{"id":872,"date":"2014-01-03T18:19:59","date_gmt":"2014-01-03T18:19:59","guid":{"rendered":"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=872"},"modified":"2014-01-03T18:19:59","modified_gmt":"2014-01-03T18:19:59","slug":"%e2%80%9egott-nahe-zu-sein-ist-mein-gluck-psalm-7328-gedanken-zur-jahreslosung-2014-von-superintendent-mag-olivier-dantine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=872","title":{"rendered":"\u201eGott nahe zu sein ist mein Gl\u00fcck\u201c (Psalm 73,28) &#8211; Gedanken zur Jahreslosung 2014 von Superintendent Mag. Olivier Dantine"},"content":{"rendered":"<p>[2014-01-03]<\/p>\n<div>Die \u00d6kumenische Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bibellesen hat f\u00fcr die Jahreslosung diesmal die Einheits\u00fcbersetzung gew\u00e4hlt. Anders als bei andere \u00dcbersetzungen wird hier \u201edas Gute\u201c, wie es ganz w\u00f6rtlich im hebr\u00e4ischen Text hei\u00dft, mit \u201eGl\u00fcck\u201c \u00fcbersetzt.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Das trifft wom\u00f6glich tats\u00e4chlich das Lebensgef\u00fchl beziehungsweise die Sehnsucht vieler Menschen. Wer m\u00f6chte nicht gerne gl\u00fccklich sein? Der K\u00f6nig von Bhutan hat das Gl\u00fcck als oberstes Staatsziel ausgerufen, und so wird nun nicht nur das Bruttonationalprodukt, sondern auch das Bruttonationalgl\u00fcck gemessen. Das Streben nach Gl\u00fcck geh\u00f6rt zu den Freiheitsrechten nach der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung der Vereinigten Staaten.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nur: Wer definiert, was Gl\u00fcck ist? Kann nur der oder die gl\u00fccklich sein, der gut aussieht, jung ist, ausreichend Wohlstand hat, keine Geldsorgen? K\u00f6nnen schwer behinderte Menschen gl\u00fccklich sein? Kann ein alter an stark fortgeschrittener Demenz erkrankter Mensch Gl\u00fcck empfinden? Ist ein gl\u00fcckliches Familien- und Eheleben unbedingt verbunden mit Harmonie und Freude? Wenn wir Bilder aus der Werbung ansehen, dann ist es eindeutig, wohin jemand streben sollte, wenn er oder sie nach Gl\u00fcck strebt: Allseits beliebt zu sein, keine Schmerzen haben, ohne Leid und Trauer, fit und beweglich, in einem harmonischen Umfeld, und die M\u00f6glichkeit, einen Urlaub im Paradies zu genie\u00dfen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Aber Achtung: So einfach ist es mit dem Gl\u00fcck nicht, sagt auch der 73. Psalm einige Verse vor der Jahreslosung. Denn wer hat denn dieses Gl\u00fcck, das eng mit Wohlstand verkn\u00fcpft ist? <em>\u201eWahrhaftig, so sind die Frevler: Immer im Gl\u00fcck, h\u00e4ufen sie Reichtum auf Reichtum.\u201c <\/em>Im Gl\u00fcck sind all jene, die r\u00fccksichtslos auf ihren Vorteil aus sind, all jene, die es verstanden haben, ihr Verm\u00f6gen immer weiter zu vermehren auf Kosten anderer. Es waren zur Zeit des Psalmisten schon diejenigen, die von der Verschuldung der kleinen Bauern profitieren, und die dadurch andere in immer gr\u00f6\u00dfere Armut bis hin in die Sklaverei treiben. Wer egoistisch handelt, wer die Ellbogen ausgefahren hat, der hat Erfolg, der ist im Gl\u00fcck.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nebenbei bemerkt: Man sieht hier, dass die Versuchung, das Gl\u00fcck eben nicht in der Gemeinschaft der Gotteskinder zu suchen, sondern im pers\u00f6nlichen Erfolg, im eigenen Fortkommen, die ist keineswegs modern. Das gab es schon in alttestamentlichen Zeiten, nicht erst in unserer so s\u00e4kularisierten Welt.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Diese Versuchung war da und ist da. Und auch der Beter unseres Psalms versp\u00fcrt genau diese Versuchung. <em>\u201eAlso hielt ich umsonst mein Herz rein und wusch meine H\u00e4nde in Unschuld\u201c,\u00a0\u00a0<\/em>betet er im Psalm, und l\u00e4sst diese Sehnsucht durchblicken: Was bin ich doch dumm, dass ich nicht auch so egoistisch bin, wie viel besser w\u00fcrde es auch mir gehen?<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Aber zun\u00e4chst setzt der Psalmbeter auf etwas anderes. Er klagt. Er klagt zun\u00e4chst \u00fcber das Verhalten der Frevler, er klagt auch \u00fcber den Erfolg dieser Menschen. Er klagt \u00fcber das Gl\u00fcck, das ausgerechnet denen zuteil wird, die sich so \u00fcberhaupt nicht an Gottes Gebote halten, die \u00fcberhaupt keine R\u00fccksicht auf die Mitmenschen nehmen. Und dann klagt er, was dieser Neid auch mit ihm selbst macht, dass dieser Neid ihn in diese Versuchung bringt, sich von Gott abzuwenden.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Die Wende im Psalm geschieht in Gottes Heiligtum. Da angelangt erkennt er die Verg\u00e4nglichkeit dieses Gl\u00fcckes. Erfolg vergeht, Geld verliert an Wert, Sch\u00f6nheit und Gesundheit verwelken. Gekaufte Freude und gekaufte Freunde schwinden wieder. Die Grundlage f\u00fcr Gl\u00fcck, das bestand hat, liegt woanders: <em>\u201eDennoch bleibe ich stets an dir; denn du h\u00e4ltst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.\u201c<\/em> (Luther\u00fcbersetzung)<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Gott h\u00e4lt mich bei meiner Hand, Gott leitet mich, Gott nimmt mich an. Das ist die Grundlage f\u00fcr mein Gl\u00fcck. <em>Gott nahe zu sein ist mein Gl\u00fcck,<\/em> so fasst es der Vers unserer Jahreslosung zusammen. Der hebr\u00e4ische Text formuliert hier ganz bewusst zweideutig: Das Nahen Gottes. Also zum einen unser sich Gott n\u00e4hern aber auch, dass Gott sich uns n\u00e4hert.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Das Gl\u00fcck ist also die Beziehung, die Gott uns anbietet. Gegen diese Beziehung, gegen dieses Gott nahe sein, was z\u00e4hlt dann das, was landl\u00e4ufig f\u00fcr Gl\u00fcck gehalten wird, was z\u00e4hlen dann Ansehen und Aussehen, was z\u00e4hlen dann Jugendlichkeit und Gesundheit, was z\u00e4hlt dann das Verm\u00f6gen? Das Gl\u00fcck in der N\u00e4he Gottes hat bestand und vergeht nicht. Dieses Gl\u00fcck, dass darin besteht, von Gott angenommen zu werden und gehalten zu werden, das wird nicht vergehen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Mehr noch: Genau dieses Gl\u00fcck kann in Situationen erfahren werden, die landl\u00e4ufig ganz und gar nicht mit Gl\u00fcck in Verbindung gebracht werden. Situationen, die wohl niemand erstrebenswert empfindet:<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Niemand wird den Zustand eines schwerst und mehrfach behinderten Kindes erstrebenswert finden. Aber wenn man sich ansieht, wie intensiv solche Kinder auf Ber\u00fchrungen reagieren, wie intensiv sie ihre Umgebung wahrnehmen, wie sie darauf reagieren, ber\u00fchrt, umarmt zu werden, was das f\u00fcr sie bedeutet, angenommen zu werden: der wird auch da von diesem Gl\u00fcck sprechen, das tiefgehend ist.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Niemand wird eine schwere Krankheit anstreben, und die \u00c4ngste vor solch schweren Erkrankungen sind nicht von der Hand zu weisen. Aber selbst hier wird man Gl\u00fcck finden k\u00f6nnen. Immer wieder h\u00f6rt man von Menschen, die in einer schweren Erkrankung lernen, ihre Umgebung viel bewusster wahrzunehmen, die Zeit viel intensiver zu nutzen. Viele erfahren in schweren Krankheiten, wie sehr eine gute und tiefe Freundschaft tragen kann und eben Gl\u00fcck schenken kann, selbst in dieser Situation.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Oder wenn man Bilder sieht \u00a0von Menschen mit fortgeschrittener Demenz: Ja, sie verlieren die M\u00f6glichkeit, eigenst\u00e4ndig zu leben, sie werden tats\u00e4chlich wie Kinder, aber sie freuen sich auch wie Kinder, wenn sie zum Beispiel Tiere streicheln.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Und auch das Sterben suchen wir uns nicht aus, und viele w\u00fcrden Sterben wohl nicht mit Gl\u00fcck in Verbindung bringen. Aber glauben Sie mir, dass ich es je l\u00e4nger der Tod meiner Mutter zur\u00fcckliegt, umso mehr als gro\u00dfes Gl\u00fcck empfinde, bei ihrem Sterben dabei gewesen zu sein. Und ich glaube fest daran, dass sie in dieser extremen Situation kleine Momente des Gl\u00fcckes empfunden hat, etwa wahrgenommen zu haben, dass ihre Lieben um sie waren.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>All diese Beispiele zeigen, dass Gl\u00fcck nichts ist, das wir erwarten k\u00f6nnen, wir k\u00f6nnen Gl\u00fcck auch nicht erarbeiten. All die Rede vom Gl\u00fcck des T\u00fcchtigen oder davon, dass wir unseres Gl\u00fcckes Schmied seien, die sind Humbug. Gl\u00fcck kann nicht erstrebt werden, auch der K\u00f6nig von Bhutan hat keinen Einfluss auf das Bruttonationalgl\u00fcck seines Volkes.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Gl\u00fcck kann nur empfangen werden. Und unser christlicher Glaube sagt, wir empfangen es von Gott. Ihm nahe zu sein ist unser Gl\u00fcck. Das nimmt zum einen den Druck von uns, unbedingt gl\u00fccklich sein zu m\u00fcssen, um ein gutes und erf\u00fclltes Leben zu f\u00fchren. Zum anderen f\u00fchrt es zu einer Haltung der Dankbarkeit. Wer das Leben, wer das Gute im Leben, wer das Gl\u00fcck, und sei es noch so unscheinbar, dankbar empfangen kann, der wird gelassen leben k\u00f6nnen, und vielleicht tats\u00e4chlich gl\u00fccklich.<\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[2014-01-03] Die \u00d6kumenische Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bibellesen hat f\u00fcr die Jahreslosung diesmal die Einheits\u00fcbersetzung gew\u00e4hlt. Anders als bei andere \u00dcbersetzungen wird hier \u201edas Gute\u201c, wie es ganz w\u00f6rtlich im hebr\u00e4ischen Text hei\u00dft, mit \u201eGl\u00fcck\u201c \u00fcbersetzt. Das <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=872\" title=\"\u201eGott nahe zu sein ist mein Gl\u00fcck\u201c (Psalm 73,28) &#8211; Gedanken zur Jahreslosung 2014 von Superintendent Mag. 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