Schön läuten tun sie ja nicht unsere Glocken

1969 wurde diese/unsere Kirche eingeweiht. Ich bin fünf Jahre älter und trotzdem wäre es vermessen zu behaupten, ich könnte mich an die „alte“ Kirche erinnern. Ich wurde in der alten getauft, von einem Pfr. Pätzold und dieser Name ist es, der mir das Bild einer alten Holzkirche vermittelt. An die Einweihung der „neuen“ Kirche kann ich mich auch nicht erinnern. Aber dann… dann geht es los mit der Erinnerung.

Ich bin mit meinem jüngeren Bruder in der Nachbarschaft aufgewachsen. Ab der zweiten Klasse VS Reli-Unterricht. Am Samstagnachmittag „Kinderstunde“ im Pfarrhaus, gefolgt vom „Jugendkreis“ während der Hauptschulzeit. Der Jugendkreis fand dann schon ab und zu in der Kirche statt. Manchmal habe ich mich gefragt, wann die denn endlich die Innenräume fertig machen. Das habe ich anfangs nicht verstanden. Wobei, wenn ich heute in Kirchen gehe, ich die Einfachheit, das Schlichte vorziehe. Ich mag es, wenn nicht alles so überladen ist.

Anfangs hatten wir noch keine Glocken, die kamen erst einige Jahre später. Feierlich wurden sie eingeweiht. Großer Einzug mit Musik. Schön läuten tun sie ja nicht unsere Glocken, das muss ich hier einmal erwähnen, aber lieber ein Gebimmel als gar keine Glocken.

Wir waren in unserem Grätzel viele evangelische Kinder und es war an den Samstagnachmittagen immer sehr lustig. Die katholischen Kinder, die Lust  hatten, wurden kurzerhand mitgenommen. Hatte ja keiner was dagegen. Gerne erinnere ich mich an unsere Proben zum jährlichen Adventspiel. Und das Spiel dann selber natürlich… das Haus voll, ich – in weiße Leintücher gewickelt –schreite über die Stiegen hinunter und singe „Vom Himmel hoch…“ zu den Hirten, denen man einen Fleckerlteppich umgehängt hatte.

Die Konfi-Zeit nicht zu vergessen. Damals hatten wir nicht jeden Sonntag Gottesdienst in Hallein… alle 2 Wochen waren wir in Bischofshofen. Die „Kirche“ dort ein Allzweckraum… Da war ich schon stolz drauf, dass wir eine Kirche zu Verfügung hatten. So spannend, so intensiv unsere Konfi-Zeit war, so schnell sind die regelmäßigen Kirchenbesuche in Vergessenheit geraten… Andere Schule, Pubertät, andere Freunde? Aber s‘Schaitbergerkircherl war immer wieder vertreten: Taufen meiner Cousins und Cousinen, mittlerweile teilweise von deren Kindern, selber Taufpatin mit 17 Jahren, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen — vor allem die meiner Großeltern… Konzerte, Theater, Lesungen, neunzehn.neunzehn… gemeinsames Singen mit Familie Guttmann. Christmetten, Karfreitage, wo die Kirche aus allen Nähten zu platzen schien. Die beiden „hearings“ der neuen Pfarrer, als Pfr. Wolfgang Del-Negro in Pension ging. Alles im Schaitbergerkircherl!

UND das Highlihgt in meinem ev. Kirchenleben: unsere eigene Hochzeit. Schlicht und einfach wie die Kirche selber unser kleiner erlesener Kreis an Familie und Freunden. (War Bedingung meines Gatten, „groß“ wollte er nicht mehr.) Mein Bruder Wolfgang und meine Freundin Elke überraschen mit einem wunderbaren Liebeslied: „Endless Love“ (Lionel Richy/Donna Summer). Zelebriert von Peter (Gabriel)… Es war ein wunderbares Fest!

Brigitte Loos-Aichner