(2) Eigentlich wollte ich ein Fahrrad

[03.03.2026 Update 04.03.2026]

In das Gemeindezentrum in Rif wurden die Interessenten für den zweiten Abend der Fastenaktion eingeladen. Der Referent offensichtlich kein Unbekannter, denn der Gemeindesaal war sehr gut besucht, über 120 Frauen und Männer lauschten aufmerksam dem Referenten zu.

Nachstehend eine Zusammenfassung des Vortrages.

Eigentlich wollte ich …
Über Wünsche, Zeit und die vergessene Seele

Dr. Georg Fraberger

„Eigentlich wollte ich Jurist werden.“
Geprägt vom Vorbild des idealistischen Anwalts, gespielt von Gregory Peck im Film Wer die Nachtigall stört, entstand früh der Wunsch nach Gerechtigkeit. Doch das Leben führte nicht in den Gerichtssaal, sondern in die Psychologie – dorthin, wo innere Konflikte verhandelt werden.

Seit über 26 Jahren begleitet der Vortragende Menschen, die eines gemeinsam haben:
Sie haben scheinbar keine Zeit für das Leben, das sie eigentlich führen möchten.

Doch wir alle haben 24 Stunden am Tag.
Was also fehlt?

Woraus besteht der Mensch?

Im Zentrum steht eine einfache, aber grundlegende Frage:
Woraus besteht der Mensch?

Aus psychologischer Sicht sind es drei Dimensionen:
• Gefühl
• Verstand
• Wille bzw. Motivation

Viele Probleme entstehen dann, wenn diese drei Ebenen aus dem Gleichgewicht geraten – besonders dann, wenn das Seelische vernachlässigt wird.

Eigentlich wollte ich ein Fahrrad

Ein Schlüsselerlebnis aus der Kindheit: der Wunsch nach einem Fahrrad.
Stattdessen gab es einen Fotoapparat. Aus der Enttäuschung entstand eine neue Perspektive – beobachten statt mitfahren, gestalten statt vergleichen.

Dabei wurde eine wichtige Erkenntnis deutlich:
Nicht jeder, der etwas besitzt, kann es auch wirklich.

Die entscheidende Frage lautet also nicht:
Was will ich haben?
Sondern:
Was will ich können? Was will ich ausdrücken?

Hier beginnt das Seelische.

Wünsche, Selbstwert und „Wenn-dann“-Denken

Viele Menschen knüpfen ihr Glück an Bedingungen:
• Wenn ich mehr Geld hätte …
• Wenn ich anders aussehen würde …
• Wenn ich erfolgreicher wäre …

Doch hinter diesen Wünschen stehen meist tiefere Bedürfnisse: Anerkennung, Sicherheit, Lebendigkeit.

Das Problem: Das Leben wird verschoben.
Der Verstand übernimmt die Führung, die Seele wird vertröstet.

Zwei Arten von Krisen

Psychologisch lassen sich zwei Krisenformen unterscheiden:
1. Kritische Lebensereignisse wie Krankheit, Trennung oder Verlust.
2. Nicht erfüllte Wünsche.

Beides erzeugt innere Spannung. Wird diese nicht verarbeitet, entstehen Wut, Selbsttäuschung oder dauerhafte Unzufriedenheit. Langfristig kann daraus ein psychisches Problem entstehen.

Lebenszeit statt Arbeitszeit

Wir sprechen von Arbeitszeit und Freizeit – tatsächlich aber gibt es nur Lebenszeit.

Arbeit bedeutet oft: Ich arbeite für die Idee eines anderen.
Freizeit sollte die Zeit sein, in der ich Verantwortung für meine eigene Seele übernehme.

Doch häufig wird sie zur bloßen Erholung vom Funktionieren oder zur Ablenkung durch Medien. Nichtstun allein nährt die Seele nicht.

Interessanterweise verschwindet Müdigkeit oft dann, wenn etwas geplant ist, das innerlich Sinn macht.

Geld als „geborgte Zeit“

Geld kann als umgewandelte Lebenszeit verstanden werden.
Acht Stunden Arbeit werden in Geld getauscht. Dieses Geld kann später wieder in erfüllte Zeit investiert werden – oder aufgeschoben bleiben.

Wenn Geld ausschließlich gehortet wird, ohne in Lebensqualität zurückzufließen, entsteht innerlich ein Ungleichgewicht.

Reichtum bedeutet daher nicht nur Besitz, sondern innere Stimmigkeit.

Identität und Sinn

Ein Künstler arbeitet nicht primär für Geld, sondern aus innerem Antrieb. Dasselbe gilt für viele Wissenschaftler oder Menschen mit echter Berufung.

Identität entsteht durch Sinn – nicht durch Besitz.

Wer dauerhaft nur funktioniert und eigene Bedürfnisse ignoriert, verliert den Kontakt zur inneren Motivation. Erschöpfung ist dann oft kein körperliches, sondern ein seelisches Signal.

Verantwortung für die eigene Seele

Ein entscheidender Wendepunkt im Leben des Vortragenden war die bewusste berufliche Veränderung nach 20 Jahren im Krankenhaus.

Die Erkenntnis:
Der eigentliche Auftrag ist nicht die Institution, sondern der Versuch zu helfen.

Verantwortung für die eigene Seele bedeutet manchmal, Gewohntes zu verlassen, Spannungen ernst zu nehmen und neu zu entscheiden.

Wo spüre ich die Seele?

Die Seele zeigt sich nicht im äußeren Erfolg.
Sie zeigt sich in:
• innerer Resonanz
• Sinnempfinden
• Motivation
• Energie
• dem Gefühl von Stimmigkeit

Der Vortrag „Eigentlich wollte ich …“ lädt dazu ein, innezuhalten und sich zu fragen:
• Welche Wünsche treiben mich wirklich an?
• Wo vertage ich mein Leben auf später?
• Und wie viel Zeit nehme ich mir für das, was mir im Innersten wichtig ist?

Denn am Ende gibt es nicht Arbeitszeit und Freizeit.
Es gibt nur Lebenszeit.

Und die Frage bleibt:
Wie möchte ich sie gestalten?


 

Pfarrassistentin Katharina Kern-Komarek begrüßt, führt durch den Abend und präsentiert zum Abschluss noch die nebenstehenden Gedanken

Die Herausforderung leben
Denn das Leben fordert uns auf
Es meint wer wir wirklich sind
frei, mutig, beherzt
Es will
Dass wir leben wer wir sind
Aufgerichtet und wahrhaftig
sehnsuchtsvoll
zuversichtlich
wagend
Leben ins heute hinein
Leben aus jeder Hoffnung heraus
Voll vertrauen
Schauen wir dem Leben mitten ins Gesicht
und sagen ja
Zu dem was uns geschenkt ist


Weitere Angebote

Neben der obigen Zusammenfassung bieten wir zwei weitere Angebote, sich tiefer mit dem Vortrag auseinanderzusetzen.

Den kompletten Vortrag nachlesen


Den kompletten Vortrag noch einmal anhören!

UPDATE: Fragen an den Referenten und seine Antworten darauf.

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