{"id":7298,"date":"2020-03-18T13:19:36","date_gmt":"2020-03-18T12:19:36","guid":{"rendered":"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=7298"},"modified":"2020-09-17T11:30:26","modified_gmt":"2020-09-17T09:30:26","slug":"geschichte-des-pilgerns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=7298","title":{"rendered":"Geschichte des Pilgerns"},"content":{"rendered":"<p>[2020-03-18]<\/p>\n<p>Da Mag. Hermann Signitzer situationsbedingt den dritten Vortrag der Fastenaktion wegen des Corona-Virus nicht halten konnte, k\u00f6nnen Sie die wesentlichen Inhalte des geplanten Vortrages hier nachlesen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7302\" aria-describedby=\"caption-attachment-7302\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7302 size-medium\" src=\"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/signitzer-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7302\" class=\"wp-caption-text\">Mag. Hermann Schnitzer ist in der Erzdi\u00f6zese Salzburg f\u00fcr den Bereich Tourismus- und Freizeitpastoral sowie Gemeindeentwicklung verantwortlich. Bildquelle: Erzdi\u00f6zese Salzburg.<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Prototourismus der Antike mit religi\u00f6sen Motiven<\/h3>\n<p>\u201eNicht erst im r\u00f6mischen Imperium und in der griechischen Staatenwelt des 5. Und 4. Jhds. V. Chr., sondern bereits seit 1500 v. Chr. gingen privilegierte Bev\u00f6lkerungskreise (zum blo\u00dfen Vergn\u00fcgen) auf Reisen.\u201c<\/p>\n<h3>Pilgern bzw. Wallfahren im Judentum<\/h3>\n<h4>Ein Segenswunsch f\u00fcr Jerusalem (Psalm 122)<\/h4>\n<p><em>Von David, ein Wallfahrtslied. Ich freute mich \u00fcber die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Hause des HERRN! \u00a0Nun stehen unsere F\u00fc\u00dfe in deinen Toren, Jerusalem. Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll, wohin die St\u00e4mme hinaufziehen, die St\u00e4mme des HERRN, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des HERRN. Denn dort stehen Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David. W\u00fcnschet Jerusalem Frieden! Es m\u00f6ge wohlgehen denen, die dich lieben! Es m\u00f6ge Friede sein in deinen Mauern und Gl\u00fcck in deinen Pal\u00e4sten! Um meiner Br\u00fcder und Freunde willen will ich dir Frieden w\u00fcnschen. Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.<\/em><\/p>\n<h4>Daniel Schneider schreibt dazu<\/h4>\n<p>Im j\u00fcdischen Glauben ist das Pilgern von Anfang an fest verankert. Schon die Erzv\u00e4ter Abraham, Isaak und Jakob waren st\u00e4ndig unterwegs. Fast alle tragenden Figuren des Alten Testaments sind in Bewegung. Ob Propheten, K\u00f6nige oder einfache Leute: Selten wissen sie, wo genau ihr Weg hingeht und sie erleben unterwegs Gottes Gegenwart. Der Tempel in Jerusalem, die symbolhafte Wohnung Gottes, ist das gro\u00dfe Pilgerziel der Juden in der Antike. Jeder Einwohner Israels sollte mindestens einmal im Jahr, die in der Diaspora lebenden Juden einmal in ihrem Leben, dorthin pilgern.<\/p>\n<p>Die Zerst\u00f6rung des Tempels durch die R\u00f6mer im Jahre 70 hat nicht nur das gesamte Judentum in eine Krise gest\u00fcrzt, sondern es bedeutete neben dem Ende der Kulthandlungen auch das Ende der traditionellen Wallfahrt des Judentums nach Jerusalem. Von da an wurden Gr\u00e4ber von Propheten, Patriarchen oder M\u00e4rtyrern angesteuert. Diese Handlungen sind \u00fcber das Mittelalter bis in die Neuzeit erhalten geblieben, wenn sie auch in der Gegenwart nicht mehr so gebr\u00e4uchlich sind wie in den anderen Religionen.<\/p>\n<p>Muss nicht sein: Die fr\u00fchere West- und jetzige Klagemauer ist durch die israelische Eroberung von Jerusalem im Jahr 1967 auch f\u00fcr j\u00fcdische Besucher wieder zug\u00e4nglich und heute einer der meistbesuchten Orte in ganz Israel. F\u00fcr die Juden stellt dieses 18 Meter hohe und 48 Meter lange Bauwerk weiterhin ein Symbol f\u00fcr den Bund Gottes mit dem Volk Israel dar. Nicht nur Menschen j\u00fcdischen Glaubens pilgern dorthin, beten laut oder stecken ihre aufgeschriebenen Gebete mit dem Wunsch nach Erh\u00f6rung in die Ritzen der Mauer.<\/p>\n<h3>Religi\u00f6se Bedeutung<\/h3>\n<p>Die Sehnsucht, Gott in heiligen St\u00e4tten nahe zu sein und zu suchen ist der Anlass f\u00fcr eine Wallfahrt. Die christliche Wallfahrt hat ihre Wurzeln schon im Judentum. Drei Mal im Jahr fand in Israel eine Wallfahrt zum Tempel in Jerusalem statt. Aus dem Neuen Testament wissen wir, dass auch Jesus nach Jerusalem gepilgert ist. Der Tempel in Jerusalem war ein Ort, der f\u00fcr den j\u00fcdischen Glauben wichtig war. Im Christentum wurden die Gr\u00e4ber der Apostel zu Wallfahrtsorten, z.B. Santiago de Compostella, wo das Grab des Heiligen Jakobus zu finden ist oder Rom mit dem Grab des heiligen Petrus, direkt unter der Kuppel des Petersdoms. Aber auch andere Orte mit Reliquien wurden Wallfahrtsorte, so K\u00f6ln, wo im Dom die Gebeine der Heiligen Drei K\u00f6nige in einem Schrein ruhen.<\/p>\n<p>Wer auf eine Wallfahrt geht, zeigt \u00f6ffentlich, dass er gl\u00e4ubig ist. Er unternimmt eine spirituelle Reise, man kennt auch den Ausdruck: &#8222;Beten mit den F\u00fc\u00dfen&#8220; &#8211; und der Wallfahrer hat meistens ein Anliegen f\u00fcr sich, oder Angeh\u00f6rige und Freunde, das er betend zu seinem Ziel tr\u00e4gt, mit der Intention, Erh\u00f6rung und L\u00f6sung zu finden.<\/p>\n<h3>Biblisches Ideal<\/h3>\n<p>In Jesaja, 2,2 f. wird eine Vision der Wallfahrt aller V\u00f6lker zum Berg Zion beschrieben: &#8222;Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegr\u00fcndet als h\u00f6chster der Berge; er \u00fcberragt alle H\u00fcgel. Zu ihm str\u00f6men alle V\u00f6lker. Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort.&#8220; Alle V\u00f6lker sind unterwegs, auf Wallfahrt zur endg\u00fcltigen Gemeinschaft mit Gott.<\/p>\n<h3>Pilgerfeste des Judentums<\/h3>\n<p>Seit der Zerst\u00f6rung des Jerusalemer Tempels durch Titus im Jahre 70 ist die Wall- oder Pilgerfahrt, wie man sie aus dem christlichen oder islamischen religi\u00f6sen Kulturkreis kennt, im Judentum nicht mehr gebr\u00e4uchlich. Im antiken Judentum wurden dagegen Pessach, Schawuot und Sukkot von den Israeliten als Pilgerfeste eingehalten, wie es bereits im Tanach geboten wird. Besondere Bestimmungen f\u00fcr die Pilger finden sich im Talmud im Traktat Chagiga. Die Reise des Propheten Elija zum Berg Sinai wird in der Bibel als pers\u00f6nliche Erfahrung beschrieben. Ziel der antiken j\u00fcdischen Reisen zu den Zeiten der Pilgerfesten war seit der Errichtung des Tempels durch K\u00f6nig Salomo der Tempel in Jerusalem. Davon ist nur noch die fr\u00fchere Westmauer des Plateaus des zweiten Tempels erhalten. Die Mauer ist nicht wie h\u00e4ufig angenommen eine Mauer des Tempels selbst (siehe auch Tempelberg) und es gibt im Judentum heute keine Pilger- oder Wallfahrten, auch nicht zu dieser Westmauer. Im heutigen Judentum hat die Wallfahrt, wie gesagt, keinerlei religi\u00f6se Bedeutung. Es sind wichtige m\u00f6gliche Orte von Wallfahrten, wie das Grab des Mose in der Tradition des Judentums geradezu aktiv &#8222;vergessen&#8220; worden, um Heiligenverehrung und G\u00f6tzendienst zu verhindern.<\/p>\n<h3>Erstes Einsetzen von Wallfahrtsbewegungen im Christentum<\/h3>\n<h4>Kaiserin Helena und das Kreuz<\/h4>\n<p>Heiliges Kreuz oder wahres Kreuz Christi ist die Bezeichnung f\u00fcr das Kreuz, an dem Jesus Christus den Opfertod starb. Dieses Kreuz wurde angeblich im Jahr 325 gefunden. Es wurde in mehrere Teile geteilt und an verschiedene Orte gebracht. Im Mittelalter gab es eine gro\u00dfe Anzahl von angeblichen Splittern des Wahren Kreuzes. Diese z\u00e4hlten zu den wichtigsten christlichen Reliquien \u00fcberhaupt. Sie wurden in wertvollen Reliquiarien, den sogenannten Staurotheken, aufbewahrt. Um diese Reliquien entstanden zahlreiche Heilig-Kreuz-Kirchen in ganz Europa.<\/p>\n<p>Feste des Heiligen Kreuzes sind Kreuzerh\u00f6hung (am 14.\u00a0September) und einige andere, bewegliche Feste. Am Karfreitag findet in der Feier vom Leiden und Sterben Christi die Kreuzverehrung statt. In den orthodoxen Kirchen gibt es im Kirchenjahr mehrere sogenannte Kreuzprozessionen. Gedenktag der Wiederauffindung ist das Fest der Kreuzauffindung (3.\u00a0Mai, in der au\u00dferordentlichen Form des r\u00f6mischen Ritus, 6.\u00a0M\u00e4rz oder 7.\u00a0Mai, orthodox).<\/p>\n<h3>Kreuzauffindung um 325<\/h3>\n<p>Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, lie\u00df im Heiligen Land nach Gegenst\u00e4nden suchen, die mit dem Leiden und Sterben Christi in direktem Zusammenhang standen.<\/p>\n<p>Drei Legenden berichteten in verschiedenen Versionen von der Auffindung des Heiligen Kreuzes durch den Rabbiner Judas Cyriacus oder durch Helena. Daneben sollen auch die N\u00e4gel und das Heilige Grab wiedergefunden worden sein.<\/p>\n<ul>\n<li>325: Dieses war Anlass zum Bau der Grabeskirche in Jerusalem. Ein Teil des Kreuzes wurde in die Palastkapelle Helenas, Santa Croce in Gerusalemme, nach Rom gebracht, ein anderer Teil zu ihrem Sohn nach Konstantinopel.<\/li>\n<li>Ein weiterer Teil blieb in Jerusalem, davon berichtete die Pilgerin Egeria im Jahre 383:\u00a0\u201eIn Jerusalem wird ein vergoldetes K\u00e4stchen gezeigt, in dem sich ein Teil des Heiligen Kreuzes befindet; es wird ge\u00f6ffnet, das Kreuzholz herausgehoben und zusammen mit der Kreuzinschrift auf den Tisch gelegt.\u201c<\/li>\n<li>614, 22. Mai: Der Sassanidengeneral Shahrbaraz eroberte Jerusalem und \u00fcberf\u00fchrte die Reliquien nach Ktesiphon, wo sie von der christlichen \u201eK\u00f6nigin der K\u00f6niginnen\u201c, Schirin, in Empfang genommen wurden.<\/li>\n<li>628: Der Sassanidenk\u00f6nig Chosrau II. unterlag dem byzantinischen Kaiser Herakleios. Durch seinen Tod entstanden Machtk\u00e4mpfe um den Thron. Die Tochter Chosraus II., Boran, schloss mit Byzanz einen Friedensvertrag ab und veranlasste die R\u00fcckgabe der Reliquien.<\/li>\n<li>630, 21. M\u00e4rz: feierliche Wiederausstellung des Teilst\u00fccks des \u201eHeiligen Kreuzes\u201c in Jerusalem.<\/li>\n<li>638: Eroberung von Jerusalem durch die Muslime. Die byzantinischen Kreuzteile sind seit dieser Zeit verschollen \u2013 angebliche Splitter tauchen sp\u00e4ter in Kreuzfahrerkreisen auf. Anderen Versionen zufolge wurden sie vor den Muslimen nach Konstantinopel in Sicherheit gebracht oder verblieben in Jerusalem.<\/li>\n<li>1099: Jerusalem wurde erobert, und die Kreuzfahrer stie\u00dfen bei ihrer Suche nach dem \u201ewahren Kreuz\u201c auf einen syrischen Christen, dessen Familie das Kreuz h\u00fctete. Da er sich weigerte, es herauszugeben, trieb man ihm brennende Piniensp\u00e4ne unter die N\u00e4gel und brach ihm Knochen, bis er das Versteck preisgab. Seither wurde das Kreuz bei allen wichtigen Feldz\u00fcgen und Schlachten gegen die Sarazenen bis zur Schlacht bei Hattin 1187 mitgef\u00fchrt.<\/li>\n<li>1187: nach Aussage mittelalterlicher Quellen geriet das Heilige Kreuz \u2013 also vermutlich jenes, das 628 nach Jerusalem zur\u00fcckgebracht worden war \u2013 bei der Schlacht bei Hattin in die H\u00e4nde der muslimischen Ayyubiden und ist seither verschollen.<\/li>\n<li>1204: Eroberung von Konstantinopel. Hunderte kleinste Holzteile, die vom dort angeblich zerteilten Kreuz stammen sollen, wurden von Kreuzrittern nach Europa gebracht. Die K\u00f6lner K\u00f6nigschronik, die Chronica regia Coloniensis[3], berichtet zum Jahre 1204: Nach der Eroberung der Stadt wurden unsch\u00e4tzbare Reicht\u00fcmer gefunden, unvergleichlich kostbare Edelsteine und auch ein Teil des Kreuzes des Herrn, das, von Helena aus Jerusalem \u00fcberf\u00fchrt und mit Gold und kostbaren Edelsteinen geschm\u00fcckt, dort h\u00f6chste Verehrung erfuhr. Es wurde von den anwesenden Bisch\u00f6fen zerteilt und mit anderen sehr kostbaren Reliquien unter den Rittern aufgeteilt; sp\u00e4ter, nach deren R\u00fcckkehr in die Heimat, wurde es Kirchen und Kl\u00f6stern gestiftet.[4]<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Sakralbauten zum Heiligen Kreuz<\/h3>\n<p>In vielen Kirchen und Kl\u00f6stern werden Partikel des Heiligen Kreuzes aufbewahrt und verehrt. Im deutschsprachigen Raum etwa<\/p>\n<ul>\n<li>im Hildesheimer Dom im Bernwardskreuz<\/li>\n<li>in der Kirche Heilig Kreuz und Mari\u00e4 Himmelfahrt des Klosters Scheyern im Scheyrer Kreuz.<\/li>\n<li>im ehemaligen Benediktinerkloster Wiblingen in der \u00d6lbergkapelle<\/li>\n<li>im Heilig-Kreuz-M\u00fcnster in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd im Heilig-Kreuz-Reliquiar<\/li>\n<li>in der Kreuzkapelle im Stift Heiligenkreuz in Nieder\u00f6sterreich[6<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Die iro-schottischen Wanderm\u00f6nche<\/h3>\n<p>Die h\u00e4ufig asketischen Wandermissionare wie zum Beispiel Rupert und Virgil (und Bonifatius) verwirklichten auf ihren lebenslangen Wegen durch West- und Zentraleuropa eine ganz besondere Form des Peregrinus-Gedanken. Die einsame Pilgerschaft im Fremdsein auf Erden um Christi Willen.<\/p>\n<p>Der vom altr\u00f6mischen Recht gesch\u00fctzte Status des Fremden (Fremdling) wurde erst in sp\u00e4tmittelalterlichen Zeit zur Spottfigur des bettelnden Wallbruders, dem man keinen Pilgersegen antrug.<\/p>\n<p>Pilgerreisen leiten sich von der religi\u00f6sen Vorstellung ab, das ganze Leben sei eine Reise. Der Pilger brach auf in eine reinere Welt um Gl\u00fcckseeligkeit zu erfahren: Das Leben ist eine Pilgerschaft (vita es peregrinato). Ab dem 6. Jahrhundert verlie\u00dfen irische M\u00f6nche ihre Kl\u00f6ster, die dem Missionsauftrag Jesu und dem Beispiel des wandernden Abrahams gerecht werden wollten. Die urspr\u00fcngliche, in der Regel ziellose, Pilgerreise wurde oft am Ende eines Lebens unternommen und nicht wenige Pilger traten im Anschluss in ein Kloster ein, um den Zustand der Reinheit zu bewahren.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahrhunderte wurde die urspr\u00fcngliche Pilgerfahrt (vita es peregrinato) durch die Pilgerfahrt zu heiligen Orten (peregrinato ad loca sancta) weitestgehend abgel\u00f6st. Pilgerfahrten zu heiligen St\u00e4tten begr\u00fcnden sich in der Vorstellung, dass Gott an bestimmten Orten besonders geneigt ist die Bitten der Gl\u00e4ubigen zu erh\u00f6ren.<\/p>\n<h3>Pilgern im mittelalterlichen Europa<\/h3>\n<p>In seinem autobiographischen Roman \u201eDas neue Leben\u201c (um 1293) unterscheidet der Dichter Alighieri Dante zwischen drei Bezeichnungen f\u00fcr die Pilger: \u201eSie hei\u00dfen palmieri, weil sie \u00fcbers Meer in ein Land reisen, aus dem sie oftmals einen Palmzweig mitbringen. Sie hei\u00dfen peregrini, weil sie zu der heiligen St\u00e4tte in Galicien reisen und dort das Grab des hl. Jakobus in gr\u00f6\u00dferer Ferne von seinem Heimatort liegt als das eines jeden anderen Apostels. Und sie hei\u00dfen romani, weil sie nach Rom reisen.\u201c<\/p>\n<h3>Schwerpunkt Jakobsweg<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7306\" src=\"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Jakobsweg_1584534146-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Jakobsweg_1584534146-600x400.jpg 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Jakobsweg_1584534146-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Jakobsweg_1584534146.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Legenden zu St. Jakob:\u00a0&#8222;Im Namen Gottes, Leon, Bischof von Jerusalem, an die K\u00f6nige der Franken, Vandalen, Goten und R\u00f6mer. Nehmt Kenntnis von der \u00dcberf\u00fchrung des Leichnams des Heiligen Apostel Jakobus, des Bruders des gleicherma\u00dfen Apostels und Evangelisten Johannes. Hier in Jerusalem wurde er gek\u00f6pft auf Befehl des K\u00f6nigs Herodes und sein Leichnam wurde, von der Hand Gottes geleitet, in einem Schiff \u00fcberf\u00fchrt. Nach siebent\u00e4giger Fahrt lief das Schiff zwischen den Fl\u00fcssen, die Ulla und Sar genannt werden, in einem Ort, das den Namen Bisria tr\u00e4gt, an. Von dort wurde der heilige Leichnam durch die Luft zur Sonne erhoben. Seine durch den Verlust des Leichnams betr\u00fcbten J\u00fcnger legten wehklagend und zu Gott flehend zw\u00f6lf Meilen zur\u00fcck, bis sie an die Stelle kamen, an welcher der heilige Leichnam sich unter Marmorb\u00f6gen begraben findet. Die drei seiner J\u00fcnger, die mit ihm zusammen begraben liegen und den Namen Torquatus, Tisefons und Anastasius sind, verblieben bei dem Leichnam und besiegten mit Hilfe des Heiligen Apostels Jakobus den Drachen vom Berg Illicinus, der seither Heiliger Berg genannt wird. Die \u00fcbrigen vier J\u00fcnger kehrten zusammen, gef\u00fchrt von der Hand Gottes, mit dem Schiff nach Jerusalem zur\u00fcck und berichteten uns das alles auf einer Synode. Ihr, gesamte Christenheit, die dahin fahrt, sagt Dank und betet zu Gott, denn es ist wahr, da\u00df dort verborgen der Leichnam des Apostels Jakobus ruht.<\/p>\n<p>Nach den Geschichten vom Martyrium des Apostel Jakobus, wie es in den ersten 800 Jahren von den Christen weitergegeben wurde, wurde er &#8222;zusammen mit seinem Bruder Johannes von den Zenturionen Lysius und Theocritus festgenommen und ins Gef\u00e4ngnis geworfen wurde. Ein Hoher Priester namens Abiathar hatte die Volksmenge zu Krawallen aufgehetzt und beschuldigte Jakobus und seinen Bruder als Anstifter. Daraufhin wurde er mit der Schlinge um seinen Hals von dem Schriftgelehrten Josias zu Herodes Agrippa gef\u00fchrt, der seine Enthauptung befahl.&#8220;<\/p>\n<p>Jakobus war von Geburt Galil\u00e4er und war mit seinem Vater Zebed\u00e4us und seinem Bruder Johannes, dem sp\u00e4teren Evangelisten, Fischer. Seine Mutter Salome soll die Base der Jungfrau Maria gewesen sein. Von Christus selbst soll er den Befehl erhalten haben, nach Spanien zu gehen und dort das Evangelium zu verk\u00fcnden. Beim Abschied von der Jungfrau Maria bat diese ihn darum, in derjenigen Stadt Spaniens, in der er Menschen bekehren werde, ihr zur Ehre eine Kirche errichten zu lassen. Sie wolle ihm selbst zur gegebenen Zeit den geeigneten Ort zeigen. So fuhr er nach Spanien und predigte in Asturien, Galizien, Castilien und in Aragonien. Er hatte bei den Spaniern und R\u00f6mern wenig Erfolg. Nur in Saragossa gewann er 8 Sch\u00fcler. Da erschien ihm nachts Maria und sprach zu ihm: &#8222;Jakobus, diesen Ort habe ich zu meiner Kirche erkoren. Auf der Stelle, wo diese S\u00e4ule steht, auf der ich sitze, sollst du den Altar der Kapelle bauen, denn dort wird mein Sohn auf meine Bitten Gnaden erweisen und Wunder tun. Diese S\u00e4ule aber soll hier bleiben und wird hier bleiben bis zum Ende der Welt.&#8220; Jakobus errichtete mit seinen J\u00fcngern wie von Maria angegeben die Kapelle. Nach dessen Vollendung weihte er den w\u00fcrdigsten seiner J\u00fcnger zum Priester und kehrte dann nach Jerusalem zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dort herrschte inzwischen Herodes Agrippa, ein Enkel des K\u00f6nig Herodes. Dieser war von den R\u00f6mern zum Prunk verf\u00fchrt worden, was den Juden nicht gefiel. Um sich wieder bei den Juden einzuschmeicheln, gab er vor, ein guter Jude zu sein und verfolgte daher die Christen. Jakobus wurde von einem Juden bei Agrippa angezeigt, der ihn sofort festnehmen lie\u00df. Beim Verh\u00f6r sah der Denunziant die Unerschrockenheit des Apostels und wurde daraufhin selbst Christ. Dies ver\u00e4rgerte Herodes Agrippa so sehr, da\u00df er beide sofort zum Tode verurteilte. Auf dem Weg zum Richtplatz gestand der neue Christ dem Jakobus sein Vergehen und erbat von ihm Verzeihung, die ihm der Apostel gab. So erlitt Jakobus im Jahre 44 den Martertod.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurde er zusammen mit dem Denunzianten in Jerusalem begraben. Einige Jahre sp\u00e4ter wurde der Leib des Apostels nach Iria Flavia gebracht und dort beigesetzt. Auf wunderbare Weise wurden die Reliquien zu Beginn des 9.Jh. wiedergefunden. Bischof Theodomir, Bischof von Iria Flavia, hat 829 die Stadt Santiago de Compostela gegr\u00fcndet. Compostela von &#8222;Campus stellae&#8220;, d.h. &#8222;Feld des Sterns&#8220;, denn ein Stern hat den Ort des Grabes \u00fcber diesem Feld angezeigt. K\u00f6nig Alfons II. errichtete an der Stelle des Grabes eine Kapelle. Diese wurde aufgrund der vielen Pilger bald zu klein, so da\u00df noch im gleichen Jahrhundert eine Kathedrale gebaut wurde, die 874 vollendet und 899 eingeweiht wurde.<\/p>\n<p>Das r\u00f6mische Martyrologium hat eine &#8222;neue&#8220;, weil sonst nirgends anders gefundene, Legende aufzuweisen. Zum Tag des 25.Juli hei\u00dft es beim hl. Jakobus: &#8222;Seine Gebeine wurden am heutigen Tag von Jerusalem nach Spanien \u00fcberf\u00fchrt und in der westlichen Provinz Gall\u00e4cia beigesetzt.&#8220;<\/p>\n<h4>Jakobus als Maurent\u00f6ter<\/h4>\n<p>1064 wurde Coimbra von den Christen belagert. Die Christen beteten zum hl. Jakobus. Dies sah ein Grieche, der sich dar\u00fcber wunderte, da\u00df ein Heiliger angerufen wird, um gegen die Mauren zu k\u00e4mpfen. Es wurde ihm der ganze Sachverhalt erkl\u00e4rt, aber er glaubte immer noch nicht. Da erschien ihm der Apostel selbst im Traum und sprach: &#8222;Du h\u00e4ltst es f\u00fcr ungeh\u00f6rig, da\u00df die Pilger mich einen Ritter nennen und glaubst nicht, da\u00df ich einer bin &#8211; ich zeige dir nun, da\u00df ich einer von den Rittern Christi bin und den Christen gegen die Mauren helfe!&#8220; Mit diesen Worten stieg er auf sein wei\u00dfes Pferd und eilte dem K\u00f6nig Fernando zuhilfe, um die Stadt Coimbra zu erobern.<\/p>\n<p>Nach dem Pseudo-Turpin soll Karl der Gro\u00dfe das Grab entdeckt haben: &#8222;Da sah er pl\u00f6tzlich am Himmel eine Sternenstra\u00dfe. Sie begann am friesischen Meer und f\u00fchrte \u00fcber Deutschland &#8230; Navarra und Spanien bis nach Galicien, wo damals der Leichnam des seligen Jakobus unbekannt ruhte. Nachdem Karl diese Stra\u00dfe in mehreren N\u00e4chten nacheinander erblickt hat, fragte er sich immer wieder, was das bedeuten solle. Als er nun eifrig \u00fcber all das nachdachte, erschien ihm nachts im Traume eine \u00fcber die Ma\u00dfen sch\u00f6ne Heldengestalt und sagte: &#8222;Was tust du, mein Sohn?&#8220; Er aber sprach: &#8222;Wer bist du, Herr?&#8220; &#8211; &#8222;Ich bin, sagte jener, der Apostel Jacobus, der J\u00fcnger Christi. &#8230; Die Sternenstra\u00dfe, die du am Himmel gesehen hast, bedeutet, da\u00df du mit Heeresmacht zum Kampf gegen das ungl\u00e4ubige Heidenvolk, zur Befreiung meiner Stra\u00dfe und meiner Erde und zum Besuch meiner Kirche und meines Grabes aus dieser Gegend nach Galicien ziehen sollst. Und nach dir werden alle V\u00f6lker, von Meer zu Meer wandernd und Vergebung ihrer S\u00fcnden vom Herrn erflehend, dorthin ziehen, und sie erz\u00e4hlten das Lob Gottes und seine Macht und die Wunder, die er tat. Sie werden ziehen von deiner Lebenszeit an bis zum Ende dieser irdischen Welt.&#8220;<\/p>\n<p>Somit machte sich Karl der Gro\u00dfe mit seinem Heer auf den Weg nach Santiago. Die erste von ihm belagerte Stadt war Pamplona. Nach 3 Monaten erfolgsloser Belagerung betete Karl der Gro\u00dfe zu Gott und dem hl. Jakobus. Daraufhin st\u00fcrzten die Mauern ein.<\/p>\n<p>Bei Montjardin wurde Karl gemeldet, da\u00df ihn der Navarreserf\u00fcrst Furre bekriegen will. Karl bat Gott darum, da\u00df er ihm zeigen m\u00f6ge, welche Soldaten sterben sollen. Am n\u00e4chsten Morgen hatten diese ein rotes Kreuz auf ihren Panzerhemden. Da Karl diese nicht verlieren, lie\u00df er sie in eine Kapelle einschlie\u00dfen. Als er aber nach der Schlacht nachsah, waren alle eingeschlossenen Ritter tot.<\/p>\n<p>Bei der Schlacht um Sahagun fanden einige Ritter ihre Lanzen am n\u00e4chsten Morgen belaubt. Karl wurde geoffenbart, da\u00df diese in dieser Schlacht die M\u00e4rthyrerpalme erlangen sollen.<\/p>\n<h4>Die Jakobsmuschel<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7307\" src=\"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/jakobsweg-116993_1280-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/jakobsweg-116993_1280-600x400.jpg 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/jakobsweg-116993_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/jakobsweg-116993_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Um die Jakobsmuschel ranken sich Legenden, in deren Mittelpunkt der Heilige Jakobus steht. Auf einer Anh\u00f6\u00f6he zwischen Pamplona und Puente la Reina wurde ein v\u00f6llig entkr\u00e4fteter Pilger vom Teufel heimgesucht, der ihm anbot, ihm eine Quelle zu zeigen, wenn er von der Pilgerschaft ablie\u00dfe. Der Pilger lehnte das Angebot ab und der Teufel verschwand. An gleicher Stelle erschien der Heilige Jakobus im Pilgergewand mit Stab und Muschel und zeigte ihm eine Quelle frischen Wassers. Daraus gab er ihm mit einer Jakobsmuschel zu trinken.<br \/>\nEine andere Legende \u00fcber die Jakobsmuschel erz\u00e4hlt die Geschichte eines Ritters, der versuchte, das Schiff mit dem Leichnam des Apostels zu bergen, als es auf die K\u00fcste Galiciens zutrieb. Der Ritter trieb sein Pferd in die Fluten und beide drohten zu ertrinken, wurden aber von Jakobus gerettet. Als sie das Ufer erreichten, war das Pferd des Ritters vollst\u00e4ndig mit Muscheln bedeckt. So wurde die Jakobsmuschel f\u00fcr ihn zum Amulett und er stand unter dem besonderen Schutz des Heiligen.<\/p>\n<p>Eine etwas andere Variante lautet folgenderma\u00dfen: Als ein portugiesischer Ritter in der N\u00e4he der Anlegestelle jenes Schiffes stand, welches den Apostel nach Spanien brachte, wurde das Pferd von dem Stern, der auf Jakobus herableuchtete, so irritiert, dass es ins Wasser sprang und den Ritter mit in die Tiefe nahm. Er wurde gerettet und war vollst\u00e4ndig mit Jakobsmuscheln bedeckt.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise hat die Bedeutung der Jakobsmuschel oder \u201evieira\u201c auch nur in der Erinnerung an eine Pilgerschaft oder ihrer Best\u00e4tigung gelegen. Wer eine Jakobsmuschel mit nach Hause brachte, best\u00e4tigte hiermit seine Pilgerreise bis Santiago de Compostela und weiter bis an den Atlantik bei Fisterra.<\/p>\n<p>Heute ist die Jakobsmuschel das Kennzeichen des Jakobsweges und ein wichtiger Hinweis bei der Wegbeschreibung. Es gibt zahlreiche unterschiedliche darstellungen von Jakobsmuscheln, die entlang des Jakobsweges die Richtung weisen.<\/p>\n<h4>Die Geschichte des Jakobsweges im speziellen<\/h4>\n<ul>\n<li>Vor 44 Der Apostel Jakobus wirkt in Hispanien als Missionar. So erz\u00e4hlen es zumindest sp\u00e4tere Geschichten \u00fcber Jakobus den \u00c4lteren.<\/li>\n<li>44 Nach seiner R\u00fcckkehr nach Pal\u00e4stina wird der Apostel Jakobus auf Veranlassung von K\u00f6nig Herodes Agrippa ermordet (mit dem Schwert enthauptet). Seine Anh\u00e4nger entf\u00fchren den Leichnam und bringen diesen auf ein Schiff, der von einem Engel an die K\u00fcste des heutigen Galiciens gef\u00fchrt wird.<\/li>\n<li>813 Auf dieses Jahr wird der Fund datiert. Siehe auch Legende.<\/li>\n<li>25. Juli 816 Die neue Kapelle zu Ehren des Heiligen Jakobus wird fertig gestellt, die Gebeine werden umgebettet. Daher wird der Jakobstag am 25. Juli gefeiert.<\/li>\n<li>23. Mai 844 Apostel Jakobus greift zu Gunsten der Christen in die Schlacht bei Clavijo ein und verhielt ihnen zu einen Sieg \u00fcber die Mauren. Ob die Schlacht wirklich stattgefunden hat, ist fraglich, sie wird erstmals im 11. Jahrhundert in einer gef\u00e4lschten Urkunde erw\u00e4hnt. Sie begr\u00fcndet aber den Ruf des Heiligen als Maurent\u00f6ter.<\/li>\n<li>899 In Santiago wird eine Kirch zu Ehren des Apostels eingeweiht. Zu dieser Zeit herrscht K\u00f6nig Alfons III.<\/li>\n<li>10. Jahrhundert: Mitte des 10. Jahrhundert wandern die ersten Pilger aus Mitteleuropa von Frankreich \u00fcber die Pyren\u00e4en nach Santiago de Compostela. Bedingt durch die vielen Ausl\u00e4ndern unter den Pilgern erh\u00e4lt diese Strecke des Jakobsweg den Namen Camino Franc\u00e9s (Franz\u00f6sischer Weg, Weg der Franken?). Aus der Zeit um 930 gibt es eine Notiz \u00fcber einen Pilger, der in Compostela gewesen sein soll. Die Notiz findet sich in den Markusmirakeln (Kloster Reichenau). Der erste namentlich belegte Pilger von n\u00f6rdlich der Pyren\u00e4en ist Bischof Godeschalk von Le Puy aus dem heutigen Frankreich (950\/51).<\/li>\n<li>1049 Konzil von Reims. Auf diesem merkt Papst Leo IX. an, dass Compostela zu Unrecht die Bezeichnung apostolischer Sitz trage.<\/li>\n<li>Vom 11. Jahrhundert an entwickelte sich Santiago de Compostela zu einem der gr\u00f6\u00dften Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa gab es feste Wallfahrtswege, alle mit dem Ziel, das Jakobsgrab im Nordwesten Spaniens zu erreichen.<\/li>\n<li>1075 Baubeginn der bis heute erhaltenen romanischen Kathedrale von Santiago de Compostela.<\/li>\n<li>1095 Der Bischoffsitz wird endg\u00fcltig von Iria Flavia nach Compostela \u00fcbertragen. 1124 folgt auch das Erzbischofrechts.<\/li>\n<li>1095 Aufruf zum Kreuzzug zur Befreiung des Heiligen Landes und Jerusalems. Der erste Kreuzzug endet 1099 mit der Einnahme Jerusalems durch ein Kreuzritterheer.<\/li>\n<li>1122 Das Heilige Jahr wird eingef\u00fchrt, wenn der Gedenktag auf einen Sonntag f\u00e4llt, wird das Jahr zum Heiligem Jahr und die Wallfahrer erhalten Ablass aller S\u00fcndenstrafen.<\/li>\n<li>1128 Die heutige Santiago Kathedrale wird eingeweiht, im 18. Jahrhundert erh\u00e4lt die Kathedrale einen barocken Mantel.<\/li>\n<li>Um 1150 Das Liber Sancti Jacobi (Jakobsbuch) wird zusammengestellt. Der f\u00fcnfte Teil des Buches bietet einen Pilgerf\u00fchrer.<\/li>\n<li>Anfang 11. und 12. Jahrhundert Bl\u00fctezeit der Wallfahrt. Santiago de Compostela profitiert als Wallfahrtsort davon, dass die heiligen St\u00e4tten Jerusalems (erster Wallfahrtsort der Christenheit vor Rom) nicht oder nur \u00e4u\u00dferst schwer zug\u00e4nglich ist, da die Stadt unter der Herrschaft der Sarazenen steht.<\/li>\n<li>1155-1172 In diese Jahre f\u00e4llt die Abfassung bzw. die F\u00e4lschung des Privilegs \u00fcber die angebliche Hilfe des Apostels Jakobus in der Schlacht von Clavijo (vielleicht 844). Aus dieser wird die Pflicht von Abgaben (votos) an die Kathedrale von Compostela abgeleitet. Auch die Legende um den Tribut der hundert Jungfrauen entsteht um diese Zeit.<\/li>\n<li>1170\/71 Der Santiago-Ritterorden wird gegr\u00fcndet.<\/li>\n<li>1188 Meister Mateo vollendet das Westportal (P\u00f3rtico de la Gloria) der Kathedrale von Santiago de Compostela.<\/li>\n<li>Im Laufe der Zeit entstanden entlang des Pilgerwegs Spit\u00e4ler, Rasth\u00e4user, Kapellen. An wichtigen Punkten entstanden Siedlungen aus denen sp\u00e4ter St\u00e4dte wie Puente la Reina wurden.<\/li>\n<li>1495 Es erscheint der deutschsprachige Pilgerf\u00fchrer (Die walfart und stra\u00df zu sant Jacob) des Servitenm\u00f6nches Hermann K\u00f6nig (oder Hermann K\u00fcnig, geboren um 150 in Vacha, gestorben nach 1495) von Vach. Der Pilgerf\u00fchrer wird mehrfach nachgedruckt.<\/li>\n<li>1504, nach dem Ende der Reconquista, wurde die Universit\u00e4t gegr\u00fcndet, die heute zu einer der gr\u00f6\u00dften in Europa geh\u00f6rt.<\/li>\n<li>1589 Ein Jahr nach dem Spanien die Niederlage der Armada im Kampf gegen England hinnehmen musste taucht Sir Francis Drake, der an dem Untergang der spanischen Seekr\u00e4fte ma\u00dfgeblich mitbeteiligt war, vor der K\u00fcste Galiciens auf. Francis Drake, der auf einer Erdumsegelung zahlreiche spanische St\u00e4dte in den s\u00fcdamerikanischen Kolonien pl\u00fcnderte und Schiffe aufbrachte, verbreitete unter der Bev\u00f6lkerung Angst und Schrecken und zwar derart, dass die Reliquien aus Santiago de Compostela in Sicherheit gebracht werden. Der Ort ist so sicher, dass man sie nach Abzug der Bedrohung nicht mehr wieder findet. Die Reliquien des Heiligen Jakobus bleiben f\u00fcr fast drei Jahrhunderte verschollen.<\/li>\n<li>1879 Nach fast dreihundert Jahren werden die Jakobusreliquien wiederentdeckt. Papst Leo XIII. erkennt sie als echt an und billigt sie mit der Bulle Deus omnipotens. Nach ihrer Wiederentdeckung wird erneut zu Wallfahrten nach Santiago de Compostela aufgerufen.<\/li>\n<li>1937 Spanischer B\u00fcrgerkrieg. Ein Dekret unter Francisco Franco Bahamonde erm\u00f6glicht die erneute F\u00f6rderung des Jakobskultes in Spanien.<\/li>\n<li>1993 Die UNESCO deklariert den Jakobsweg zum Weltkulturerbe.<\/li>\n<li>2010 Heiliges Jahr in Santiago de Compostela.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Pilgermotive \u2013 weltliche und religi\u00f6se<\/h3>\n<h4>Traditionelle Beweggr\u00fcnde f\u00fcr die Pilgerschaft<\/h4>\n<ol>\n<li>Verehrung eines Heiligen oder eines Heiligtums<\/li>\n<li>Suche nach Heil:\u00a0Die Menschen m\u00f6chten etwas unternehmen f\u00fcr ihr Heil: f\u00fcr das Heil im Diesseits und auch im Hinblick auf das Jenseits.<\/li>\n<li>Zur Busse und S\u00fchne von begangenem Unrecht, von Schuld, von S\u00fcnden.<\/li>\n<li>Wunder: In der Hoffnung, es geschehe ein Wunder, es geschehe eine Heilung (z.B. Lourdes).<\/li>\n<li>Gel\u00fcbde: Zur Erf\u00fcllung eines abgelegten Gel\u00fcbdes nach Bestehen einer Gefahr oder Krankheit.<\/li>\n<li>Zum Dank f\u00fcr eine Heilung oder Errettung aus einer Not.<\/li>\n<\/ol>\n<h4>Speziell mittelalterliche Beweggr\u00fcnde der Santiago-Pilgerreise<\/h4>\n<ol>\n<li>Politisch motiviert:\u00a0K\u00f6nige und F\u00fcrsten besuchen einen Ort aus Prestigegr\u00fcnden \u00a0(Anleihen sind z.B. bei heutigen Papstbesuchen zu erkennen).<\/li>\n<li>Bezahlte Pilgerreise:\u00a0reiche Leute, die selber keine Zeit (oder vielleicht auch keine Lust) hatten, beauftragten und bezahlten PilgerInnen, in ihrem Namen eine Pilgerreise anzutreten.<\/li>\n<li>Strafvollzug:\u00a0statt jemanden ins Gef\u00e4ngnis zu schicken, wurden Verurteilte auf den Weg nach Santiago geschickt. Gegen Vorweisung der Pilgerurkunde vom Zielort war die Strafe erlassen. (\u00c4hnlichkeiten sind heute bei Drogenabh\u00e4ngigen-Projekten zu erkennen: per Schiff unterwegs, Outdoor-Projekte. Siehe: Bew\u00e4hrungshilfe, Kapitel Jakobsweg)<\/li>\n<li>Unfromme Motive:\u00a0Dass es auch Probleme mit der Pilgerei gab, belegt ein Dokument vom 4. Juni 1832, das in St.Gallen ver\u00f6ffentlich wurde. Es weist die Polizei an, &#8218;Wallfahrter&#8216; ohne g\u00fcltige Ausweise nach Vorarlberg zur\u00fcck zu schicken. Dokument (Quelle: Landesarchiv Bregenz)<\/li>\n<\/ol>\n<h4>Beweggr\u00fcnde damals und heute<\/h4>\n<ol>\n<li>Tapetenwechsel:\u00a0eine Pilgerreise ist ein &#8218;legaler&#8216;, \u00f6ffentlich anerkannter Grund, aus dem Alltag auszubrechen und die Eint\u00f6nigkeit des Lebens zu durchbrechen (modern ausgedr\u00fcckt: Sabbatjahr, Bildungsurlaub).<\/li>\n<li>Neugier auf das Fremde &#8211; Kontakt mit dem Fremden:\u00a0die Pilgerreise f\u00fchrt durch fremde L\u00e4nder, Landschaften und St\u00e4dte. Sie f\u00fchrt mit fremden Menschen, fremden Kulturen und Religionen zusammen. Der Jakobsweg ist ein echt europ\u00e4ischer, Europa-bildender Weg, resp. ein solches Wegenetz.<\/li>\n<li>Sehnsucht nach Abenteuer und Improvisation:\u00a0eine Pilgerreise, vor allem zu Fuss, bringt viel Unvorhergesehenes und vielf\u00e4ltige, zum Teil abenteuerliche Erlebnisse mit sich. Es kann nicht alles wie zu Hause voraus geplant und fixiert werden. Die Aufmerksamkeit wird auf die Gegenwart statt auf die Vergangenheit oder Zukunft gerichtet. Es ist die Erfahrung, im Hier und Jetzt zu leben.<\/li>\n<li>Sehnsucht nach Einfachheit und Urspr\u00fcnglichkeit:\u00a0Dies gilt in besonderem Masse f\u00fcr unsere Zeit in Bezug auf:\n<ol>\n<li>Lebensstil: nat\u00fcrliche Fortbewegung, einfaches Essen, wenig Kleider, einfaches Wohnen. (siehe auch Survival Reisen)<\/li>\n<li>Zeit-Erfahrung: den Tag, die Woche(n) ohne Terminkalender oder Tagesplan-Raster erleben. Impuls-Text Rast &#8211; ein wichtiger Teil beim Pilgern Rasten ist sch\u00f6n<\/li>\n<li>Religi\u00f6se Erfahrungen: direkte, archaische und sinnliche religi\u00f6se Erfahrungen statt entleerte, abgehobene oder unverst\u00e4ndliche Lehren und Rituale. Erfahrung der Verbundenheit und des &#8217;sich eins f\u00fchlen&#8216; mit der Sch\u00f6pfung, dem Kosmos, mit Gott (All-ein).Religio heisst &#8218;verbunden, r\u00fcckgebunden&#8216;. Pilgern wird auch bezeichnet als: Beten mit den F\u00fcssen und dem ganzen K\u00f6rper<\/li>\n<li>Leiberfahrung: Die Erfahrung machen, dass &#8218;ich&#8216; der K\u00f6rper, der Geist und die Seele bin, statt sie zu haben. Der Mensch ist als &#8218;Leib&#8216; unterwegs &#8211; Seele, K\u00f6rper und Geist kommen gleichzeitig in Bewegung und entdecken sich neu.<\/li>\n<li>Verabschieden: Einige Menschen machen sich auf den Pilgerweg, um Abschied zu nehmen: von einer verstorbenen Person, von einer getrennten Person, von der Arbeitswelt (Pensionierung), von einer bestimmten Lebensphase.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<h3>Begriffskl\u00e4rung<\/h3>\n<ul>\n<li>Definition aus dem Duden &#8211; Pilger\u00a0\u2026 jemand, der aus Fr\u00f6mmigkeit eine l\u00e4ngere [Fu\u00df]reise zu einer religi\u00f6s besonders verehrten St\u00e4tte macht.<\/li>\n<li>Definition aus dem Duden &#8211; Wallfahrt \u2026 aus verschiedenen religi\u00f6sen Motiven (z.B. Bu\u00dfe, Suche nach Heilung) unternommene Fahrt, Wanderung zu einem Wallfahrtsort, einer heiligen St\u00e4tte<\/li>\n<li>Definition aus Wikipedia: Pilger, veraltet auch Pilgrim, stammt vom lateinischen Wort peregrinus (oder peregrinari, in der Fremde sein) ab, was Fremdling bedeutet. Eine Einzelperson wurde fr\u00fcher als Pilgersmann bzw. -frau bezeichnet. Im Kirchenlatein als pelegrinus abgewandelt, bezeichnet es eine Person, die aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden in die Fremde geht, zumeist eine Wallfahrt zu einem Pilgerort unternimmt, zu Fu\u00df oder unter Verwendung eines Verkehrsmittels. Der Anlass kann eine auferlegte Bu\u00dfe sein und das Bem\u00fchen, einen S\u00fcndenablass zu erhalten, die Erf\u00fcllung eines Gel\u00fcbdes, die Hoffnung auf Gebetserh\u00f6rung in einem bestimmten Anliegen oder auf Heilung von einer Krankheit, religi\u00f6se Vertiefung oder Abstattung von Dank. Ziel ist ein als heilig betrachteter Ort, etwa eine Wallfahrtskirche, ein Tempel, ein Baumheiligtum usw.<\/li>\n<li>Christian Antz in: spirituelles Wandern, Artikel in Wandertourismus (Achtung weltlich): W\u00f6rtlich gesehen ist der Pilger jemand, der \u201eper Agrum\u201c (au\u00dferhalb des Ackers) geht, als sich \u00fcber seine Heimat hinaus aufmacht in die Fremde geht. Ebenso bedeutet das deutsche Wort Wallfahrer eine Person, die unterwegs ist, wobei wallen noch st\u00e4rker ein Ziel beinhaltet, wohin es zu fahren gilt. \u2026 l\u00e4sst sich keine Differenzierung \u2026 herauslesen. \u2026<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Pilgern ist also so etwas wie \u201eWandern plus x\u201c \u2026<\/h4>\n<p>Und dieser \u201eKick\u201c war in fr\u00fcheren Zeiten eindeutig der Glaubens- und Religionsbezug, heute, wie wir noch sehen werden, immer \u00f6fter nicht die Suche nach Gott, sondern die eigene Sinnsuche, die Suche nach sich selbst. Damit l\u00e4sst sich das Pilgern zur Unterscheidung vom Wandern \u2013 im traditionellen Sinn \u2013 auf die vereinfachte Formel bringen: \u201eBeten mit den F\u00fc\u00dfen\u201c.<\/p>\n<h4>Wallfahrt und Pilgerfahrt wird begrifflich nicht unterschieden!<\/h4>\n<p>Religionswissenschaftlich: unter Stichworte Pilger, Pilgern, Pilgerfahrt, Wallfahrt:<br \/>\nIn vielen Religionen gibt es Wallfahrten zu besonders wichtigen religi\u00f6sen Zentren mit dem Ziel, in der Bewegung des Pilgerns die Hinwendung zu den dort verehrten Gottheiten, Religionsstiftern, oder Heiligen zu vollziehen, die gnadenvolle oder f\u00fcrbittende N\u00e4he zu erfahren und durch Gebete, Gel\u00f6bnisse , Opfergaben, Waschungen und Ber\u00fchrungen Hilfe zu erlangen oder religi\u00f6se Verdienste zu erwerben.<\/p>\n<h3>Gegen\u00fcberstellung von Aline Sommer auf www.spiritueller-tourismus.de<\/h3>\n<ul>\n<li>Wallfahrt:\u00a0Ende des 15. Jahrhunderts entwickelte sich neben dem Pilgern eine neue Kultpraxis. Die Gnadenbildverehrung und Gemeinschaftsanliegen, die aus gesellschaftlichen Problemen wie Pest, Krieg und Teuerungen resultierten, f\u00fchrten zu der Kollektivform Wallfahrt&#8230;<\/li>\n<li>Wallfahrten werden immer in einer Gruppe, in Form von Prozessionen, in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden, meist allj\u00e4hrlich zu einem bestimmten Termin, durchgef\u00fchrt. Zum Erscheinungsbild der Wallfahrt geh\u00f6ren Fahnen, Schilder, Kerzen, ein feierlicher Empfang am Wallfahrtsort und das Ablegen von Opfergaben. Der einmal von einer Wallfahrtsgruppe begangene Weg wird stets beibehalten. An ihm werden Bildst\u00f6cke, Wegkreuze und Wegkapellen errichtet und B\u00e4ume mit Bildern geschm\u00fcckt.<\/li>\n<li>Vor allem in S\u00fcddeutschland befinden sich viele ber\u00fchmte Wallfahrtsorte, an denen die Marienverehrung eine besondere Stelle einnimmt.<\/li>\n<li>Die in erster Linie ziel-orientierte Wallfahrt (demonstratio catholica) ist keine wegorientierte Pilgerreise (peregrinatio), was aber nicht bedeutet, dass einzelne Pilger an einer Wallfahrt teilnehmen. Auch der Gang Einzelner zu einer Gnadenst\u00e4tte ist keine Wallfahrt. W\u00e4hrend die Pilgerreise Ausdruck der Privatfr\u00f6mmigkeit ist und individuellen Charakter besitzt, ist die Wallfahrt ein Brauchtum, in dem Volksglauben, kirchliche Autorit\u00e4t und Privatfr\u00f6mmigkeit eine Rolle spielen. Trotz der zahlreichen Unterschiede der beiden Reisearten, ist eine eindeutige Differenzierung von Pilgerort und Wallfahrtsort schwierig.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch wenn im herk\u00f6mmlichen Sprachgebrauch beide Begriffe durcheinander verwendet werden, gibt es markante Unterschiede:<\/p>\n<ul>\n<li>eine Wallfahrt ist zielorientiert<\/li>\n<li>wird gemeinschaftlich unternommen, in einer Gruppe<\/li>\n<li>es geht um gemeinschaftliche Anliegen<\/li>\n<li>geringe Entfernungen, oft lokal<\/li>\n<li>festgelegte, nicht gekennzeichnete Wege<\/li>\n<li>feste Termine, regelm\u00e4ssig<\/li>\n<li>festgelegte Dauer<\/li>\n<li>und Wallfahrten sind eine KATHOLISCHE Tradition, wogegen Pilgerreisen von Christen aber auch von Konnfessionslosen oder Menschen anderer religion unternommen werden<\/li>\n<\/ul>\n<p>Pilgern ist nicht wallfahren.\u00a0Eine Pilgerreise hat bestimmte Eigenschaften:<\/p>\n<ul>\n<li>wegorientiert<\/li>\n<li>der Einzelne oder Kleinstgruppen<\/li>\n<li>pers\u00f6nliche Anliegen<\/li>\n<li>individuelle Reise<\/li>\n<li>h\u00e4ufig gro\u00dfe Entfernungen<\/li>\n<li>durch Zeichen gekennzeichnete Wege<\/li>\n<li>keine bestimmten Termine (wetterabh\u00e4ngig)<\/li>\n<li>unregelm\u00e4ssig und selbstbestimmte Dauer<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mein K\u00e4rnter Tourismuspastoral-Kollege Roland Stadler schreibt den Unterschied zwischen\u00a0Gemeinsam ist Pilgern und Wallfahrern das Unterwegssein in einem speziellen Sinn: k\u00f6rperlich und seelisch. Im Zelebrieren des spirituellen Wanderns findet der Mensch seinen eigenen, ganz pers\u00f6nlichen Rhythmus. In unserer Zeit, in der die meisten m\u00f6glichst schnell von A nach B kommen wollen, stellt das Gehen als beschauliche Art der Fortbewegung eine Besonderheit dar. Die alte Tradition des Pilgerns und Wallfahrens erf\u00e4hrt jedoch wachsenden Zuspruch.<\/p>\n<h4>\u00dcber das Pilgern<\/h4>\n<p>Die meist synonyme Verwendung der Begriffe Pilgern und Wallfahren ist nicht ganz richtig. Pilger waren und sind oft allein unterwegs, ihr Reiseziel stand nicht immer im Vorhinein fest. Als origin\u00e4re Pilgerziele gelten Jerusalem, Rom und Santiago. Zu diesen weit entfernt gelegenen Orten war die Reise lang und beschwerlich. Daher wurde sie meistens nur einmal im Leben gemacht. Zur Reisevorbereitung geh\u00f6rte auch, dass der Pilger seine pers\u00f6nlichen Angelegenheiten regelte, da die gesunde R\u00fcckkehr von diesen St\u00e4tten fraglich war. Die Motivation f\u00fcr eine Pilgerreise war damals wie heute unterschiedlichst. Pilgerreisen gehen zur\u00fcck auf das M\u00f6nchtum der Antike und des Mittelalters. Die Angeh\u00f6rigen dieses Standes begriffen Pilgerschaft in Anlehnung an das Jesuswort in Lukas 9,58: \u201eDer Menschensohn aber hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.\u201c F\u00fcr die pilgernden M\u00f6nche, die eine konsequente Nachfolge Jesu zu ihrem Lebensziel machten, bedeutete dies: das Unterwegssein ohne festen Wohnsitz, ohne Anspruch auf Eigentum und Besitz sowie als Fremde unter Fremden in dieser Welt. Eine derart verstandene Pilgerschaft hatte keine zeitliche Begrenzung. Sie konnte sich \u00fcber ein ganzes Leben erstrecken. Es gab auch keine ortsgerichtete Eingrenzung, denn nicht das Ziel, sondern der Weg war entscheidend. Diese Form der Hingabe an Gott ist heute noch in den Ostkirchen lebendig, und hier vor allem in Russland. Im lateinischen Wort pelegrinus stecken die Begriffe Feld bzw. Acker und Grenze. Zu pelegrinus (4. Jh.) ver\u00e4ndert, entwickelte sich daraus die Bezeichnung Pilgrim (8. Jh.) f\u00fcr den nach Rom wandernden Wallfahrer. Seit dem 15. Jh. sind es die Pilger, die zu heiligen St\u00e4tten unterwegs sind. Ihre Reputation war nicht immer die beste, da nicht alle von ehrenwerten Absichten getragen waren.<\/p>\n<h4>Vom Wallfahren<\/h4>\n<p>Der Sicherheitsaspekt war prim\u00e4r ausschlaggebend f\u00fcr die Entwicklung der Wallfahrten, die \u00fcberwiegend in Gruppen und zu einem feststehenden Ziel erfolgten. Unterschiede zu den Pilgern liegen jedoch auch in der Auffassung. Wallfahrer sind \u00fcberzeugt, dass bestimmte Orte aufgesucht werden m\u00fcssen, um Gott und seinen Kr\u00e4ften besonders nahe zu sein. Die pers\u00f6nliche Anwesenheit an diesen heiligen Orten ist f\u00fcr die wallfahrenden Gl\u00e4ubigen unumg\u00e4nglich. unumg\u00e4nglich. Dort bitten sie um Hilfe und kehren gest\u00e4rkt nach Hause zur\u00fcck. Nicht der Weg ist das vorrangige Ziel, sondern der Ort. Unter diesem Aspekt sind jene Reisen nach Jerusalem, die im Alten Testament beschrieben wurden, Wallfahrten. Demgem\u00e4\u00df sind auch die sp\u00e4teren Pilgerfahrten an verschiedene heilige St\u00e4tten genau genommen Wallfahrten. Im Ursprung des Wortes Wallfahrt stecken das mittelhochdeutsche \u201ewallen\u201c, das althochdeutsche \u201ewallon\u201c, das mittelniederdeutsche \u201ewallen\u201c sowie das altenglische \u201eweallian\u201c f\u00fcr wandern, umherschweifen und reisen. Die mittelhochdeutsch Waller Genannten waren Pilger. W\u00e4hrend des 16. Jh.s entstanden daraus die Begriffe \u201eWallfahrten\u201c und \u201eWallfahrer\u201c. Der urspr\u00fcngliche Wortsinn f\u00fcr \u201ewallen\u201c war allgemein gehen, wandern und umherziehen, aber auch auf Wallfahrt gehen. Nicht nur das Gehen mit den F\u00fc\u00dfen war gemeint, sondern grunds\u00e4tzlich das Umherziehen einschlie\u00dflich jenes auf dem Wasser, dem Meer. Die Bedeutungseingrenzung zum alleinigen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Wallfahrt als Pilgerfahrt entstand im 18. Jahrhundert. &#8211; See more at:<\/p>\n<p>Daniel Schneider beispielsweise schreibt \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.planet-wissen.de\/kultur_medien\/religion\/pilgern\/andere_religionen.jsp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Unterschied<\/a>:<br \/>\n&#8230;der Hauptunterschied zwischen einer Pilgerreise und einer Wallfahrt, zwischen denen die Grenzen manchmal verschwimmen. W\u00e4hrend der Wallfahrer Dauer, Ziel und Anliegen ganz klar definiert hat, sind es beim Pilger eher die Begegnungen und Erlebnisse unterwegs, die den Reiz der Reise ausmachen. Eine Pilgerreise war und ist immer auch ein Abenteuer. Trotzdem bleibt das Pilgern nach dem Boom im Mittelalter bis weit in das vergangene Jahrhundert hinein eine Besch\u00e4ftigung, die nur wenige Menschen f\u00fcr sich entdecken.<\/p>\n<h4>Verwendete Quellen<\/h4>\n<ul>\n<li>R\u00fcdiger Hachtmann, Tourismusgeschichte<\/li>\n<li>Christian Antz<\/li>\n<li>Daniel Schneider<\/li>\n<li>Wallfahrt &#8222;aller V\u00f6lker&#8220; beim Weltjugendtag 2005 auf das Marienfeld<\/li>\n<li>Landesarchiv Bregenz<\/li>\n<li>Duden<\/li>\n<li>Wikipedia<\/li>\n<li>Roland Stadler<\/li>\n<\/ul>\n<p>Schlussanmerkung:<br \/>\n<em>Nat\u00fcrlich h\u00e4tte der Referent seinen Vortrag nicht wortw\u00f6rtlich wie in diesem Detailkonzept gehalten. Manches w\u00e4re genauer er\u00f6rtert, manches auch weggelassen worden. Wir bedanken uns aber ganz herzlich bei Mag. Hermann Signitzer f\u00fcr die \u00dcberlassung seiner Recherchequellen f\u00fcr den leider ausgefallenen Vortrag!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[2020-03-18] Da Mag. Hermann Signitzer situationsbedingt den dritten Vortrag der Fastenaktion wegen des Corona-Virus nicht halten konnte, k\u00f6nnen Sie die wesentlichen Inhalte des geplanten Vortrages hier nachlesen. Prototourismus der Antike mit religi\u00f6sen Motiven \u201eNicht erst <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=7298\" title=\"Geschichte des Pilgerns\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":8,"featured_media":7302,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":{"0":"post-7298","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-fastenaktion-archiv"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7298","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7298"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8031,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7298\/revisions\/8031"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7302"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}