre St. Paul er\u00f6ffnete mit ihrem Vortrag die 30. Fastenaktion der Halleiner Pfarrgemeinden. Dabei wurde klar, dass Wallfahrten nicht eine &#8222;Erfindung&#8220; unserer Zeit sind, sondern dass auch schon im Alten Testament \u00fcber Pilgerreisen berichtet wird.<\/p>\n<p>Ein herzliches &#8222;DANKE&#8220; ergeht an Ingrid Leitner nicht nur f\u00fcr ihren interessanten Vortrag durch gut 3000 Jahre biblische Geschichte sondernauch daf\u00fcr, dass sie ihren Vortrag in einer Zusammenfassung f\u00fcr all diejenigen zu Verf\u00fcgung stellt, die nicht dabei sein konnten oder aber noch einmal die eine oder andere Information nachlesen wollten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7213\" aria-describedby=\"caption-attachment-7213\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7213\" src=\"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ingrid_leitner_2020b-600x398.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ingrid_leitner_2020b-600x398.jpg 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ingrid_leitner_2020b-1024x679.jpg 1024w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ingrid_leitner_2020b-1536x1019.jpg 1536w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ingrid_leitner_2020b.jpg 1597w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7213\" class=\"wp-caption-text\">Mag. Ingrid Leitner<\/figcaption><\/figure>\n<h3><strong>Einleitung<\/strong><\/h3>\n<p>Geghard, ein Wallfahrtsort mit Opferplatz in Armenien, bewahrt die alten Traditionen einer Wallfahrt im biblischen Stil.<\/p>\n<p><strong>Schilo<\/strong>, Ort der Bundeslade und st\u00e4mme\u00fcbergreifendes Kultzentrum der Zeit vor 1000 vor Chr.<br \/>\nAm Heiligtum von Schilo versah die Priesterfamilie der Eliden den Dienst. Mit Schilo verbinden sich auch die Erinnerungen um Herkunft und Jugend des Propheten Samuel und die tragische Geschichte der Eliden.<\/p>\n<h3><strong>Der Erz\u00e4hlkreis um Hanna<\/strong><\/h3>\n<p>1 Sam 1,1-1,28 ist eine typische sogenannte Kindheitsgeschichte, eine Ouvert\u00fcre zu einer Komposition. Die sp\u00e4tere Bedeutung eines Menschen verdichtet sich zu einem von Gott gestifteten Ursprung.\u00a0Samuel ist ein Neuanfang. Er beginnt mit dem Schicksal seiner Mutter Hanna.<\/p>\n<p><strong>Hanna<\/strong> war die Hauptfrau des Efraimiters Elkana. Sie bleibt kinderlos, damals war das ein schweres Schicksal. Das Ausbleiben des Kindersegens wurde der Frau angelastet. Elkanas zweite Frau Peninna hatte Kinder.<\/p>\n<p>Jedes Jahr unternahm die Familie eine Wallfahrt nach Schilo, um Gott anzubeten und ihm zu opfern. Wir bekommen einen Einblick, wie sich der Aufenthalt an einem solchen Wallfahrtsort gestaltete. Elkana bringt das Opfer dar. Das geopferte Tier wird aufgeteilt. Einige (wertvolle) Teile geh\u00f6ren Gott \u2013 sie werden verbrannt. Die anderen Teile werden gekocht, und davon d\u00fcrfen sich die Priester und ihre \u201eLehrlinge\u201c f\u00fcr ihre Familien nehmen. Die \u00fcbrigen Teile verzehren die Familie und ihre Angeh\u00f6rigen im Gel\u00e4nde des Wallfahrtsortes. Elkana gibt allen Familienmitgliedern ihre ihnen zustehenden Anteile. Hanna aber gibt er doppelt. Er liebt sie, obwohl sie kinderlos ist. Peninna aber kr\u00e4nkt und dem\u00fctigt Hanna: Sie hat Kinder \u2013 Hanna nicht. So geht das Jahr f\u00fcr Jahr.<\/p>\n<p>In 1 Sam 1,7 hei\u00dft es: <em>\u201e<sup>7<\/sup>Peninna kr\u00e4nkte sie und Hanna weinte und a\u00df nichts. <sup>8<\/sup>Ihr Mann Elkana fragte sie: Hanna, warum weinst du, warum isst du nichts, warum ist dein Herz betr\u00fcbt? Bin ich dir nicht viel mehr wert als zehn S\u00f6hne?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nach dem Essen und Trinken stand Hanna auf und ging allein in das Heiligtum. Der Priester Eli sa\u00df auf seinem Stuhl am T\u00fcrpfosten des Heiligtums. Hanna weinte ihre Verzweiflung heraus, machte Gott ein Gel\u00fcbde, dass sie, wenn sie einen Sohn bek\u00e4me, ihn Gott \u00fcberlassen w\u00fcrde. Lange sprach sie mit Gott in ihrem Herzen. Ihre Lippen bewegten sich. Weil ihre Stimme nicht zu h\u00f6ren war, hielt Eli sie f\u00fcr betrunken und schimpfte mit ihr: \u201eWie lange willst du dich noch wie eine Betrunkene auff\u00fchren. Sieh zu, dass du deinen Weinrausch los wirst!\u201c Aus der Antwort Hannas, dass sie weder Wein noch Bier getrunken habe, erkennt man, dass alkoholische Getr\u00e4nke zu so einem Fest offenbar dazu geh\u00f6rten. Hanna erkl\u00e4rte Elli, dass sie aus gro\u00dfem Kummer und aus gro\u00dfer Traurigkeit so lange mit Gott geredet habe. Eli w\u00fcnschte ihr Frieden und gab ihr die Zuversicht, dass Gott ihr die Bitte erf\u00fcllen werde. Und es hei\u00dft: <em>\u201eDann ging sie weg. Sie a\u00df wieder und hatte kein trauriges Gesicht mehr.\u201c<\/em> (1 Sam 1,18)<\/p>\n<p>\u00dcblicherweise \u2013 das kann man auch aus dem Text erkennen \u2013 \u00fcbernachtete die Familie am Gel\u00e4nde des Heiligtums. Dann wurde fr\u00fch aufgestanden, es folgte ein Gebet, und dann wurde der Heimweg angetreten.<\/p>\n<p>Hannas Wunsch ging in Erf\u00fcllung. Sie gebar einen Sohn, nannte ihn Samuel \u2013 \u201eIch habe ihn von El (Gott) erbeten\u201c.<\/p>\n<p>Bei der n\u00e4chsten Wallfahrt zog Elkana mit seiner ganzen Familie hinauf nach Schilo. Hanna blieb zu Hause und erst, als sie das Kind entw\u00f6hnt hatte (damals fr\u00fchestens mit 3 Jahren), brachte sie entsprechend ihrem Gel\u00fcbde Samuel zu Eli.<\/p>\n<h3><strong>Weitere Informationen \u00fcber Wallfahrt damals<\/strong><\/h3>\n<p>Einige weitere Informationen \u00fcber den Betrieb eines Wallfahrtortes erf\u00e4hrt man auch noch: Elis S\u00f6hne, Hofni und Pinchas, sind Priester des Herrn am Wallfahrtsort. Die Priesterschaft war erblich, die ganze Familie war am Wallfahrtsort t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Noch etwas wird berichtet: Das Schlachtopfer wird dargebracht, der Gott geh\u00f6rende Teil (= das Fett) verbrannt. Dann wird das Fleisch gekocht. Diener des Priesters durften eine dreizinkige Gabel verwenden, damit in den Kessel oder Topf hineinsto\u00dfen, und alles, was die Gabel heraufholte, geh\u00f6rte dem Priester bzw. ihm und seiner Familie. Die S\u00f6hne Elis missachteten den Brauch und nahmen, was ihnen nicht zustand. Laut 1 Sam 2,15ff nahmen sie schon vor der Opferhandlung, dem Verbrennen des Fettes, den priesterlichen Anteil, um ihn abseits der Opfermahlzeiten zu braten statt zu kochen. (Text: 2 Sam 2,15-17)<\/p>\n<p>Eine weitere Information, die offensichtlich sp\u00e4ter in den Text aufgenommen wurde, ist die, dass die Priesters\u00f6hne mit den Frauen, die sich vor dem Eingang des Offenbarungszeltes aufhielten, sexuelle Beziehungen unterhielten. Die Verse sind in ihrer Bedeutung unklar und h\u00e4ngen laut Kommentar zu den Samuelb\u00fcchern von Silvia Schroer damit zusammen, dass man sich in sp\u00e4terer Zeit nicht mehr vorstellen konnte, was die wirklichen Vergehen der Priesters\u00f6hne Hofni und Pinchas gewesen sein mochten.<\/p>\n<h3><strong>Psalmen: Was macht die Psalmen aus?<\/strong><\/h3>\n<ul>\n<li>Alles, was Menschen erleben, wird wie ein liturgischer Akt erfahren, als fr\u00f6hliches Fest, als traurige Klagefeier. Menschen f\u00fchren ein Leben im Angesicht Gottes und vertrauen sich ihm an. Sie sch\u00fctten vor Gott ihr Herz aus und flehen um Gottes Eingreifen.<\/li>\n<li>Die Menschen erleben sich und ihre Welt als gef\u00e4hrdet, das B\u00f6se hat die M\u00f6glichkeit, die Strukturen der Welt zu pr\u00e4gen.<\/li>\n<li>Die Bilder, die in den Psalmen verwendet werden, sind oft heftig. Sie wirken auf uns oft befremdlich und widerspr\u00fcchlich.<\/li>\n<\/ul>\n<h4><strong>Wessen Stimme h\u00f6ren wir<\/strong>:<\/h4>\n<p>Die Stimmen der Bedr\u00fcckten, derer, die in wirklicher Bedrohung leben, f\u00fcr die es um Leben und Tod geht. Die Stimmen der zutiefst Ge\u00e4ngstigten, der Gewaltopfer, die sich nicht den Mund verbieten lassen. Sie schreien zu einem DU, rufen umso lauter, wenn sie es als abwesend erleben. Wir k\u00f6nnen in Solidarit\u00e4t mit ihnen beten oder sind selbst in einer solchen Situation.<\/p>\n<h4><strong>Zu wem sprechen die Psalmen?<\/strong><\/h4>\n<p>Zu Gott, er ist der einzige, der helfen kann.<\/p>\n<h4><strong>Wallfahrtspsalmen<\/strong><\/h4>\n<p>Wallfahren-Pilgern wird oft als Metapher f\u00fcr unseren Lebensweg verwendet. Von den 150 Psalmen werden die Psalmen 120 bis 134 als Wallfahrtslieder bezeichnet. Im Titel kommt meist vor \u201eLied zum Aufstieg\u201c \/ \u201eLied des Aufstiegs\u201c. Gemeint ist der Aufstieg nach Jerusalem, das etwa 800 m \u00fcber dem Meeresspiegel liegt. Aus jeder Richtung geht der Weg hinauf. Zu den drei Hauptfesten\u00a0(Pascha, Wochenfest, Laubh\u00fcttenfest) pilgerten die Israeliten durchs jud\u00e4ische Bergland zum Jerusalemer Tempel.<\/p>\n<p>Eine besondere Bedeutung im Rahmen der \u00f6kumenischen Fastenaktion 2020 hat\u00a0der <strong><em>Psalm 121.\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Psalm 121<br \/>\n<\/strong><em><sup>1<\/sup>Ein Lied f\u00fcr die Wallfahrt.<\/em><br \/>\n<em>Ich erhebe meine Augen zu den Bergen:<\/em><br \/>\n<em>Woher kommt mir Hilfe?<\/em><br \/>\n<em><sup>2<\/sup>Meine Hilfe kommt von Gott,<\/em><br \/>\n<em>der Himmel und Erde erschaffen hat.<\/em><br \/>\n<em><sup>3<\/sup>Er l\u00e4sst deinen Fu\u00df nicht wanken;<\/em><br \/>\n<em>dein H\u00fcter schlummert nicht ein.<\/em><br \/>\n<em><sup>4<\/sup>Siehe, er schlummert nicht ein und schl\u00e4ft nicht,<\/em><br \/>\n<em>der H\u00fcter Israels.<\/em><br \/>\n<em><sup>5<\/sup>Gott ist dein H\u00fcter,<\/em><br \/>\n<em>Gott gibt dir Schatten zu deiner Rechten.<\/em><br \/>\n<em><sup>6<\/sup>Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden<\/em><br \/>\n<em>noch der Mond in der Nacht.<\/em><br \/>\n<em><sup>7<\/sup>Gott beh\u00fctet dich vor allem B\u00f6sen,<\/em><br \/>\n<em>er beh\u00fctet dein Leben.<\/em><br \/>\n<em><sup>8<\/sup>Gott beh\u00fctet dein Gehen und dein Kommen<\/em><br \/>\n<em>von nun an bis in Ewigkeit.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ber\u00fchmte Vertonungen<\/strong> des Psalm 121: Heinrich Sch\u00fctz (SWV 31); Mendelssohn-Bartholdy (op 78)<\/p>\n<h3><strong>Der Zion und die Zionstheologie<\/strong><\/h3>\n<p>Ein gro\u00dfer Sehnsuchtsort bis heute ist der Zion geworden und geblieben.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich war der <strong>Zion<\/strong> eine Turmburg der Jebusiter (2 Sam 5,7) an der s\u00fcd\u00f6stlichen Stadtgrenze des vorisraelitischen Stadtstaats Jerusalem. Entgegen aller Einsch\u00e4tzungen konnte David sie erobern und machte sie zu seinem K\u00f6nigssitz und zum kultischen und politischen Mittelpunkt seines Reiches (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/2._Buch_Samuel\">2 Sam<\/a> 5). Er w\u00e4hlte diese Stadt, weil sie ungef\u00e4hr auf der Grenze zwischen den Gebieten der israelitischen Nordst\u00e4mme \u2013 dem sp\u00e4teren Nordreich Israel \u2013 und der S\u00fcdst\u00e4mme \u2013 dem sp\u00e4teren S\u00fcdreich Juda \u2013 lag und beiden Gebieten die bis dahin fehlende territoriale Geschlossenheit gab.<\/p>\n<p>David \u00fcberf\u00fchrte die <strong>Bundeslade<\/strong> nach Jerusalem (2 Sam 6), damit band er die religi\u00f6sen Traditionen des fr\u00fcheren St\u00e4mmebundes an seinen K\u00f6nigssitz und erm\u00f6glichte deren Verbindung mit Elementen der im Stadtstaat Jerusalem gepflegten Religion Kanaans. Von dem Hofpropheten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Natan_(Prophet)\">Natan<\/a> erhielt er wohl nach seinen Siegen \u00fcber die Nachbark\u00f6nige und erfolgreicher Ausdehnung seines Reiches die Zusage des ewigen Bestandes seiner Dynastie (2 Sam 7,8 ff.). Daran kn\u00fcpfte die sp\u00e4tere Zionstheologie an.<\/p>\n<p>Davids Sohn Salomo baute den vorhandenen jebusitischen Stadttempel zum <strong>Tempel<\/strong> Gottes um (etwa 930 vor Chr.). Auf diesen idealisierten Platz konzentrierte sich die Theologie, die man Zions-Theologie nennt und die heute noch in orthodoxen Kreisen des Judentums wichtig ist. Sogar das Urchristentum trug diese Zions-Erwartung weiter.<\/p>\n<p>Wallfahrtsorte sind oft nicht nur ein kultisches Zentrum, sondern auch ein politisches. Der Tempel in Jerusalem wurde zu einem ganz wichtigen Zentrum f\u00fcr das Reich Davids bzw. Salomos.<\/p>\n<p>Im Jahr 586 vor Chr. zerst\u00f6rten die Babylonier Jerusalem und den Tempel. Zion wurde von da an Ort der Erinnerung und Sehnsucht. Die Haltung beim Gebet wurde nach dem Zion ausgerichtet. Im Zuge der Herrschaft der Perser konnten Juden und J\u00fcdinnen zur\u00fcckkehren. Der Tempel wurde wieder aufgebaut (ca. 520 bis 515 vor Chr.) und erneut kultisches Zentrum des Judentums. In dieser Zeit entstand eine ausgepr\u00e4gte Zionstheologie: Die <strong>V\u00f6lker<\/strong> werden zum Zion pilgern und Gott anbeten (Jes 56,7; 60,1-5).<\/p>\n<h3><strong>V\u00f6lkerwallfahrt zum Zion und Universalismus<\/strong><\/h3>\n<p><strong><em>Jes 56,7: Gemeinsame Anbetung des einzigen Gottes auf dem Zion. <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Jes 56<br \/>\n<\/strong><em><sup>1<\/sup>So spricht Gott: Wahrt das Recht und \u00fcbt Gerechtigkeit,<\/em><br \/>\n<em>denn bald kommt mein Heil<\/em><br \/>\n<em>und meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren!<\/em><br \/>\n<em><sup>2<\/sup>Selig der Mensch, der dies tut,<\/em><br \/>\n<em>und jeder Einzelne, der daran festh\u00e4lt, den Sabbat zu halten<\/em><br \/>\n<em>und ihn nicht zu entweihen und seine Hand vor jeder b\u00f6sen Tat zu bewahren.<\/em><br \/>\n<em><sup>3<\/sup>Der Fremde, der sich Gott angeschlossen hat, soll nicht sagen:<\/em><br \/>\n<em>Sicher wird er mich ausschlie\u00dfen aus seinem Volk.<\/em><br \/>\n<em>Der Eunuch soll nicht sagen: Sieh, ich bin ein d\u00fcrrer Baum.<\/em><br \/>\n<em><sup>4<\/sup>Denn so spricht Gott:<\/em><br \/>\n<em>Den Eunuchen, die meine Sabbate halten, die w\u00e4hlen, was mir gef\u00e4llt<\/em><br \/>\n<em>und an meinem Bund festhalten,<\/em><br \/>\n<em><sup>5<\/sup>ihnen gebe ich in meinem Haus und in meinen Mauern Denkmal und Namen.<\/em><br \/>\n<em>Das ist mehr wert als S\u00f6hne und T\u00f6chter:<\/em><br \/>\n<em>Einen ewigen Namen gebe ich einem jeden, der nicht ausgetilgt wird.<\/em><br \/>\n<em><sup>6<\/sup>Und die Fremden, die sich Gott anschlie\u00dfen,<\/em><br \/>\n<em>um ihm zu dienen und den Namen Gottes zu lieben,<\/em><br \/>\n<em>um seine Knechte zu sein,<\/em><br \/>\n<em>alle, die den Sabbat halten und ihn nicht entweihen<\/em><br \/>\n<em>und die an meinem Bund festhalten,<\/em><br \/>\n<em><sup>7<\/sup>sie werde ich zu meinem heiligen Berg bringen<\/em><br \/>\n<em>und sie erfreuen in meinem Haus des Gebets.<\/em><br \/>\n<em>Ihre Brandopfer und Schlachtopfer werden Gefallen auf meinem Altar finden,<\/em><br \/>\n<em>denn mein Haus<\/em><br \/>\n<em>wird ein Haus des Gebetes f\u00fcr alle V\u00f6lker genannt werden.<\/em><br \/>\n<em><sup>8<\/sup>Spruch Gottes, des Herrn, der die Versprengten Israels sammelt:<\/em><br \/>\n<em>Noch mehr, als ich schon von ihnen gesammelt habe, will ich bei ihm sammeln.<\/em><\/p>\n<p>Das bedeutet volle Akzeptanz im Kult Jerusalems.<\/p>\n<p><strong><em>Dagegen:<\/em><\/strong> Laut Dtn 23,2 d\u00fcrfen Eunuchen nicht in die Versammlung Gottes kommen. Laut Neh 9,2; 13,1-3 (und andere) sollen Fremde aus dem Volks- und Religionsverband Judas ausgeschieden werden.<\/p>\n<p>Gott hat den Zion als Ort seines Heils gew\u00e4hlt: Folgende Psalmen werden als <strong>Zionspsalmen\u00a0<\/strong>bezeichnet: 46, 48, 76, 84, 87, 122, 132.<\/p>\n<p>Wir singen in der Adventzeit gerne das Lied <strong>\u201eTochter Zion\u201c.<\/strong> Zion ist im Lauf der Zeit immer mehr anthropomorph ausgestaltet worden, als Braut Gottes, als K\u00f6nigin, als geachtete Mutter vieler Kinder. Die \u201eTochter Zion\u201c steht zwischen Gott und dem Volk Gottes, in einer jeweils eigenen Beziehung, je nach der Stellung, die man ihr gerade zuschreibt.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr das Neue Testament pr\u00e4gend wurden die Verse Sach 9,9-10: <\/strong><\/p>\n<p><strong>Sach 9<br \/>\n<\/strong><em><sup>9<\/sup>Juble laut, Tochter Zion!<\/em><br \/>\n<em>Jauchze, Tochter Jerusalem!<\/em><br \/>\n<em>Siehe, dein K\u00f6nig kommt zu dir.<\/em><br \/>\n<em>Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil,<\/em><br \/>\n<em>dem\u00fctig ist er und reitet auf einem Esel,<\/em><br \/>\n<em>ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.<\/em><br \/>\n<em><sup>10<\/sup>Ausmerzen werde ich die Streitwagen aus Efraim<\/em><br \/>\n<em>und die Rosse aus Jerusalem,<\/em><br \/>\n<em>ausgemerzt wird der Kriegsbogen.<\/em><br \/>\n<em>Er wird den Nationen Frieden verk\u00fcnden;<\/em><br \/>\n<em>und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer<\/em><br \/>\n<em>und vom Strom bis an die Enden der Erde.<\/em><\/p>\n<p>Sacharja 9-11 enth\u00e4lt vielleicht Hinweise auf den Siegeszug Alexanders des Gro\u00dfen. In Jerusalem wird kein fremder Herrscher, sondern der von Gott gesandte Friedensk\u00f6nig einziehen. F\u00fcr die Christen wird <strong>Jesus zum Messias<\/strong>, durch den alle V\u00f6lker den Bundesgott Israels kennen lernen und anerkennen sollen.<\/p>\n<h3><strong>Von der sp\u00e4t-nachexilischen Zeit bis zu Jesus<\/strong><\/h3>\n<p>\u00dcblich waren Wallfahrten nach Jerusalem 1-3mal im Jahr. Aber dass alle j\u00fcdischen M\u00e4nner Israels 3-mal im Jahr nach Jerusalem pilgerten, darf bezweifelt werden, 1-mal im Jahr wird es schon gewesen sein. Gl\u00e4ubige in der Diaspora bem\u00fchten sich, es einmal im Leben zu schaffen.<\/p>\n<p>Einer, der es ganz genau genommen hat, war Tobit.<\/p>\n<p><strong>Das Tobit-Buch<\/strong> ist eine romanhafte Lehrerz\u00e4hlung. Es entstand in der Mitte des 2. Jhds. vor Chr. und ist ein Muster volkst\u00fcmlicher, erz\u00e4hlerischer Theologie.<\/p>\n<p>An den Hauptpersonen des Buches Tobit erkennt man ein typisches Diaspora-Schicksal. Das hei\u00dft, die Menschen wohnten in verschiedenen Gegenden der Gro\u00dfreiche und waren als Mitglieder der j\u00fcdischen Gemeinden ihrem Glauben treu.<\/p>\n<p>Tobit hielt an den Wallfahrten fest und ging nach Jerusalem und hielt die kultischen Regeln ein bis ins kleinste Detail.<\/p>\n<h3><strong>Jesus als Pilger<\/strong><\/h3>\n<p>Das <strong>Lukasevangelium<\/strong> geht davon aus, dass die Eltern Jesu jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem gegangen sind.<\/p>\n<ul>\n<li>Lk 2,41:\u00a0\u00a0 Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach\u00a0 Jerusalem.<\/li>\n<li>Lk 2,42:\u00a0\u00a0 Als er zw\u00f6lf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.<\/li>\n<li>Lk 2,43:\u00a0\u00a0 Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.<\/li>\n<li>Lk 2,44:\u00a0\u00a0 Sie meinten, er sei in einer Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten &#8230;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das <strong>Johannesevangelium<\/strong> beschreibt, dass Jesus zum Sukkot (Laubh\u00fcttenfest, Erntefest im Herbst) in Jerusalem war (Joh 7).<\/p>\n<p>Im 10. Kapitel des Johannesevangeliums wird erz\u00e4hlt, dass Jesus im Winter beim Tempelweihefest (Chanukka) in Jerusalem war.<\/p>\n<p>Alle <strong>vier Evangelien<\/strong> berichten, dass Jesus zum Pessachfest nach Jerusalem gegangen ist. Am Pessachfest des Jahres 30, am 7. April 30, fand Jesus seinen Tod am Kreuz.<\/p>\n<p>Jesus war dem Tempelkult gegen\u00fcber kritisch eingestellt, vor allem dort, wo er darin eine Verzweckung der Gottesverehrung sah. Johannes der T\u00e4ufer hatte weit weg vom Tempel mit der Taufe am Jordan einen Vers\u00f6hnungsritus geschaffen. Auch Jesus predigte, dass das Reich Gottes nicht an einen Ort gebunden ist, sondern dass es da ist und wirkt.<\/p>\n<p>Im Jahr 70 wurden im J\u00fcdischen Krieg Jerusalem und der Tempel Jerusalems durch die R\u00f6mer zerst\u00f6rt. Es gab schon etwa zweihundert Jahre davor Synagogen-Gemeinden. Die Abl\u00f6sung vom Tempelkult und Neuorganisation des Judentums und der j\u00fcdischen Religion gelang durch das Wirken und die Weisheit der j\u00fcdischen Rabbiner, zumeist aus der Tradition der Pharis\u00e4er.<\/p>\n<h4><strong>Verwendete Literatur<\/strong><\/h4>\n<ul>\n<li>Die Bibel<\/li>\n<li>Herders Neues Bibellexikon, Freiburg im Breisgau, 2008<\/li>\n<li>Thomas Staubli, Begleiter durch das Erste Testament, Patmos-Verlag <sup>2<\/sup>1999<\/li>\n<li>Silvia Schroer, Die Samuelbucher, NSK-AT 7, Stuttgart 1992<\/li>\n<li>Welt und Umwelt der Bibel, Nr. 82, 4. Quartal 2016<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[2020-03-03] Mag. 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