Wenn Zeit zu schnell oder zu langsam vergeht

[09.07.2026]

Wie teilt ihr eure Zeit ein? Habt ihr immer genug Zeit, oder wird euch manchmal auch die Zeit knapp?

Bei mir ist das eigentlich immer unterschiedlich. Es kommt natürlich auch darauf an, was genau ansteht. Wenn ich etwas nicht machen will, aber machen soll, dann zieht sich die Zeit sehr in die Länge. Aber wenn mir etwas gefällt und ich mit vollem Eifer dabei bin, vergeht eine Stunde wie ein Wimpernschlag – bei euch auch?

Aber heute geht es um die Zeit, die man sich manchmal nehmen sollte, weil man es sonst bereuen könnte, sie sich nicht genommen zu haben.

Maria, Martha und ein voller Haushalt

Ich erzähle euch heute die Geschichte von Maria und Martha, sie ist aus der Bibel. Die beiden waren Schwestern und hatten auch einen großen Bruder namens Lazarus. Lazarus war ein guter Freund von Jesus. Jesus kam eines Tages mit seinen Jüngern zu ihm auf Besuch. Da könnt ihr euch vorstellen, dass da ihr Haus ganz schön voll wurde!

Unsere liebe Martha machte sich schon den ganzen Morgen Gedanken, was sie denn nicht alles noch machen und herrichten musste.

Anfangs hatte ihr Maria, die kleine Schwester, noch etwas geholfen und war zum Brunnen gegangen, um Wasser zu holen, aber kaum war Jesus angekommen, ließ Maria alles stehen und liegen und hatte nur mehr Augen und Ohren für Jesus.

Stress, Erwartungen und der Moment des Überlaufens

So hatte sich das Martha nicht vorgestellt. Sie schwitzte und bekam innerlich großen Stress, da sie ja alles perfekt machen wollte. Umso mehr wuchs ihr Unmut auf Maria, bis ihr schließlich förmlich der Kragen platzte.

Sie gab gerade Jesus etwas zu essen und er dankte ihr und lobte sie, wie gut es denn nicht schmeckte. Martha sah ihn missmutig an und sagte: „Es wäre noch besser, hätte ich nicht alles allein machen müssen!“

Jesus fragte nach: „Besser?“ „Ja besser!“ schnaubte sie. „Angemessener für jemanden so wichtigen wie dich!“

Jetzt wurde es still im Raum, aber Martha merkte es nicht und redete sich in Wut: „Du hast wohl nicht bemerkt, dass meine Schwester mir die ganze Arbeit überlässt. Seit du hier bist, hat sie nichts getan, um dir zu dienen. Sie hat einfach ignoriert, was ich tue, um es euch allen bequem zu machen und es ist klar, dass sie es von selbst nicht merken wird, wie hart ich allein arbeite! Das würde sich nur ändern, wenn du ihr sagst, dass sie mir helfen soll!“

Ihr könnt euch vorstellen, dass nun die Luft im Raum ziemlich „dick“ war. Auch Maria bekam große Augen und starrte ihre Schwester an.

Jesus hingegen legte sein Essen auf die Seite, sah Martha mit einem bedeutungsvollen Blick an und sagte: „Martha. Martha, bitte – setze dich doch hier her zu mir.“

Martha erschrak etwas. Irgendwie schämte sie sich für ihre harten Worte, aber auch ihr Pflichtbewusstsein hinderte sie daran, also sagte sie: „Wie könnte ich? Nur die Hälfte deiner Freunde hat etwas zu essen. Wir können später darüber reden, es tut mir leid.“

Jesus sah sie liebevoll an: „Ich weiß, aber ich will, dass alle das hören.“

Martha zwischen Pflichtgefühl und Unsicherheit

Martha sah sich beschämt um. Vermutlich dachte sie, dass Jesus sie jetzt vor allen anderen schimpfen wird. Sie atmete einmal tief ein und während Jesus weitersprach, setzte sie sich neben ihn hin.

„Es gibt nichts, was dir peinlich sein muss“, ermutigte er sie, „Du hast das wunderbar gemacht.“

Er gab ihr seine Hand und fuhr fort: „Du machst dir viel Arbeit und kümmerst dich um viele Dinge. Und das ist wertvoll. Gastfreundschaft ist sehr wichtig. Und ich bin dankbar für alles, was du tust.“

„Das verdienst du – und noch mehr“, antwortete sie leise.

Das Gespräch über das Wesentliche

Jesus fuhr fort: „Deine Absicht ist die beste, aber nur eine Sache ist wirklich nötig. Das Wichtigste von allem ist, dass ihr alle meinen Worten gut zuhört. Das ist das Entscheidende und deine Schwester hat das erkannt. Eine gute Entscheidung, die ihr niemand mehr nehmen kann.“

Martha fragte: „Wie meinst du das: ‚nehmen‘?“

„Dein Essen, deine Gastfreundschaft“, redete Jesus weiter, „das ist wundervoll, aber das wird vergehen, so wie der Rest der Welt. Meine Worte werden aber nie vergehen. Maria hat sich für ein Festmahl mit ewigem Wert entschieden.“

Nun sah Jesus alle im Raum an und richtete seine Worte an alle: „Bitte versteht mich alle richtig: Ich kritisiere Martha nicht. Anderen zu dienen ist wunderschön. Taten sind gut! Du tust, was deiner Meinung nach von dir erwartet wird. Und was du tust, ist wertvoll!“

Dann lachte er etwas auf und sah auf Maria, während er weitersprach: „Und Maria hätte dir ruhig ein wenig helfen können!“

Versöhnung und Einladung zum Leben

Er wandte sich wieder Martha zu: „Aber hör zu! All das soll dich nicht davon abhalten, ganz mit mir zu sein. Und den Freunden, die ich mitgebracht habe. Ich lade euch zu etwas ein, was besser ist! Setzt euch zu meinen Füßen, hört meinen Worten gut zu und genießt sie, wie eine Mahlzeit, noch nahrhafter als jedes Essen.“

Am Ende lachte er wieder und sagte noch: „Übrigens: Ich möchte auf keinen Fall Marthas wunderbares Essen verkommen lassen. Also wenn ihr alles verstanden habt, lasst uns ihr danken und essen!“ Da lachten alle auf.

Maria entschuldigte sich bei Martha. Diese lächelte nun sanft ihre Schwester an und umarmte sie ganz fest.

So und jetzt nehmt euch alle Zeit, geht raus und genießt das Wetter, die Sonne, das Wasser, die letzten Schultage und die wohlverdienten Sommerferien und den Urlaub.

Vielleicht findet ihr auch noch etwas Zeit, um Gott für das Gute und die Schönheit um euch herum zu danken.

Eure Yvonne
Quelle: Evang. Gemeinde Hallein, Gemeindebrief 2026-2

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