…dem Rad selbst in die Speichen fallen…

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Dietrich Bonhoeffer

Was ist das für ein inniger Glaube, solche Zeilen im Gefängnis, den Tod vor Augen, zu schreiben. Sie zeugen von einem tiefen Gott-Vertrauen.
Dietrich Bonhoeffer, ein protestantischer Theologe, lebte in der NS Zeit. Sein offener Widerstand gegen das Hitler-Regime und die Judenverfolgung führte 1945 als 39-jähriger zu seiner Hinrichtung.

Bonhoeffer war ein leidenschaftlicher Theologe, der immer wieder um den Glauben rang. Seine Hauptfrage in all seinem Denken und Handeln war: Was bedeutet es Christ zu sein? Was heißt es, wenn man sein ganzes Leben Gott widmet und mit seinem Christsein Ernst macht? Er verkündet den grenzenlosen Zuspruch Gottes, der in seiner Gnade die Menschen annimmt, so wie sie sind. Aber er betont auch den Anspruch Gottes, dass wir als Christen verantwortlich handeln müssen.

Bonhoeffer lebte diese Übereinstimmung von Glauben und Handeln wahrlich glaubhaft. Auch forderte er von der Kirche, damals sehr schweigsam und verängstigt, folgendes: “Wenn die Kirche den Staat ein Zuviel oder ein Zuwenig an Ordnung und Recht ausüben sieht, kommt sie in die Lage dem Rad selbst in die Speichen fallen zu müssen.“

In welch glücklicher Lage sind wir Christen im heutigen Europa, nicht vor der Wahl zwischen Märtyrertod und Mitläufertum zu stehen. Umso leichter könnten wir der Aufforderung nachkommen: „Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein, wodurch ihr euch selbst betrügt“ (Jakobus 1:22).

  • Was kann uns denn passieren, wenn wir uns strikte dagegen verwehren, das größte Friedensprojekt der letzten Jahrzehnte, nämlich Europa, von subversiven Kräften kaputtmachen zu lassen?
  • Was kann uns denn passieren, wenn wir protestieren, dass Klimaschutz noch immer lasch gehandhabt wird?

Solche Problemfelder ließen sich noch beliebig fortsetzen. Viel kann jedoch passieren, sollte unsere Generation nicht erkennen, dass sie ihre „Hausaufgaben“ zu machen hat: Wir verprassen weiterhin die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder.

Helga Schinninger