Worte, die gut tun

In unserer modernen Gesellschaft entdecken wir zunehmend die Bedeutung der Kommunikation – und damit die der Worte.

Mit nichts können wir mehr das beeinflussen, was mit uns, um uns herum und inuns geschieht. Gleichzeitig schaffen moderne Medien ungeahnte Möglichkeiten,Worte zu verbreiten. Fast als inflationär könnte man die Flut an Informationen,an Kommunikation bezeichnen, die auf uns alle einwirkt.

Und damit sind wir beim Thema. Wie finden wir die Balance zwischen denimmensen Möglichkeiten zu kommunizieren und der Abwägung dessen, was wir mit unserer – mal mehr oder weniger bedachten – Kommunikation auslösen. Worte sind mächtig. Sie können heilen, sie können aber auch zerstören. Sie können Mut machen oder in Angst versetzen. Sie können Liebe transportieren und sie können Hass freisetzen. Daher kommt es darauf an, was wir daraus machen. Ob und wie weit wir unsere Worte wägen, ehe wir sie aussprechen. Ob wir dabei den Respekt für unser Gegenüber als Leitlinie unserer Sprache ansetzen. Ob wir uns der Kraft der Sprache bewusst sind, nicht nur dann, wenn sie auf uns trifft, sondern auch, wenn wir sie auf den anderen treffen lassen.

Mit einem Wort: Wenn Worte gut tun sollen, dann muss sich in ihnen die Haltung des Menschen zeigen, der sie spricht (oder schreibt).

Immer wieder lohnt es sich daher, sich auf die Suche nach kurzen Texten zu machen. Denn in kurzen Texten wird der Inhalt auf das Wesentliche reduziert, eswird sozusagen solange am Wort gefeilt, bis es, vom Überflüssigen befreit, seinen Kern freigibt. Man findet solche Texte auf unterschiedlichste Weise, aber es tutgut sie zu suchen. Als religiöser Mensch, sucht man natürlich auch in seinen heiligen Büchern, egal ob Bibel, Koran, Talmud, Bhagavad Gita oder wie sie auch alle heißen mögen.
Doch nirgends bleibt es uns erspart, auf das Dilemma des Wortes zu achten: Welche Haltung steckt dahinter? Ist das Wort wirklich gut, das mir da als gut vorgegeben wird? Kann es falsch verstanden werden? Niemals ist es so ganz einfach mit dem Wort, wenn man darüber nachdenkt.

Und trotzdem: Es gibt Worte, die einfach gut tun… und davon sollte jeder ein paar haben. Manchmal hört man sie, manchmal liest man sie, aber im Grunde
ist es egal, wie man auf sie stößt, Hauptsache, man bewahrt sie sich auf. Hier ein paar meiner persönlichen „Lieblingswörter“:

  • „Aug um Auge führt nur dazu, dass die ganze Welt erblindet.“ (Gandhi)
  • „Alle wohlgeordneten Gesellschaften beruhen auf dem Gesetz der Nicht- Gewalt. Ich habe gefunden, dass Leben inmitten der Zerstörung fortbesteht, und deshalb muss es ein höheres Gesetz als das der Zerstörung geben. Und wenn dies das Gesetz des Lebens ist, dann haben wir es im täglichen Leben anzuwenden. Wo immer es Misshelligkeiten gibt, wo immer Sie es mit einem Gegner zu tun bekommen, gewinnen Sie ihn durch Liebe.“ (Gandhi)
  • „Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken in deinem eigenen Auge aber siehst du nicht?“ (Jesus)
  • „Das Paradies pflegt sich erst dann als solches zu erkennen zu geben, wenn wir aus ihm vertrieben sind.“ (Hermann Hesse)
  • „Selbst auf dem höchsten Thron sitzen wir doch nur auf dem eigenen Gesäß.“ (Michel de Montaigne)

Vielleicht ist da ja schon etwas für Sie dabei. Aber machen Sie sich jedenfalls demnächst einmal selbst auf die Suche, es lohnt sich immer wieder!

Hartmut Schwaiger