{"id":9592,"date":"2021-07-12T00:00:35","date_gmt":"2021-07-11T22:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=9592"},"modified":"2021-06-05T14:16:54","modified_gmt":"2021-06-05T12:16:54","slug":"es-ist-was-es-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=9592","title":{"rendered":"Es ist was es ist"},"content":{"rendered":"<p>[12.07.2021]<\/p>\n<p>Bei der Redaktionssitzung zu diesem Gemeindebrief entwickelte sich eine durchaus lebhafte und spannende Diskussion zu den Begriffen \u201eSolidarit\u00e4t\u201c und \u201eMitgef\u00fchl\u201c. Zwei Begriffe, die viel verbindet, die aber doch auch Einiges unterscheidet.<\/p>\n<p>In beiden findet sich der zentrale christliche Aspekt des \u201eAufeinander-achtens\u201c. Christsein bedeutet immer auch, sich dem N\u00e4chsten zuzuwenden. Aber wie man das \u201etut\u201c, darin unterscheiden sich die Begriffe. W\u00e4hrend in der \u201eSolidarit\u00e4t \u201c ganz klar die Handlungsaufforderung enthalten ist, aktiv zu werden, sich gegen Ungerechtigkeit und f\u00fcr den N\u00e4chsten einzusetzen, bedeutet \u201eMitgef\u00fchl\u201c die F\u00e4higkeit zur Empathie, die nicht davon abh\u00e4ngig ist, ob diese Empathie auch in konkrete Handlungen m\u00fcndet. Es ist einfach da, man kann sich dessen nicht erwehren. Der Zwiespalt beginnt dort, wo den einen \u201enur Mitgef\u00fchl\u201c zu wenig ist, f\u00fcr die anderen aber permanenter Druck entsteht, immer und sofort f\u00fcr alles eine L\u00f6sung haben und diese auch umsetzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9595\" aria-describedby=\"caption-attachment-9595\" style=\"width: 296px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9595\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/erich_fried.png\" alt=\"\" width=\"296\" height=\"393\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9595\" class=\"wp-caption-text\">Erich Fried<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein guter Freund hat einmal gesagt: \u201eMan kann nicht die ganze Welt retten. \u201c Ein harter Gedanke f\u00fcr alle, die aus Mitgef\u00fchl gerne helfen m\u00f6chten, also t\u00e4tige Solidarit\u00e4t \u00fcben wollen.<\/p>\n<p>Ein befreiender Gedanke, wenn einem das Leid der Welt \u00fcber den Kopf zu wachsen droht und man ersticken m\u00f6chte an der Hoffnungslosigkeit und dem Gef\u00fchl, dass sich die Welt nie \u00e4ndern wird.<\/p>\n<p>Vielleicht aber auch ein gef\u00e4hrlicher Gedanke, wenn er als Ausrede dient, nichts tun zu m\u00fcssen oder zu wollen.<\/p>\n<p>Was also tun mit diesem Dilemma?<\/p>\n<p>Beim Nachdenken dar\u00fcber, was ich mit diesem Thema anfangen kann, wie ich es in einen Text hineinpacken kann, ist mir ein ber\u00fchmtes Gedicht eingefallen, das irgendwie zu diesem Thema passt, n\u00e4mlich Erich Frieds \u201eEs ist was es ist\u201c:<\/p>\n<p><em>Es ist Unsinn \u2028<\/em><br \/>\n<em>Sagt die Vernunft \u2028<\/em><br \/>\n<em>Es ist was es ist \u2028<\/em><br \/>\n<em>Sagt die Liebe <\/em><\/p>\n<p><em>Es ist Ungl\u00fcck\u2028<\/em><br \/>\n<em>Sagt die Berechnung\u2028<\/em><br \/>\n<em>Es ist nichts als Schmerz \u2028<\/em><br \/>\n<em>Sagt die Angst <\/em><\/p>\n<p><em>Es ist aussichtslos \u2028<\/em><br \/>\n<em>Sagt die Einsicht <\/em><br \/>\n<em>Es ist was es ist \u2028<\/em><br \/>\n<em>Sagt die Liebe <\/em><\/p>\n<p><em>Es ist l\u00e4cherlich <\/em><br \/>\n<em>Sagt der Stolz\u2028<\/em><br \/>\n<em>Es ist leichtsinnig \u2028<\/em><br \/>\n<em>Sagt die Vorsicht \u2028<\/em><br \/>\n<em>Es ist unm\u00f6glich \u2028<\/em><br \/>\n<em>Sagt die Erfahrung \u2028<\/em><br \/>\n<em>Es ist was es ist \u2028<\/em><br \/>\n<em>Sagt die Liebe <\/em><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 6\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Dieses Gedicht stammt aus einem Band mit Liebesgedichten, aber eigentlich kann man es auch gut auf unser Thema anwenden.<\/p>\n<p>Ob man nun Solidarita\u0308t u\u0308ben oder nur Mitgefu\u0308hl haben will, wenn man mo\u0308chte, finden sich immer Sichtweisen, die einem vermitteln ko\u0308nnten, dass es \u201eeh keinen Sinn hat\u201c und dass man besser die Finger davon lassen sollte. Ob das nun die Sicht der Vernunft, des Schmerzes oder was auch immer ist.<\/p>\n<p>Wie herrlich befreiend aber wirkt die immer gleiche Antwort der Liebe: Es ist was es ist.<\/p>\n<p>Sorge dich nicht so sehr um richtig oder falsch, besser oder schlechter. Geh dem nach, wozu dein Herz dich treibt. Denn Liebe ist es letztlich immer, ob man nun solidarisch anpackt oder im Mitgefu\u0308hl Anteil nimmt. Lass es dir nicht ausreden, egal, \u201ewas es ist\u201c. Aber gib Acht auf die vielen Ausreden, die man dir einreden ko\u0308nnte. Entscheide selber.<\/p>\n<p>Erich Fried wa\u0308re heuer u\u0308brigens 100 Jahre alt geworden und auch wenn (oder gerade weil) er ein Atheist war, ist er lesenswert. Denn in seiner Solidarita\u0308t und seinem Mitgefu\u0308hl fu\u0308r alle Menschen war und ist sein Werk au\u00dfergewo\u0308hnlich und mit Sicherheit christlicher als so Manches, was den Namen christlich heute vor sich her \u2013 und stolz zur Schau \u2013 tra\u0308gt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><em>Hartmut Schwaiger<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[12.07.2021] Bei der Redaktionssitzung zu diesem Gemeindebrief entwickelte sich eine durchaus lebhafte und spannende Diskussion zu den Begriffen \u201eSolidarit\u00e4t\u201c und \u201eMitgef\u00fchl\u201c. Zwei Begriffe, die viel verbindet, die aber doch auch Einiges unterscheidet. 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