[24.02.2026]
Bei wahrlich unfreundlichem Wetter, bei dem man „keinen Hund vor´s Haus jagt“, startete der erste Abend der ökumenischen Fastenaktion 2026. Als Referentin eingeladen war keine geringere als Prof.in Dr.in Helga Kromp-Kolb, eine in Österreich zu Recht bekannte Meteorologin und Klimaforscherin. Dem Besuch tat das Wetter keinen Abbruch und so konnten in der HTL Hallein viele interessierte Gäste begrüßt werden.



Nachstehend eine Zusammenfassung des fulminaten Vortrages.
Ermutigung in Zeiten der Klimakrise
Im Rahmen der diesjährigen Fastenaktion stand das Hauptthema „Herausforderung LEBEN“ im Mittelpunkt. Ausgangspunkt des Vortrags war die Frage, was Fasten eigentlich bedeutet – nicht nur als körperlicher Verzicht, sondern als bewusste Unterbrechung des Alltags, als Zeit der Wahrnehmung, der inneren Klärung und der Neuorientierung.
Fasten heißt, für einen bestimmten Zeitraum bewusst innezuhalten. In religiöser Tradition dient es der Reinigung, der Besinnung und der Stärkung der Willenskraft. Es kann helfen, den Blick zu schärfen für das Wesentliche – und genau darum ging es an diesem Abend: Die Klimakrise nicht nur als Bedrohung zu sehen, sondern als Herausforderung, die neue Perspektiven und gemeinsames Handeln erfordert.
Ein Blick auf die Realität
Ein eindrückliches Bild für die aktuelle Weltlage ist die sogenannte „Doomsday Clock“, die 1947 vom Bulletin of the Atomic Scientists eingeführt wurde. Sie symbolisiert, wie nahe die Menschheit aus Sicht von Wissenschaftlern an einer globalen Katastrophe steht. Aktuell steht sie so nah an Mitternacht wie nie zuvor. Die Gründe sind vielfältig: die Gefahr nuklearer Eskalation, biologische Risiken, technologische Entwicklungen – und vor allem die unzureichenden Fortschritte beim Klimaschutz.
Im Zentrum des Vortrags stand daher die Klimakrise. Ein Blick in die Erdgeschichte zeigt zwar, dass es immer wieder Klimaschwankungen gab. Doch die gegenwärtige Erwärmung unterscheidet sich grundlegend: Sie ist menschengemacht – und sie verläuft in einer Geschwindigkeit, die historisch beispiellos ist. Seit den 1970er-Jahren steigt die globale Durchschnittstemperatur deutlich an, die letzten Jahre sogar schneller als von vielen Modellen prognostiziert.
Österreich besonders betroffen
Besonders deutlich wird die Entwicklung in Österreich. Während die globale Erwärmung derzeit bei etwa 1,4 Grad liegt, beträgt sie hierzulande bereits rund 3 Grad. Als Binnen- und Alpenland erwärmt sich Österreich überdurchschnittlich stark. Extremereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen, Hitzewellen oder Trockenperioden nehmen spürbar zu.
Diese Entwicklungen betreffen nicht nur ferne Regionen, sondern unser unmittelbares Lebensumfeld. Sie fordern staatliche Strukturen ebenso wie individuelles Verantwortungsbewusstsein heraus. Vorsorge, Resilienz und solidarisches Handeln werden zunehmend wichtig.
Gerechtigkeit als Schlüssel
Ein zentrales Thema des Abends war die Frage der globalen Verantwortung. Die Klimakrise trifft jene Regionen besonders hart, die am wenigsten zu ihrer Entstehung beigetragen haben. Gleichzeitig verursachen die wohlhabendsten Bevölkerungsgruppen weltweit einen überproportional hohen Anteil der Emissionen.
Ohne soziale Gerechtigkeit wird Klimaschutz nicht gelingen. Die ökologische Frage ist untrennbar mit der sozialen verbunden. Es geht nicht nur um technische Lösungen, sondern um faire Verteilung, globale Solidarität und strukturelle Veränderungen.
Systemische Herausforderungen
Deutlich wurde auch: Die Klimakrise ist kein isoliertes Umweltproblem, sondern Ausdruck eines Systems, das auf dauerhaftem Wachstum basiert – in einer Welt mit begrenzten Ressourcen. Wirtschaftliches Wachstum sichert derzeit Stabilität, führt jedoch gleichzeitig zu steigendem Ressourcenverbrauch.
Die Frage lautet daher nicht nur: Was können Einzelne tun? Sondern auch: Welche Strukturen müssen sich verändern?
Diskutiert wurden zentrale Transformationsfelder:
- der Ausbau erneuerbarer Energien
- eine Kreislaufwirtschaft statt Wegwerfgesellschaft
- Resilienz statt einseitiger Effizienz
- ein Finanzsystem, das Realwirtschaft unterstützt statt spekulative Blasen fördert
- ein Bildungssystem, das Kreativität und Verantwortungsbewusstsein stärkt
Frieden und Nachhaltigkeit
Ein weiterer Aspekt war die enge Verbindung zwischen Klimaschutz und Frieden. Militärische Konflikte verschärfen ökologische Krisen, während Ressourcenknappheit wiederum Konflikte begünstigt. Nachhaltigkeit und Frieden bedingen einander. Eine zukunftsfähige Welt braucht beides.
Lebensqualität statt Lebensstandard
Ein besonders ermutigender Teil des Vortrags richtete den Blick auf das Positive: auf die Frage, was wir gewinnen können. Die notwendige Transformation bedeutet nicht in erster Linie Verzicht, sondern eine Neubestimmung von Lebensqualität.
Studien zeigen, dass Glück und Zufriedenheit weniger von materiellem Besitz abhängen als von sozialen Beziehungen, Zeit, Sinn, Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit. Hier wurde zwischen extrinsischen Werten wie Status, Macht und materiellem Erfolg und intrinsischen Werten wie Zugehörigkeit, Solidarität und Selbstakzeptanz unterschieden. Letztere tragen wesentlich stärker zum persönlichen Wohlbefinden bei.
Das Konzept der Suffizienz – des „Genug“ – wurde als möglicher Weg vorgestellt: nicht maximal konsumieren, sondern bewusst entscheiden, was wirklich notwendig ist. Wenn globale Gerechtigkeit gelingen soll, braucht es in reichen Gesellschaften ein Umdenken.
Vom Fußabdruck zum Handabdruck
Ein wichtiges Bild war der Unterschied zwischen Fußabdruck und Handabdruck. Der ökologische Fußabdruck beschreibt das individuelle Verhalten – etwa Energieverbrauch oder Mobilität. Der Handabdruck hingegen steht für strukturelle Wirkung: politisches Engagement, gesellschaftliche Mitgestaltung, Gespräche im eigenen Umfeld, bewusste Wahlentscheidungen.
Beides ist notwendig. Persönliche Veränderungen sind wichtig, doch langfristige Wirkung entsteht vor allem durch gemeinsames Handeln.
Drei Fragen für die Zukunft
Am Ende standen drei Leitfragen im Raum:
- Was wollen wir bewahren?
- Was müssen wir loslassen?
- Was können wir neu lernen oder wiederentdecken?
- Bewahren möchten wir Menschenrechte, Würde, Demokratie und Frieden.
- Loslassen müssen wir zerstörerische Abhängigkeiten von fossilen Energien und ein Denken, das unbegrenztes Wachstum voraussetzt.
- Neu lernen können wir Gemeinwohlorientierung, Solidarität und den respektvollen Umgang mit der Natur.
Ermutigung als Haltung
Der Abend endete mit einer klaren Botschaft: Die Herausforderungen sind groß – doch Resignation ist keine Option. Ermutigung bedeutet nicht, Probleme zu verharmlosen, sondern ihnen mit Klarheit und gemeinsamer Vision zu begegnen.
Die Fastenzeit kann ein Anlass sein, Gewohnheiten zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entwickeln. Die Klimakrise verlangt langfristiges Engagement – aber sie eröffnet auch die Chance auf eine gerechtere, solidarischere und lebenswertere Gesellschaft.
Die zahlreichen Gespräche im Anschluss zeigten: Das Thema bewegt – und es verbindet. Ermutigung entsteht dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen und den Mut finden, Zukunft aktiv zu gestalten.
Weitere Angebote
Neben der obigen Zusammenfassung bieten wir zwei weitere Angebote, sich tiefer mit dem Vortrag auseianderzusetzen.
Den kompletten Vortrag nachlesen
vortrag_01_komplettDen kompletten Vortrag noch einmal anhören (in Kürze)!