Evangelische Frauenarbeit kritisiert Aussagen von Bundeskanzler Stocker

[19.08.2026]

Bildquelle: gemeindebrief.de / Pfeffer

„Dass Familie mehr ist als ein Geschäftsmodell, steht außer Frage. Aber daraus zu schließen, Kinderbetreuung sei keine Arbeit, ist ein gefährlicher Kurzschluss“, erklärte die Evangelische Frauenarbeit in ihrer Aussendung vom 7. August. Damit widersprach sie dem Bundeskanzler deutlich. Bei seiner Gesprächsreihe „Österreich im Gespräch“ am 6. August in Salzburg hatte Bundeskanzler Christian Stocker erklärt, er würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen. Familie sei schließlich kein „Business Case“, sondern bedeute gegenseitige Verantwortung. Kurz danach entschuldigte sich Stocker für die Aussage. Der Satz sei „falsch“, räumte er in einer schriftlichen Stellungnahme ein.

„Kinderbetreuung und andere Formen unbezahlter Sorgearbeit kosten Zeit und Kraft und tragen wesentlich dazu bei, dass unsere Gesellschaft und Wirtschaft überhaupt funktionieren“, betont die Evangelische Frauenarbeit. Noch immer werde der Großteil dieser Arbeit von Frauen geleistet. Die konkreten Folgen seien weniger Erwerbsarbeit und Einkommen, geringere Karrierechancen und niedrigere Pensionen.

„Unbezahlte Arbeit verschwindet nicht dadurch, dass wir sie nicht Arbeit nennen. Unsichtbar werden höchstens jene, die sie leisten – und das sind noch immer überwiegend Frauen“, unterstrich die Evangelische Frauenarbeit. Es brauche deshalb Rahmenbedingungen, die eine gerechtere Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit ermöglichen: verlässliche und leistbare Kinderbetreuung, bessere soziale Absicherung und eine Arbeitswelt, in der es für Männer ebenso selbstverständlich ist wie für Frauen, Betreuungsverantwortung zu übernehmen.

„Liebe braucht keine Lohnabrechnung. Aber Menschen, die Sorgearbeit leisten, brauchen Anerkennung, faire Rahmenbedingungen und ökonomische Sicherheit“, fordert die Evangelische Frauenarbeit. Deshalb gelte auch für die Aussage des Bundeskanzlers: Familie sei „viel mehr“ als ein Rechenbeispiel. „Aber wenn bei der gesellschaftlichen Rechnung am Ende wieder einmal vor allem Frauen draufzahlen, dann müssen wir sehr wohl anfangen zu rechnen“, so die Evangelische Frauenarbeit.

Quelle: EPD Evangelischer Pressedienst Österreich

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