Was ist „Leben“?

[25.06.2026]

Pfarrer Peter Gabriel

Leben – was ist das eigentlich, was versteht man darunter? Biologisch ist es das Dasein auf der Erde von der Geburt bis zum Tod. Um Leben zu können, brauche ich Essen und Trinken, muss mich schützen. Und durch Kinder gebe ich Leben weiter, setzt sich Menschsein auf dieser Erde fort. Aber reicht das? Zum Leben gehört doch auch die Erfahrung von Liebe und Geborgenheit, das Aufgehobensein in einer Gemeinschaft und wohl auch die Frage nach dem Sinn, danach, wie alles entstanden ist und was nach meinem Tod kommt. Die Religion, der christliche Glaube antwortet für mich auf diese Fragen. So lese ich z.B. im Johannesevangelium (10,10): „Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Für mich bedeutet dieses Wort Jesu: Mein Leben ist ein Geschenk. Dass ich lebe, habe ich mir nicht ausgesucht. Und es ist auch viel mehr als der Wille meiner Eltern, ein Kind zu zeugen. Ich begreife mich als Kind Gottes, der mir das Leben geschenkt hat. Ich bin dankbar, dass ich leben darf, und auch dafür, was ich schon alles erleben durfte. Natürlich gibt es auch Momente, wo ich krank war, wo es mir nicht gut gegangen ist, aber im Rückblick bleibt vor allem die Dankbarkeit für alles, was mir geschenkt worden ist.

Ich durfte in einer liebevollen Familie aufwachsen, dazu in einem demokratischen Rechtsstaat mit vielen Freiheiten, ich durfte gute Schulen und Universitäten besuchen und meinen Traumberuf ergreifen. Mir wurden viele Freundinnen und Freunde geschenkt – und auch ein Lebenspartner, mit dem ich mein Leben, meinen Alltag, meine Hoffnungen und Träume teilen kann. Ich habe auch Behütung in gefährlichen Situationen oder bei Operationen erleben dürfen.

Aber Jesus verheißt mir nicht nur ein gutes Leben, sondern ein Leben in Fülle. Das meint nicht ein vollgepacktes Leben, viel Arbeit, viele Termine, viele Reisen, viele Kontakte. Fülle ist für mich kein Mengenbegriff, sondern ein Qualitätsbegriff. Fülle kann auch bedeuten, ganz ruhig zu werden, abzuschalten, eine Pause einzulegen. Dieses gefüllte Leben geht bei mir im Trubel des Alltags manchmal unter. In den Sommermonaten darf ich es erleben: weniger Termine und Mails – da bleibt mehr Zeit für mich, zum Nachdenken, zum Lesen, zum mich in der Natur Bewegen, zum Beten, auch zum Schlafen. Solche gefüllte Lebenszeit erlebe ich aber auch immer wieder mitten im Alltag. Ich wünsche euch für die kommenden Sommermonate, dass ihr die Lebensfülle spürt. Und dass ihr erlebt, wie Gott euch begegnet, segnet und euer Leben füllt.

Euer Pfarrer Peter
Quelle: Evang. Gemeinde Hallein, Gemeindebrief 2026-2

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