{"id":7898,"date":"2020-09-27T00:00:45","date_gmt":"2020-09-26T22:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=7898"},"modified":"2020-09-22T14:13:14","modified_gmt":"2020-09-22T12:13:14","slug":"angst-und-vertrauen-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=7898","title":{"rendered":"Angst und Vertrauen (5\/6)"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 36\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>[27.09.2020]<\/p>\n<h3>&#8230;des Lebens Ruf an uns wird niemals enden<\/h3>\n<p>Das Gedicht \u201eStufen\u201c ist wohl eines der sch\u00f6nsten von Hermann Hesse, vielleicht eines der sch\u00f6nsten, die die deutschsprachige Literatur hervorgebracht hat:<\/p>\n<p><em>Wie jede Bl\u00fcte welkt und jede Jugend<\/em><br \/>\n<em>Dem Alter weicht, bl\u00fcht jede Lebensstufe,<br \/>\n<\/em><em>Bl\u00fcht jede Weisheit auch und jede Tugend<br \/>\n<\/em><em>Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.<\/em><\/p>\n<p><em>Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe<br \/>\nBereit zum Abschied sein und Neubeginne,<br \/>\num sich in Tapferkeit und ohne Trauern<\/em><br \/>\n<em>in andre, neue Bindungen zu geben.<\/em><\/p>\n<p><em>Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,<br \/>\nder uns besch\u00fctzt und der uns hilft zu leben.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,<br \/>\nan keinem wie an einer Heimat h\u00e4ngen,<\/em><br \/>\n<em>der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,<\/em><br \/>\n<em>er will uns Stuf \u0301 um Stufe heben, weiten.<\/em><\/p>\n<p><em>Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise<br \/>\nUnd traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,<br \/>\nNur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,<br \/>\nmag l\u00e4hmender Gewohnheit sich entraffen.<\/em><\/p>\n<p><em>Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde<\/em><br \/>\n<em>Uns neuen R\u00e4umen jung entgegensenden,<\/em><br \/>\n<em>des Lebens Ruf an uns wird niemals enden&#8230;<br \/>\nWohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7192 alignleft\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/schwaiger_hartmut.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"302\" \/>Das Thema des aktuellen Gemeindebriefs ist &#8222;Angst und Vertrauen&#8220;. Und genau diese beiden Begriffe lassen sich durchaus im Sinne der Lebensstufen von Hesse deuten: Die Angst ist es, die uns oft auf einer Stufe verharren oder gar eine oder mehrere Stufen r\u00fcckw\u00e4rts gehen l\u00e4sst.\u00a0Umgekehrt ist das Vertrauen die Basis daf\u00fcr, den Aufbruch zu wagen, dem heimischen, gewohnten Lebenskreis zu entsagen und vertrauensvoll die n\u00e4chste Stufe zu erklimmen, die das Leben f\u00fcr uns bereith\u00e4lt. Wobei uns der Gedanke, dass \u201eHeimat\u201c in diesem Gedicht eher Stillstand bedeutet, zun\u00e4chst vielleicht befremden mag. Aber es ist schon was dran, an diesem Gedanken, dass Neues nur durch das Hinter-sich-Lassen von Gewohntem entstehen und entdeckt werden kann.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 37\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Ein Mensch, der vertraut, geht die Wege, die ihm das Leben er\u00f6ffnet. Ein Mensch, der Angst hat, geht oftmals nur dorthin, wo er schon war oder wo er eben gerade ist. Also zur\u00fcck auf jene Stufen, die er bereits betreten hat.<\/p>\n<p><em>\u201eDer Weltgeist will nicht fesseln uns und engen\u201c<br \/>\n<\/em>sagt Hesse und spricht damit ein Wort aus, das uns Vertrauen geben soll. Naheliegend als gl\u00e4ubiger Mensch, sich unter diesem Weltgeist eine g\u00f6ttliche Kraft vorzustellen. Einen Gott, der uns nicht einengen will, sondern<\/p>\n<p><em>\u201eStuf um Stufe heben, weiten\u201c<br \/>\n<\/em>der unser Begleiter ist und uns Mut macht zur Weiterentwicklung, ohne Angst vor Fehlern und Versagen.<br \/>\nUnd jeder, der sich mit der Lehre Jesu besch\u00e4ftigt, wird wohl beim Schluss des Gedichts an das Versprechen des ewigen Lebens denken:<br \/>\n<em>\u201eEs wird vielleicht auch noch die Todesstunde, Uns neuen R\u00e4umen jung entgegensenden,\u00a0Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden&#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wie sehr der weltoffene und an anderen Religionen interessierte Hesse bei diesen Worten an die Lehre des ewigen Lebens im Christentum gedacht hat, k\u00f6nnen wir nicht wissen, aber es kann uns letzten Endes auch v\u00f6llig egal sein. Denn die Worte stehen f\u00fcr sich, fern jedes theologischen Streits, einfach als Ausdruck menschlichen Vertrauens in die Sinnhaftigkeit und Sch\u00f6nheit des Lebens, das uns geschenkt wurde.<\/p>\n<p>Und wenn in dem W\u00f6rtchen \u201evielleicht\u201c auch noch ein wenig der Zweifel Platz findet, so ist die gleich darauf folgende Aussage:<br \/>\n<em>\u201edes Lebens Ruf an uns wird niemals enden\u201c<br \/>\n<\/em>umso zuversichtlicher. Sie nimmt uns die Angst, die uns von Zeit zu Zeit zu beschleichen droht und gibt uns tiefes Vertrauen in unser Leben&#8230;was immer kommen mag.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><em>Hartmut Schwaiger<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[27.09.2020] &#8230;des Lebens Ruf an uns wird niemals enden Das Gedicht \u201eStufen\u201c ist wohl eines der sch\u00f6nsten von Hermann Hesse, vielleicht eines der sch\u00f6nsten, die die deutschsprachige Literatur hervorgebracht hat: Wie jede Bl\u00fcte welkt und <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=7898\" title=\"Angst und Vertrauen (5\/6)\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":8,"featured_media":7863,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-7898","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gedanken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7898","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7898"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7898\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8110,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7898\/revisions\/8110"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7863"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7898"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7898"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7898"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}