{"id":9842,"date":"2021-09-25T00:00:29","date_gmt":"2021-09-24T22:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=9842"},"modified":"2021-09-08T15:15:30","modified_gmt":"2021-09-08T13:15:30","slug":"500-jahre-martin-luther-1-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=9842","title":{"rendered":"500 Jahre Martin Luther (1\/2)"},"content":{"rendered":"<p>[25.09.2021]<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 4\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h3>\u201eHier stehe ich, ich kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!\u201c<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-9844\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/thomas_mueller_2021a-420x600.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"429\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/thomas_mueller_2021a-420x600.png 420w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/thomas_mueller_2021a.png 586w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Ein ehemaliger Augustinermo\u0308nch fa\u0308hrt nach Worms. Eine Stadt, in welcher der Reichstag stattfand. Hier tagte das politische Zentrum des mittelalterlichen Reiches. Wir schreiben das Jahr 1521. Die mittelalterliche Welt gera\u0308t langsam aber zugleich heftig aus ihren Fugen. Die lang geltende Einheit zwischen Reich und Kirche droht zu zerfallen. Martin Luther, ein Theologieprofessor aus Wittenberg, wagt sich theologisch aus der Deckung. Er spricht aus, was ihm an der Kirche seiner Zeit nicht passt. Viele Menschen dachten damals a\u0308hnlich wie er. Aber er war es letztendlich, der den vorgegebenen Rahmen verlie\u00df, um seine Reformideen zu verbreiten.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"column\">\n<p>ehemalige Mo\u0308nch entscheiden? Luther machte einen unsicheren Eindruck. Vielleicht wurde er sich erst hier seiner Taten bewusst, als die geballte Macht des Mittealters ihm in Pra\u0308senz gegenu\u0308bersa\u00df. Bisweilen kommunizierte man lediglich via Distance-Writing. \u201eIch brauche noch einen Tag Bedenkzeit\u201c, tat Luther kund.<\/p>\n<p>Ein Raunen ging durch die Menge: Doch nur ein Schwa\u0308tzer, der gro\u00dfe Anku\u0308ndigungen macht, aber im rechten Moment den Mund ha\u0308lt und seine Chance verstreichen la\u0308sst. Das kleine ehemalige Mo\u0308nchlein knickt wie ein vertrocknetes Schilfrohr vor der Macht ein. Doch man gewa\u0308hrte ihm die Zeit. Am na\u0308chsten Tag, es war der 18. April 1521, begann die Befragung von neuem. Vielleicht erwarteten sich manche Mitstreiter nicht mehr viel. Vielleicht suchten sie schon nach neuen politischen Ausweichmo\u0308glichkeiten, um die Schmach abzumildern. Erneut wurde der Mann gefragt: \u201eWirst du deine Schriften widerrufen?\u201c Luther antwortete, doch diesmal gab er nicht klein bei:<\/p>\n<p>\u201eDa mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann ich und will nichts widerrufen, weil es gefa\u0308hrlich und unmo\u0308glich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen!\u201c<\/p>\n<h3>Lug und Trug<\/h3>\n<p>Moment! Da fehlt doch eine zentrale Stelle, die Luther zusa\u0308tzlich gesagt hat, oder? Wo ist der Ausrufesatz: \u201eHier stehe ich, ich kann nicht anders!\u201c? \u201eAlles nur Lug und Trug\u201c, behaupten einige Kirchengeschichtler. Ein toller PR-Coup der Reformatoren. Ein Satz, der sich in den Verhandlungsprotokollen nicht wiederfindet. Eine fru\u0308he Lu\u0308ge, die Luther zum Glaubenshelden hochstilisiert und die letztendlich fu\u0308r all das herhalten muss, was der Protestantismus weltweit so alles verbrochen haben mo\u0308ge. Ein Satz, der fu\u0308r \u201edeutsches Selbstbewusstsein\u201c sorgte, von Friedrich dem Gro\u00dfen zugespitzt wurde und letztendlich im Nationalismus enden musste.<\/p>\n<p>Nach dem Reichstag wurde vom Kaiser u\u0308ber Luther die \u201eReichsacht\u201c verha\u0308ngt. Jeder Mann konnte Luther nun to\u0308ten und musste mit keinen strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Kurfu\u0308rst Friedrich entfu\u0308hrte Luther daher auf die Wartburg, um ihn vor U\u0308belta\u0308tern zu bewahren. Und wa\u0308hrend dieser Zeit traf eine Mitschrift von Luthers Rede in Wittenberg ein. Darin war der Satz: \u201eHier stehe ich, ich kann nicht anders\u201c, enthalten. In einer anderen Mitschrift eines anderen Teilnehmers ist der Satz<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Das tat er zuvor, als er zahlreiche Bu\u0308cher in deutscher und versta\u0308ndlicher Sprache publizierte. Luther wurde durch das damals neue Medium \u201eFlugblatt\u201c allerorten gelesen und verbreitet. Das brachte ihm nicht u\u0308berall Freunde ein. \u201eViel Feind, viel Ehr\u201c, konterte er. Die Reichskirche dagegen versuchte seine Ideen aus der Welt zu schaffen, versuchte mit ihm a\u0308hnlich zu verfahren, wie man es gut hundert Jahre zuvor mit Jan Hus in Konstanz tat: Kirchliches Verfahren und Scheiterhaufen. Ketzer war Luther bereits, als er nach Worms fuhr. Seine Kirche exkommunizierte ihn im Januar 1521. Dass ihm dieses kirchliche Verfahren erspart blieb, hatte er dem Kurfu\u0308rsten von Sachsen und vielen anderen Unterstu\u0308tzern zu verdanken. Er traf in Worms ein. Der ma\u0308chtige Kaiser Karl V., seine Berater und Gesandten waren anwesend. Die Kurfu\u0308rsten erwarteten ihn und waren gespannt. Und zuletzt hofften die zahlreichen kirchlichen Wu\u0308rdentra\u0308ger, dass am Reichstag die \u201eCausa Lutheri\u201c endgu\u0308ltig ihr lang ersehntes Ende fand.<\/p>\n<h3>Sitzung in Pra\u0308senz<\/h3>\n<p>\u201eWirst du deine Schriften widerrufen?\u201c, wurde der Weitgereiste gefragt. Und es kam der Frage gleich: \u201eWillst du dich selbst verleugnen und gegen das, was du glaubst und hoffst, aussagen? Willst du damit fu\u0308r immer schweigen und zur alten Normalita\u0308t zuru\u0308ckkehren, auch wenn du damit nicht zufrieden bist?\u201c Das Reich hielt den Atem an. Wie wird sich der wiederum nicht enthalten. Mo\u0308glich also, dass ihn Luther tatsa\u0308chlich nicht gesagt hat. Letztendlich ist der Satz nur ein Mythos, den man um seinen Glaubenshelden gestrickt hat.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 5\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h3>Mythos und Wahrheit<\/h3>\n<p>Benjamin Hasselhorn hielt in seinem Buch \u201eTatsache\u201c fest, dass man den Mythos stets unterscha\u0308tze und vorab verurteile. Ein Mythos, egal ob religio\u0308s, politisch oder historisch, erkla\u0308rt, warum etwas so ist, wie es ist. Historische Mythen haben auf jeden Fall mit historischen Realita\u0308ten zu tun, gleich ob man sie als Manipulation oder erza\u0308hlerische Verdichtung der Realita\u0308t einstufen mag.<\/p>\n<p>Wenn man unseren Kirchenmenschen so zuho\u0308rt, sobald sie u\u0308ber den Reichstag zu Worms sprechen mu\u0308ssen, dann kommt meist gleich zu Beginn die historischkorrekte Abkanzelung des Mythos zur Sprache: \u201eDas hat Luther ja nicht wirklich gesagt\u201c. Ein obligatorisches \u201eTut uns leid, Welt\u201c wird meist bei der Besprechung des Ereignisses in Worms vorangestellt, bevor man u\u0308berhaupt erst zum umstrittenen Satz gelangt. Mythen haben in der evangelischen Kirche einen schweren Stand.<\/p>\n<p>Es ist einerseits nur ein Satz, um den es sich hier handelt. Luthers Eintreten fu\u0308r die perso\u0308nliche Gewissensfreiheit des Einzelnen wird mit oder ohne diesen Satz kaum geschma\u0308lert. Andererseits ist dieser Satz zu dem geflu\u0308gelten Wort avanciert, welcher die Geschehnisse in Worms mehr oder weniger zu verdichten scheint. Ein Satz, der aber zugleich auf die viel wichtigere Botschaft verweist: Das Gewissen eines Christenmenschen ist in Gottes Wort gefasst und daher heilig. Ru\u0308ttelt die Maschinerie der Entmythologisierung an diesem Satz, der in den deutschen Wortschatz u\u0308bergegangen ist, so sollte ihr bewusst sein, woran sie letztendlich ru\u0308ttelt. Das Ru\u0308tteln selbst stellt dabei nicht das Problem dar, viel eher ist es die Geringscha\u0308tzung des Mythos und was er uns heute noch sagen kann, na\u0308mlich die von Gott zuerkannte Gewissensfreiheit des Einzelnen.<\/p>\n<p><em>Thomas Mu\u0308ller<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[25.09.2021] \u201eHier stehe ich, ich kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!\u201c Ein ehemaliger Augustinermo\u0308nch fa\u0308hrt nach Worms. Eine Stadt, in welcher der Reichstag stattfand. Hier tagte das politische Zentrum des mittelalterlichen Reiches. Wir schreiben <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=9842\" title=\"500 Jahre Martin Luther (1\/2)\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":8,"featured_media":1905,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":{"0":"post-9842","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-allgemein"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9842","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9842"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9842\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9846,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9842\/revisions\/9846"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1905"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9842"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9842"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9842"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}