„Du, Oma, warum gibt es eigentlich die Jahreszeiten?“, fragte die kleine Klara ihre Großmutter, als die beiden eines Tages bei herrlich warmem Sommerwetter im Garten saßen. „Würde es denn nicht reichen, wenn es einfach immer gleiches Wetter gäbe? Nicht zu kalt, nicht zu heiß, nicht zu viel Regen, nicht zu viel Wind. Das wäre doch viel besser.“

„Glaubst du das wirklich, Klara?“, antwortete die Großmutter. „Stell dir vor, du bekommst jeden Tag dasselbe Essen. Wäre das nicht fürchterlich?“
„Wenn es Pommes sind, dann nicht,“ erwiderte Klara und grinste dabei.
„Ok, das war ein Punkt für dich“, antwortete die Großmutter lächelnd. „Dann stell dir vor, du müsstest jeden Tag dasselbe Gewand anziehen, wie wäre das?“ „Nicht so toll“, gab Klara zu.

„Siehst du, so ähnlich ist es mit dem Wetter. Oft ärgern wir uns über schlechtes Wetter, aber wenn wir wirklich immer dasselbe Wetter hätten, dann würde uns das mit der Zeit wahrscheinlich ganz schön auf den Wecker gehen. Und darum hat sich der liebe Gott die Jahreszeiten einfallen lassen.“

„Aber warum gibt es den Herbst? Der Sommer ist doch viel schöner!“, fragte Klara.
„Der Herbst ist die Zeit der Ernte. Der Herbst schenkt uns viel Nahrung und wir können die Vorräte für den Winter anlegen.“

„Aber wozu wird es Winter? Wenn es den Winter nicht gäbe, dann müsste es auch nicht Herbst werden.“
„Denk mal nach, Klara. Kannst du den ganzen Tag für die Schule lernen, ohne müde zu werden? Der Winter ist für die Natur dasselbe wie der Schlaf für den Menschen. Er stellt seine Arbeit ein und ruht sich aus, damit er am nächsten Tag wieder Kraft für neue Aufgaben hat. Und so ist der Winter die Pause, die die Natur braucht, damit sie im Frühling wieder neue Kraft hat.“

„Und was macht dann der Frühling?“ fragte Klara nun neugierig.
„Der Frühling, der lässt alles wachsen und blühen“, sagte die Großmutter, „alles wird neu, bekommt wieder Kraft und so entsteht neues Leben in der Natur.“ „Nun gut, aber wozu gibt es dann den Sommer überhaupt noch? Jetzt haben doch Herbst, Winter und Frühling schon so ziemlich alles geschafft“, fragte die kleine Klara und schaute ihre Großmutter skeptisch an.
„Nicht ganz“, erwiderte diese. „Während des Sommers entfaltet die Sonne ihre größte Kraft. Sie ist wie ein riesiges Kraftwerk, das alles mit Strom und

Energie auflädt. Der Sommer zeigt uns, dass manchmal auch das Nichtstun vielbringen kann. Die Natur lässt sich einfach nur von der Sonne bescheinen und alles Weitere kommt wie von selbst. Und genau so sollten auch wir Menschen den Sommer sehen. Ab und zu mal nichts tun und die Sonne für uns arbeiten lassen. Und darum“, sagte die Großmutter verschmitzt, „probieren wir beide das gleich mal aus. Wir legen uns in die Liegestühle dort drüben neben der Brombeerhecke und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Du wirst sehen, wie gut uns das tut.“

„Au ja, das machen wir!“, rief Klara aus und rannte gleich los. Doch auf halbem Weg drehte sie sich noch einmal um und sagte: „Aber mit einem Eis geht das sicher noch viel besser, oder?“
Da musste die Großmutter lächeln, dann nickte sie und sagte: „Ganz bestimmt hast du da Recht.Was für ein Glück, dass ich noch etwas Eis zuhause habe.“

Hartmut Schwaiger

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