{"id":9019,"date":"2021-04-01T00:00:07","date_gmt":"2021-03-31T22:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=9019"},"modified":"2021-04-01T10:15:09","modified_gmt":"2021-04-01T08:15:09","slug":"was-macht-ein-leben-lebenswert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=9019","title":{"rendered":"Was macht ein Leben lebenswert?"},"content":{"rendered":"<p>[01.04.2021]<\/p>\n<div>\n<p class=\"Flietext20\"><span lang=\"DE\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8977\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/thomas_mueller_2021-390x600.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/thomas_mueller_2021-390x600.png 390w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/thomas_mueller_2021.png 396w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>In Zeiten des <\/span>Lockdowns <span lang=\"DE\">ist mir die Bibellekt\u00fcre sehr ans Herz gewachsen. Begierig lese ich Kapitel um Kapitel. Aber auch andere Literatur ist mir sehr willkommen, wie zum Beispiel eine Biographie \u00fcber Sophie Scholl. Nahezu geistige H\u00f6henfl\u00fcge tun sich dabei auf. Aber es gibt auch so Tage, da ist es sehr angenehm, \u201ewie a gstingats Gs\u00f6chts\u201c auf dem Sofa zu liegen und sich mit den Netflix-Freuden zu vergn\u00fcgen. Und nachdem eine gewisse Zeit verstrichen war, stie\u00df ich auf die Dokumentation: \u201eThe <\/span>Minimalists <span lang=\"DE\">&#8211; <\/span>Less Is Now\u201c. <span lang=\"DE\">Ich habe sie mir angesehen, ich war begeistert. Grund genug, die in der Dokumentation beschriebene Lebensphilosophie vorzustellen.<\/span><\/p>\n<div>\n<h3 class=\"berschrift80\"><span lang=\"DE\">Soziales Gl\u00fcck statt materiellem \u00dcberfluss<\/span><\/h3>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext20\"><em><span lang=\"DE\">Der Minimalismus im modernen Kleid wird besonders durch zwei Pers\u00f6nlichkeiten verk\u00f6rpert: Joshua <\/span>Fields <span lang=\"DE\">Millburn und Ryan Nicodemus. Millburn (1981) stammt aus Ohio, er wuchs haupts\u00e4chlich bei seiner Mutter in sehr \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen auf. Mit 18 Jahren schmiss er das College hin und arbeitete fortan in einem Handelsvertrieb. Er arbeitete sich die Karriereleiter steil nach oben und wurde mit 28 zum j\u00fcngsten Abteilungsleiter seiner Firma. 2009 starb seine Mutter und f\u00fcr den jungen Karrieristen brach eine Welt zusammen. Nicodemus wurde 1981 in <\/span>Knoxville <span lang=\"DE\">(Tennessee) geboren, auch er stammte aus schwierigen famili\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen. Er lebte den \u201eAmerican Dream\u201c, aber 2009 wurde ihm pl\u00f6tzlich &#8211; vom einen auf den anderen Tag &#8211; gek\u00fcndigt. Er sagt im Nachhinein: \u201eEs war das Beste, das mir je passieren konnte.\u201c Milburn und Nicodemus lernten sich beide in ihrer Lebenskrisis kennen. Sie unterhielten sich und beschlossen, ihr Leben zu ver\u00e4ndern. Ihre Geschichte machten sie auf ihrem Blog <\/span>\u201etheminimalists.com\u201c <span lang=\"DE\">\u00f6ffentlich.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext20\"><em><span lang=\"DE\">Der Lebenswandel der beiden Protagonisten ist beachtlich. Es ist nicht blo\u00df ein <\/span>\u201eTidying <span lang=\"DE\">Up\u201c (\u201eAufr\u00e4umen\u201c) der eigenen vier W\u00e4nde, kein Ausmisten ungebrauchter Utensilien <\/span>a la <span lang=\"DE\">Marie Kondo. Diese beiden jungen M\u00e4nner kritisieren das kapitalistische Konsumverhalten. Seien wir uns ehrlich: \u201eThe American <\/span>Way of <span lang=\"DE\">Life\u201c hat in Europa und in allen anderen Teilen der Welt schon l\u00e4ngst Einzug erhalten. Aus den J\u00e4gern und Sammlern sind Konsumenten geworden, die Produkte erwerben, die sie niemals oder nur sehr selten benutzen. Dagegen opponieren die beiden Aktivisten. Ihr \u201eStreben nach irdischem Gl\u00fcck\u201c m\u00f6chten sie nicht mehr mit materiellem \u00dcberfluss beantworten, sondern sie sehen es in sozialen Beziehungen, also in Familie und Freundschaft.<br clear=\"all\" \/><\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"berschrift80\"><span lang=\"DE\">Sharing Economy<\/span><\/h3>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext20\"><em><span lang=\"DE\">Materieller Besitz ist f\u00fcr Milburn und Nicodemus nicht mehr notwendig. Beide werden in der Dokumentation gezeigt, wie sie durch ihre minimal eingerichteten Wohnungen oder \u00fcber kahle Landschaften streifen. An ihren K\u00f6rpern befindet sich kein Firlefanz, nur die Millennial- Standardausr\u00fcstung: Eng anliegende T-Shirts, Jeans und Kopfh\u00f6rer. Sie verk\u00f6rpern damit ein neues Lebensgef\u00fchl, einen neuen Trend: Raus aus der \u201eNew Economy\u201c der 2000er-Jahre hin zur neuen \u201eSharing Economy\u201c. Es geht nicht mehr darum, Dinge eines Tages zu besitzen, sondern es geht darum, Ressourcen und allf\u00e4lliges \u201eZeugs\u201c bestm\u00f6glich zu nutzen und nach M\u00f6glichkeit zu teilen. Das Besondere an dieser neuen Lebensphilosophie ist, dass sie sich gut mit den politischen beziehungsweise \u00f6kologischen Bestrebungen der \u201eGeneration Y\u201c kombinieren l\u00e4sst. Die \u201eSharing Economy\u201c steht aber erst in den Kinderschuhen, da die digitale Entwicklung nur langsam Fahrt aufnimmt.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext20\"><em><span lang=\"DE\">M\u00fcndet die Ablehnung \u201ematerieller Werte\u201c letztendlich in einen asketischen Verzicht auf die Freuden, die das Leben so zu bieten hat? Eher nicht. Es geht vielmehr um solche Fragen: Ist es notwendig, als Nichtgolfer eine vollst\u00e4ndige Golfausr\u00fcstung zu besitzen? Warum stehen in meinem Wohnzimmer B\u00fccher herum, die seit \u00fcber 10 Jahren nicht einmal aufgeschlagen wurden? Wie viele K\u00fcchenger\u00e4te habe ich eigentlich? Damit keine Missverst\u00e4ndnisse verstehen: Es geht nicht darum, sich von hochgeliebten Dingen zu trennen. Der ungenutzte materielle \u00dcberfluss ist der erkl\u00e4rte Feind. B\u00fccherw\u00fcrmer, Hobbyk\u00f6che oder Briefmarkensammler k\u00f6nnen aufatmen.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"berschrift80\"><span lang=\"DE\">Mitten in einer Revolution<\/span><\/h3>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext20\"><em><span lang=\"DE\">Bereits Einzug gehalten hat die \u201eSharing Economy\u201c im multimedialen Spektrum. Filme werden nicht mehr gekauft, sie werden zusehends \u201egestreamt\u201c. Wer kauft sich heute noch Musik oder Filme auf Compact <\/span>Discs, <span lang=\"DE\">abgesehen von der Altersgruppe \u00dc40? Diese Medien werden nicht mehr in Form von Datentr\u00e4gern besessen, sie werden \u00fcber \u201eStreaming- Plattformen\u201c im Internet geliehen. Es zeigt sich einmal mehr, dass materieller Verzicht keine Selbstkasteiung ist. Im Gegenteil. Er ist zum Statussymbol geworden. Ein vollst\u00e4ndig digitalisiertes, also papierloses, B\u00fcro ist heute das, was in den 90ern die \u201eLavalampe\u201c in allen Wohnungen war &#8211; das \u201eNon plus ultra\u201c.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext20\"><em><span lang=\"DE\">Bei der \u201eSharing Economy\u201c handelt es sich aber nicht um ein Hirngespinst einiger weniger Aktivistinnen und Aktivisten, sondern es geht um knallharten wirtschaftlichen Wandel. Dies belegt exemplarisch folgende Zahl: Mittlerweile haben 63 % der Deutschen ein Amazon-Prime-Konto. Das sind mehr Menschen, als die evangelischen und katholischen Kirchen\u00a0<\/span><\/em><em><span lang=\"DE\">in Deutschland zusammen Mitglieder haben. In \u00d6sterreich wird sich diese Entwicklung sehr \u00e4hnlich gestalten.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"berschrift80\"><span lang=\"DE\">Lebenswertes Leben<\/span><\/h3>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext20\"><em><span lang=\"DE\">Man kann den \u201eMinimalismus\u201c sicherlich nicht per se mit der Sharing Economy gleichsetzen. Und <\/span>Jeff Bezos <span lang=\"DE\">(Amazon-Chef) ist nicht die Verk\u00f6rperung der Sharing Economy. Das w\u00e4re zu kurz gegriffen. Vielmehr gilt es, die inhaltliche L\u00fccke des \u201eMinimalismus\u201c hervorzuheben. Es ist lobenswert, wenn Menschen auf \u00fcberbordenden materiellen Besitz verzichten und zunehmend ihr soziales Gl\u00fcck suchen. Die Krux der ganzen Sache liegt im Verzicht auf den Verzicht. Konsumentinnen und Konsumenten haben ja nicht Musik-Streamingdienste in Anspruch genommen, weil sie der Vielzahl ihrer Compact <\/span>Discs <span lang=\"DE\">\u00fcberdr\u00fcssig geworden w\u00e4ren. Sie haben Musik-Streaming-Dienste in Anspruch genommen, weil sie mit einer monatlichen IO\u20ac-Flatrate pl\u00f6tzlich \u00fcber 60 Millionen Musikst\u00fccke h\u00f6ren konnten &#8211; \u00fcberall und mit geringerem technischen Aufwand.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext20\"><em><span lang=\"DE\">Die Postulierung des Prinzips, man h\u00e4tte materiellem Besitz abgeschworen, da man mit Weniger zurechtk\u00e4me, \u00fcbert\u00fcncht letztendlich ein gesteigertes Konsumverhalten. Materieller Verzicht im ausgleichenden digitalen \u00dcberfluss ist Sklave des Diktates: \u201eImmer mehr, immer billiger, immer schneller\u201c. Minimalismus mag eine interessante Philosophie sein, die m\u00f6glicherweise das Leben ihrer Anh\u00e4ngerschaft lebenswerter macht. Minimalismus und digitaler \u00dcberfluss ist hingegen ein Widerspruch in sich.<\/span><\/em><\/p>\n<p><em>Thomas M\u00fcller<\/em><br \/>\nVikar<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[01.04.2021] In Zeiten des Lockdowns ist mir die Bibellekt\u00fcre sehr ans Herz gewachsen. Begierig lese ich Kapitel um Kapitel. 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