[08.07.2026]

Wie schnell doch die Zeit vergeht! Im Urlaub, am Wochenende oder immer dann, wenn wir mit lieben Menschen Zeit verbringen, scheint die Zeit im Laufschritt an uns vorüberzuziehen. Dafür zieht sie sich in die Länge, wenn im Arbeitsalltag notwendige Dinge zu erledigen sind, die nicht gerade zu unseren „Lieblingsbeschäftigungen“ gehören.
In der klassischen Physik (also in Zeiten vor der Relativitätstheorie) wurde die Zeit als absolute, universelle und unveränderliche Größe betrachtet, die gleichmäßig abläuft. Aber wie wir persönlich die Zeit wahrnehmen, unterscheidet sich stark von dem alten physikalischen Verständnis von Zeit. Unsere individuelle Zeitwahrnehmung wird stark von den jeweiligen Emotionen beeinflusst. Wenn wir mit etwas beschäftigt sind, das uns Freude macht und Abwechslung in unsere tägliche Routine bringt, achten wir weniger darauf, wie viel Zeit diese Tätigkeit in Anspruch nimmt. Dadurch scheint die Zeit schneller zu vergehen, als wenn wir vor lauter Langeweile bei Routinetätigkeiten des Alltags ständig auf die Uhr schauen. Eine wissenschaftliche Studie legt zudem nahe, dass auch Dopamin – das Hormon, das uns glücklich macht – eine wesentliche Rolle hinsichtlich unseres individuellen Zeitempfindens hat: Diese Studie zeigte, dass eine erhöhte Dopaminproduktion, die bei positiven Erlebnissen auftritt, die innere Uhr des Körpers verlangsamen kann, sodass die Zeit wie im Flug vergeht.
Zeit für mehr = Zeit für mich?
Was aber fangen wir jetzt mit der Erkenntnis an, dass wertvolle Zeit viel zu schnell vergeht und sich der Alltag mit seinen Routinen oft unerträglich in die Länge zieht? Wichtig ist es, gerade im Alltag „Zeit für mehr“ oder vielleicht besser noch „Zeit für mich“ einzubauen und nicht darauf zu warten, bis das Wochenende oder der Urlaub endlich da sind. Aus eigener Erfahrung kann ich auch sagen, dass es nicht sinnvoll ist, vieles, was mir Freude bereitet, auf die Pensionszeit zu verschieben – da bleibt dann im Laufe des Lebens so einiges auf der Strecke, was mir den Alltag erleichtert und bunter gestaltet hätte.
Ganz konkret heißt dies, sich in der Alltagsroutine Zeitfenster einzubauen, in denen ich ganz bewusst etwas mache, was mir wirklich gut tut: Ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft statt mittags – vielleicht sogar am Arbeitsplatz sitzend – sein Mittagessen einzunehmen; 15 Minuten früher aufstehen, um das Frühstück mit meiner Familie in Ruhe genießen zu können; in meinen Terminkalender zumindest 2x wöchentlich einen halbstündigen Termin „Zfm“ (Zeit für mich) einzutragen und diesen Termin genauso wichtig zu nehmen wie alle anderen Termine, die ich eingetragen habe.
Steht die Zeit still?
Für viele Menschen, die mit ihren Anliegen zu mir als Diakoniebeauftragte kommen, spielt Zeit eine „andere Rolle“: Wenn sie beispielsweise arbeitssuchend sind, verbringen sie viel Zeit damit, einen Job zu finden, alles andere rückt in den Hintergrund. Rasch wird diese Situation zur Routine und die Zeit scheint in dieser schwierigen Lebensphase fast stillzustehen. Auch wenn Geldsorgen den Alltag prägen, bleibt wenig Zeit, um den mühseligen Alltag und die Sorge, die Familie wenigstens mit dem Allernotwendigsten versorgen zu können, beiseitezuschieben – die Zeit schleicht dahin, nichts geht weiter!
Im Laufe der Beratungsgespräche frage ich die Menschen immer, was sie denn konkret tun, um selbst wieder Kraft und Hoffnung zu schöpfen. Diese Frage irritiert viele, bis ich ihnen begreiflich gemacht habe, dass sie nur dann ihr Leben nachhaltig zum Positiven verändern können, wenn sie zuallererst gut auf sich selber schauen. Und beim „besser-auf-sich-selber-schauen“ greifen dann manche dieser Menschen auf das Angebot zurück, sich von DALETE-Freiwilligen unterstützen zu lassen. Allein die Gewissheit, dass es jemanden gibt, der sich „Zeit für mich“ nimmt, war in so manchen Fällen der Anlass für eine positive Wende im Leben dieser Menschen.
Ich bin unendlich dankbar dafür, dass viele von euch ihre „Zeit für mehr“ auch immer wieder DALETE zur Verfügung stellen!
Diakoniebeauftragte Edda Böhm-Ingram
Quelle: Evang. Gemeinde Hallein, Gemeindebrief 2026-2
