{"id":9847,"date":"2021-09-27T00:00:48","date_gmt":"2021-09-26T22:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=9847"},"modified":"2021-09-27T11:16:50","modified_gmt":"2021-09-27T09:16:50","slug":"500-jahre-martin-luther-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=9847","title":{"rendered":"500 Jahre Martin Luther (2\/2)"},"content":{"rendered":"<p>[27.09.2021]<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 5\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h3>Luthers Bibelu\u0308bersetzung \u2013 ein Meilenstein in der Entwicklung der deutschen Sprache<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7192 size-full\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/schwaiger_hartmut.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"302\" \/>Uns Evangelischen ist Luthers erzwungener Aufenthalt auf der Wartburg, wo er sich als Junker Jo\u0308rg versteckt halten musste, natu\u0308rlich ein Begriff. Und ebenso ist fu\u0308r uns seine dort vollbrachte Leistung der Bibelu\u0308bersetzung in die deutsche Sprache ein bedeutsames theologisches Ereignis, schlie\u00dflich gelang es Luther damit, das umzusetzen, was ihm a\u0308u\u00dferst wichtig war: die Mo\u0308glichkeit fu\u0308r alle Gla\u0308ubigen zu schaffen, sich selbst mit dem Wort Gottes auseinanderzusetzen und nicht auf die Auslegung von Geistlichen angewiesen zu sein.<\/p>\n<p>Eine andere historische Leistung Luthers, die er durch diese Bibelu\u0308bersetzung vollbrachte, ist allerdings nicht allen von uns (und nicht nur uns Evangelischen) so gut bekannt: Denn wenn es Luthers Ziel war, die Bibel in die Sprache des Volkes \u2013 das Deutsche \u2013 zu u\u0308bertragen, dann muss man wissen, dass es dieses \u201eDeutsch\u201c im Grunde genommen damals noch gar nicht gab. Einerseits stellt sich uns die deutsche Sprache der damaligen Zeit als ein fast babylonisches Sprachenwirrwarr an unterschiedlichen Dialekten dar, die sich teilweise stark voneinander unterschieden (man denke nur daran, dass man bis heute im Deutschen Dialekte hat, die sich wechselseitig praktisch gar nicht verstehen, wie etwa der alemannische Dialekt Vorarlbergs oder der Schweiz und andererseits das Plattdeutsche im Norden Deutschlands). Und andererseits war das Deutsche sprachwissenschaftlich noch sehr dem Mittelhochdeutschen, der Sprache des Mittelalters, nahe. Auch die Rechtschreibung richtete sich nach der Aussprache in den Dialekten und sogar unterschiedliche Schreibweisen ein und desselben Wortes waren vo\u0308llig normal.<\/p>\n<p>Ein kleiner Exkurs an dieser Stelle: Die Normierung der Rechtschreibung wurde erst viel spa\u0308ter zum Thema. Goethes Weltliteratur konnte entstehen, ohne dass er sich um korrekte Schreibweise allzu viele Gedanken machen musste. Wer Originaltexte von damals liest, wird sich wundern, welch beinahe kreativer Variantenreichtum mo\u0308glich war. Ein Paradies fu\u0308r all jene, denen die Regeln der heutigen Rechtschreibung nicht so leicht von der Hand gehen!<\/p>\n<p>Aber zuru\u0308ck zu Luther: Da sa\u00df er also in der Wartburg, um seinen ehrgeizigen und theologisch so wichtigen Plan umzusetzen und das Erste, was er tun musste, war, sich zu u\u0308berlegen, welche Varianten des Deutschen denn u\u0308berhaupt von den meisten Menschen verstanden werden ko\u0308nnten. Er selbst sagte dazu, er habe sich an der sogenannten \u201esa\u0308chsischen Kanzleisprache\u201c orientiert. Damit ist die Sprache gemeint, deren sich die Amtsstuben des Kurfu\u0308rsten Friedrichs von Sachsen bedienten. Und diese wiederum hatten in gewisser Weise bereits Vorarbeit geleistet, weil sich Friedrichs Amtsstuben insbesondere mit den Amtsstuben Kaiser Maximilians in Wien in regem Austausch befanden und man wechselseitig versuchte, die eigene Sprache mo\u0308glichst so zu wa\u0308hlen, dass sie die andere Seite gut verstand. Dies war also die Grundlage fu\u0308r Luthers Arbeit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 6\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Aber die eigentliche Errungenschaft bestand dann in dem, was Luther selbst einmal als \u201edem Volk aufs Maul schauen\u201c bezeichnet hat: Denn die Kanzleisprachen hatten zwar eine Anna\u0308herung gebracht, waren aber im Stil sehr bu\u0308rokratisch und ho\u0308lzern (Juristendeutsch wu\u0308rde man heute sagen) und damit nicht gerade leicht zu verstehen. Luther hingegen kreierte einen Stil, der mo\u0308glichst leicht zu verstehen war und sich vor allem an der gesprochenen Sprache orientierte. Mit seinem \u201edem Volk aufs Maul schauen\u201c war also nicht gemeint, man mu\u0308sse sich derb oder vulga\u0308r ausdru\u0308cken, wie manche das (miss)verstehen, sondern gemeint war ein \u201evolksnaher\u201c Sprachstil, um die Botschaften des Neuen Testaments den Menschen in ihrer Sprache zur Verfu\u0308gung zu stellen.<\/p>\n<p>Und die Geschichte beweist, dass ihm das gelungen ist. Die Verbreitung seiner Bibelu\u0308bersetzung \u2013 und auch seiner anderen Schriften \u2013 mithilfe des Buchdrucks trugen wesentlich dazu bei, dass Luther mit seinem Bemu\u0308hen um eine versta\u0308ndliche Sprache die Entwicklung des heutigen Neuhochdeutsch nachhaltig beeinflusst hat.<\/p>\n<p><em>Hartmut Schwaiger<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[27.09.2021] Luthers Bibelu\u0308bersetzung \u2013 ein Meilenstein in der Entwicklung der deutschen Sprache Uns Evangelischen ist Luthers erzwungener Aufenthalt auf der Wartburg, wo er sich als Junker Jo\u0308rg versteckt halten musste, natu\u0308rlich ein Begriff. 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