Einfach nach Hause

Es war ein wunderschöner heißer Sommertag. Cindy unser Kätzchen ist mittlerweile erwachsen geworden. Bei Menschenkindern dauert das sehr lange, aber Katzen sind mit einem Jahr schon erwachsen. Cindy wurde es viel zu heiß und beschloss deswegen in den Wald zu gehen, weil ihre Mutter sagte, dass es im Wald immer schön kühl sei. Durch die hohen Bäume gab es ein riesiges Blätterdach und unterhalb war es deswegen angenehm kühl, anstatt in der prallen Sonne zu schwitzen.

Cindy hatte schon eine Menge Tiere im Wald getroffen: einen Feldhasen, eine Spitzmaus, eine Ringelnatter, ein Reh und einen Feuersalamander und alles war sehr aufregend! Die Spitzmaus zum Beispiel fürchtete sich sehr vor ihr, weil sie dachte Cindy würde sie fressen und alle anderen behandelten sie anfangs so, als würde sie kein Tier sondern ein Mensch sein. Das Reh fragte zuerst: “Wirst du auf mich schießen?“ Und die Ringelnatter wollte wissen, ob sie sie zertreten würde, aber Cindy konnte jedes Mal die Wogen glätten und schließlich vertrauten die Waldtiere ihr und unterhielten sich ein bisschen mit ihr. Der Feldhase erzählte ihr von einer Straße ganz oben im Wald, von der man einen wunderschönen Ausblick über Salzburg hatte und den wollte sich Cindy auf keinen Fall entgehen lassen. Also ging sie immer weiter und weiter, aber sie konnte dieses Plateau nicht finden. Etwas verzweifelt sah sie sich um und hatte Glück. Ein Eichhörnchen war gerade dabei hoch oben am Baum eine Nuss zu fressen, als Cindy zu ihm hinaufrief: „He du, Eichhörnchen! Ja dich mein‘ ich. Komm doch mal runter, dass ich nicht so schreien muss!“ Das Eichhörnchen grinste: „Ja genau, und kaum bin ich dann unten, wirst du mich fangen und fressen! Ich bin doch nicht von gestern!“ „Aber nein, Ehrenwort!“, antwortete die Katze, „Ich will dich doch nur nach dem Weg fragen, von wo aus man Salzburg sehen kann!“ „Ach so, ich zeig ihn dir, lauf mir einfach nach. Er ist gleich da hinten und ich muss sowieso in die Richtung. Wenn du erlaubst, bleib‘ ich aber lieber auf dem Baum, immerhin ist ‚Vorsicht die Mutter der Porzellankiste‘“, erwiderte das Eichhörnchen. „Hä? Sie ist was? Ich versteh‘nur Bahnhof?“, fragte Cindy verwirrt. „Bahnhof?“, fragte das Eichhörnchen, “ach vergiss es, nicht so wichtig…“. Das Eichhörnchen sprang von Baum zu Baum undCindy lief am Waldboden dem Hörnchen hinterher.

Und tatsächlich, nach zwei Kurven kamen sie auf die richtige Straße und 5 Minuten später konnte unsere Katze den wundervollen Ausblick vom Eberstein über Salzburg genießen. Nach einer Weile des Träumens hielt sie Ausschau nach dem Eichhörnchen, aber es war verschwunden. Sie hatte vor lauter Staunen nicht mal bemerkt, dass es sich bereits verabschiedet hatte und seiner Wege ging.

Der Tag verging schnell und die Sonne stand bereits tief, als Cindy sich aufmachte nach Hause zu gehen. Sie erinnerte sich zum Glück an den Weg bis zu dem Punkt, an dem sie das Eichhörnchen traf, aber dann sah sie sich um und wusste einfach nicht mehr weiter. “So was Blödes! Was mach‘ ich jetzt nur?“, murmelte sie etwas verzweifelt. Sie entschied sich für einen Weg, doch nachdem sie einige Zeit unterwegs war, merkte sie, dass sie im Kreis herumgelaufen war und wieder an derselben Stelle stand wie eine halbe Stunde zuvor. „Oh Gott, bitte bring mich doch nach Hause, ich möchte endlich wieder in mein schönes gemütliches Zuhause! Warum kann ich mich nicht an den richtigen Weg erinnern?“, seufzte sie und begann zu weinen. Das machte einen kleinen Marder auf sie aufmerksam, der sich ihr neugierig näherte. „Was ist los? Wieso weinst du?“, fragte er. „Ich hab‘ mich verlaufen“, heulte Cindy los, „Ich kann mich an den Weg zu meiner Siedlung, meinem Zuhause nicht mehr erinnern und jetzt wird es schon dunkel und ich hab Hunger und bin sooo müde.“ „Hm, Siedlung“, überlegte der Marder, „Ist das die, wo dieser weiße Bus mit diesen wunderbaren leckeren Kabeln steht?“, fragte derMarder. „Ja genau, der gehört dem Vater meiner besten Freundin Katharina“, sagte Cindy in der Hoffnung, es sei derselbe, von dem der Marder sprach. „Den kenn‘ich“, antwortete der Marder darauf, „Ich bring‘ dich hin, wenn du willst. Ich heiße übrigens Freddie.“ „Danke, Freddie, das ist sehr lieb von dir. Ich bin Cindy“, sagte die Katze etwas ermutigt und wischte sich ihre Tränen ab. Freddie und Cindy machten sich auf den Weg, und als es schon fast dunkel war, kamen sie endlich aus dem Wald heraus und sahen auch schon den Bus. „Hurra! Da ist er ja! Endlich haben wir es geschafft!“, freute sich Cindy. „Ich weiß gar nicht, wie ich dir jemals danken soll. Es ist so schön, endlich wieder dort hinzukommen, wo man zu Hause ist!“ „Keine Ursache, hab‘ ich gerne getan“, sprach Freddie und fragte sie: „Aber warum weinst du schon wieder?“ „Ach, das sind doch nur Freudentränen“, lachte die Katze und ging auf den Marder zu. „Vielen, vielen Dank Freddie!“, schmiegte sich schnurrend an ihn, verabschiedete sich und lief nach Hause.

Als die Haustür aufging und ihr Frauchen sie begrüßte, fiel Cindy ein riesiger Steinvom Herzen und bemerkte gar nicht, dass ihre Besitzerin etwas die Nase rümpfte, weil Cindy etwas nach Marder roch. Schließlich fraß sie sich satt und legte siesich total übermüdet in ihr Bettchen, und als ihre Mutter kam und fragte, wo siedenn den ganzen Tag war, antwortete Cindy: „Zu Hause ist es doch am schönsten! Warm, gemütlich, trocken und voller Liebe,…. “, und schlief mitten unter ihremSatz ein.

Ihre Mutter lächelte und kuschelte sich zu ihr, sie würde Cindy morgen fragen, was sie alles erlebt hat. Aber ihre Kleine hatte schon recht: Zu Hause ist dort, woman sein Herz hat und wo man Geborgenheit findet…

Yvonne Ennsmann