Friede – Freude – Grünkernsuppe

Beim Besprechen des Psalms 34,15 „Suche den Frieden und setze dich dafür ein!“ fiel mir zu diesem Thema der Frieden in der Familie ein, insbesondere Traditionen, die im Advent oder an Weihnachten gepflegt werden. Auch wenn der Haussegen mal schief hängt, beim Zusammenkommen wünschen wir uns friedlich vereint zu sein, und um des Friedens willen wird das eine oder andere auch mal unter den Teppich gekehrt.

Bei uns zählt das Adventskranzbinden zu einer lang gepflegten Tradition. Schon als Kinder haben wir unsere Adventskränze selber gebunden. Und ich erinnere mich noch zu gern an den ersten Adventskranz meiner damals dreijährigen Tochter. Er war umwickelt mit Golddraht und erinnerte mich einfach an die magnetische Spule im Physikunterricht. Aber er ist und bleibt wahrscheinlich der schönste Adventskranz, den wir je hatten.

Heute treffen wir uns, junge und alte Kinder, zu unserem alljährlichen Adventskranzbinden und kreieren mittlerweile die kunstvollsten Kränze, trinken danach Punsch und essen Apfelblechkuchen. Es gibt bei uns zu Hause fast schon so etwas wie eine mathematische Reihenfolge, welcher Adventskranz am Abend seinen Einsatz findet. Durch das ständige Wechseln und Kühlstellen der Kränzehaben wir bis zum Heiligen Abend immer einen frischen Adventskranz mit gerade richtig abgebrannten Kerzen. Und ich finde es immer erstaunlich, dass der meisteWiderstand von den eigenen Kindern kommt, wenn man einmal Traditionen ändern möchte: “Mama, das haben wir doch schon immer so gemacht.“

Eine weitere Tradition ist bei uns, auch wenn man es nicht so aussprechen möchte, das gemeinsame und auch letztendlich üppige Weihnachtsessen. Klar wird auch geplaudert, gelacht und es ist schön, wenn sich jemand über sein Geschenk freut. Man freut sich über Familienmitglieder, die mittlerweile weit verstreut wohnen. Auch über die besonders Erzählfreudigen, die die Welt verändern wollen. Schön ist, wenn die Enkelkinder das Krippenspiel vorführen und man gemeinsam Weihnachtslieder anstimmt und so nach dem ersten Weihnachtstag immer textsicherer wird. Aber letzten Endes wird dem Weihnachtsmahl, besser den Weihnachtsmahlzeiten an Weihnachten die meiste Zeit, den meisten Gedanken und den größten Stellenwert eingeräumt. Drei Tage wird eigentlich ununterbrochen, meist in friedlicher Familienharmonie durchgegessen und am Ende klagt jeder über die dazugewonnenen Pfunde.

Da fällt mir etwas dazu ein. Letztes Jahr klang meine Mutter am Telefon ziemlich verzweifelt. So viel Verwandtschaft hat sich angemeldet. Sie hat ja ein Dutzend Geschwister und sie freue sich natürlich auf ihre Geschwister und deren und ihre Kinder und Enkelkinder, aber sie wisse einfach nicht, was sie für so einen kunterbunten Haufen kochen soll. Seitdem wir alle so weit auseinanderleben, liegt doch viel an Organisation und Durchführung in ihren Händen. Eigentlich, so bin ich mir sicher, ist ihr das Zusammensein am wichtigsten. So haben wir überlegt, was wir machen könnten, damit niemand an Weihnachten hungrig bleibt und Veganer, Vegetarier, glutenfreie EsserInnen und ohne-Fleisch-geht-nichts-Esser an diesem Tag friedlich gemeinsam schmausen können und sind auf unsere leckere Grünkernsuppe gekommen.

Dazu möchte ich sagen, dass ich ursprünglich aus der Grünkerngegend komme. Grünkern ist aus der Not entstanden. Um den 30-jährigen Krieg gab es besonders in meiner Heimat eine sehr große Armut. Hinzu kamen noch sehr kalte und hintereinander folgende regenreiche Sommer. Aus der Verzweiflung wurde der Dinkel unreif geerntet, damit der Ernteausfall nicht allzu großen Schaden anrichtete. Diese unreifen Körner wurden zur Haltbarmachung auf Darren geräuchert. Seit dieser Zeit erfreuen wir uns immer wieder an unserem Grünkern und ich will euch daran teilhaben lassen:

Grobe Grünkernsuppe (für 4 Personen)

100 g Grünkern schroten. 1 Bund Suppengrün (jeweils 1 Stück Sellerie, Lauch, Karotte, Pastinake, Jungzwiebeln, Liebstöckel, Peterle, je nach Belieben und Jahreszeit) sehr fein schneiden oder reiben. Ich hächsle das Gemüse mit meiner Küchenmaschine. 30 g Butter anschmelzen, zuerst den Grünkern anschwitzen und danach das gesamte zerkleinerte Gemüse für ungefähr drei Minuten. 1,5 Liter selbstgemachte Gemüsebrühe dazu gießen und 30 Minuten köcheln lassen. Wer möchte, kann noch 100-200g Sahne unterrühren. Mit Kräutern, Pfeffer und evtl. Salz würzen. Für die Veganer lässt man die Sahne weg und schmelzt die Körner in Öl. Die Fleischesser können Würstel dazu essen. Glutenfreie Esser vertragen diese Suppe nach meiner Erfahrung auch sehr gut, da Dinkel verträglich ist.

Auf jeden Fall schmeckt es uns allen sehr gut und wir können uns den wirklich wichtigen Dingen an Weihnachten, dem Zusammensein, dem Erzählen, dem Zuhören, Spielen und Singen widmen. Ein schöner Gedanke für mich wäre, wenn vielleicht unsere neu gewonnene Tradition auch in euren Familien Geschmackfinden könnte.

Karin Landwehr