Weihnachtliche Vielfalt …

[25.12.2022]

… finden wir schon in den biblischen Geschichten, die von der Geburt bzw. dem Kommen Jesu Christi erzählen. Am bekanntesten ist die Version des Lukas: Der Engel Gottes verkündet Maria ihre wundersame Schwangerschaft, und Maria zieht sie mit ihrem Verlobten Josef wegen der vom Kaiser angeordneten Volkszählung von ihrem Wohnort Nazareth in Josefs Heimatstadt Bethlehem. Da dort kein Quartier mehr frei ist, bekommt Maria ihr erstes Kind in einem Unterstand für Schafe – die ersten Gratulanten sind die Hirten, denen Gottes Boten verkünden, dieses kleine Kind sei der Heiland, der Retter der Welt.

In unseren Krippen und auch in unseren Köpfen ist die Erzählung des Matthäus oft mit der des Lukas verbunden, obwohl sie eigentlich wenig dazu passt:
In ihrem Haus in Bethlehem hat Maria ihren Sohn geboren, von dem ein Engel vorher Josef prophezeit hat, dass er das Volk retten wird. Dann kommen die 3 Sterndeuter aus dem Osten und finden auf Nachfrage beim König Herodes in Jerusalem den neugeborenen König der Juden in Bethlehem. Da Herodes dem neuen König nach dem Leben trachtet, flieht die kleine Familie nach Ägypten und lässt sich schließlich als Flücht- linge in ihrer neuen Heimat Nazareth nieder.

Hinter beiden Erzählungen steht die Überzeugung der frühen Christ*innen: Jesus von Nazareth, d.h. Jesus, der aus Nazareth kommt und dort aufgewachsen ist, ist der Messias, der Retter. Nach jüdischer Tradition muss dieser jedoch aus Bethlehem, aus dem Geschlecht Davids kommen – so müssen beide Städte miteinander verbunden werden.

Es geht den Evangelisten also nicht in erster Linie um historische Fakten, sondern um die Glaubenswahrheit, dass schon bei der Geburt klar war, dass dieser Jesus Gottes Sohn und der ersehnte Messias ist.

Ihre Geburtsgeschichten sind so gut gelungen, dass sie bis heute das große christliche Weihnachtsfest prägen, viele Menschen sie kennen und später die Geburt Jesu als solche Zeitenwende empfunden wurde, dass mit ihr eine neue Zeitrechnung beginnt.

Aber noch mehr der Vielfalt: Der Evangelist Markus erzählt nichts über die Geburt Jesu, sondern beginnt sein Evangelium mit der Taufe Jesu im Jordan, wo ihm die Zusage Gottes widerfährt: Du bist mein geliebter Sohn.

Und Johannes identifiziert Jesus mit dem Wort, dem Sprechen Gottes bei der Schöpfung, also Jesus war immer schon da und mit Gott verbunden. Seine Geburtsgeschichte beinhaltet so nur einen Satz: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ (Joh. 1,14)

Ich bin immer wieder begeistert über die Vielfalt biblischer Geschichten und ebenso über die unterschiedlichen Ausprägungen des Glaubens. Wie schön, wie unterschiedlich Menschen Gott erleben, von Gott angerührt werden und auch ihren Glauben leben. Das spiegelt sich auch in den Traditionen und Bräuchen zum Weihnachtsfest.

Ich wünsche mir, dass hinter allen Geschichten und den vielfältigen Formen zu feiern das Wunder und das Geheimnis der Weihnacht spürbar wird: Gott wird Mensch.

Gott macht einen ganz entscheidenden Schritt auf uns Menschen zu und wird wie du und ich, kommt mir damit ganz nahe. Und will gerade dadurch mich und jede und jeden von uns mit sich verbinden und den Abstand überbrücken, den ich als Mensch immer wieder aufbaue.

So will ich einstimmen in das Weihnachtslied „O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit.“ (EG 44)

Euer Pfarrer Peter Gabriel

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