[08.06.2026]
Bischöfin Richter: Biblische Verheißungen bergen weltverändernde Kraft in sich

Am Freitagnachmittag, 15. Mai, fand beim Deutschen Katholikentag in Würzburg der zentrale ökumenische Gottesdienst statt. Gestaltet wurde er unter anderem vom deutschen römisch-katholischen Ökumene-Bischof Gerhard Feige, dem Berliner griechisch-orthodoxen Bischof Emmanuel Sfiatkos sowie der österreichischen evangelisch-lutherischen Bischöfin Cornelia Richter.
Die Bischöfin griff in ihrer Predigt das Motto des Katholikentags auf: „Hab Mut, steh auf.“ Das Leitwort gehört zur biblischen Geschichte des blinden Bartimäus, dem Jesus aufgrund seines Glaubens das Augenlicht schenkte.
Für viele Menschen würden solche biblischen Erzählungen oder Verheißungen wie eine Provokation klingen, so die Bischöfin. Das Provokante liege im diametralen Gegensatz zu dem, „wie wir unsere Welt täglich erfahren“, als eine Vision oder gar als Utopie.
„Aber immer dann, wenn man eine Vision oder eine Utopie vor Augen hat, entwickelt sich eine Diskussion über die Spannung zwischen Idee und Wirklichkeit. Eine Diskussion darüber, wie wir leben wollen, wie unser Gemeinwesen aussehen soll.“
Die Bischöfin erinnerte an die Etablierung der Menschenrechte, die Einführung der Demokratie, das Wahlrecht für alle Menschen, an freien Zugang zu Bildung oder – im Sinne der Geschichte vom blinden Bartimäus – an die Einrichtung einer allgemeinen Kranken- und Sozialversicherung.
„All das, was uns heute selbstverständlich erscheint – die Frauenordination in der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich immerhin seit 1980 – hatte zunächst utopische Züge und wurde nach und nach mühsam erkämpft. Deshalb: Hab Mut, steh auf!“
Quelle: epdÖ, 16.5.2026, Würzburg