Körperliche Berührungen am Lebensende

[28.09.2022]

 Einblicke in die Hospizarbeit

Elisabeth Mauer

„Es gibt viele, die einfach die Hand hinstrecken, wenn ich ans Bett trete“, das war einer der Sätze, die Elisabeth Lainer sagte. Diese Geste interpretiert sie als Aufforderung: „Bitte gib mir auch deine Hand, berühre mich, ich möchte dich berühren, darf ich dich spüren.“ So ist es ganz oft, wenn sie, auf dem Weg zu ihrer Arbeit, ein Zimmer betritt. Im wahrsten Sinne des Wortes geht so die Begrüßung des Patien- ten/der Patientin mit einer Berührung Hand in Hand.

Elisabeth Lainer ist diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und arbeitet in einem Hospiz in Salzburg. Ich habe sie zu mir nach Hause eingeladen, gemeinsam mit Jens-Daniel und meinem Papa durften wir ihr Fragen stellen zu ihrer Arbeit in Bezug auf Berührungen. Berührungen sind in der Hospizarbeit unumgänglich. Körperpflege kann zunehmend nur mehr zum Teil oder gar nicht selbstständig erfolgen. Während die Patientinnen gewaschen und medizinisch versorgt werden, ist das Thema Berührungen ein intensives. „Wenn Menschen ins Hospiz kommen, nehmen sie ihre ganze Lebensgeschichte mit und sind von ihrer ganzen Lebensgeschichte geprägt, auch in Bezug auf Berührungen. Jeder Mensch hat ein Bedürfnis nach Berührung, jedoch ist dieses bei jedem Menschen unterschiedlich. Berührungen sind etwas sehr Persönliches. Jeder hat einen anderen Bedarf nach Nähe und Distanz.“

Elisabeth berichtet von ihrer Beobachtung, dass umsichtiges, respektvolles Berühren in der Hospizarbeit nicht nur notwendig ist, sondern auch lebensqualitätsfördernd sein kann. Wenn also bei der notwendigen Pflege die seelische Pflege mitbedacht wird, kommen wir bei ganzheitlicher Pflege an. Mit Einreibungen kann dem Patienten/der Patientin wohlgetan werden. „Auch mal mit guten Ölen, wenn ich zum Beispiel weiß, dass jemand es gerne mag, massiere ich die Füße, einfach zum Genießen und, dass sich der Patient wohlfühlt.“, beschreibt Elisabeth eine Möglichkeit, wie aus Pflegemomenten Genuss-Momente werden können.

Aber auch trotz großer Sanftheit, Bedachtheit und Langsamkeit im Kontakt mit dem Patienten, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass für Menschen in der letzten Lebensphase es auch Berührungen geben kann, die weh tun. Wenn der Sterbende oder die Sterbende nicht mehr in der Lage ist, sich verbal mitzuteilen, dann muss eine unverzichtbare Kompetenz der Pflegerinnen und Pfleger aktiviert werden: In aller Achtsamkeit wird über den Tast- und Sehsinn wahrgenommen, ob der Körper des Patienten oder der Patientin sich bei Berührung entspannt oder ob eher ein Abwehren erkennbar ist. Im Zusammensein mit dem Patienten, der Patientin bleibt Elisabeth immer intuitiv. Besonders in der „finalen Phase“, wie Elisabeth Lainer es nennt, muss man noch sensibler sein, welche Berührungen sind passend und welche stören den Patienten. Nicht berührt werden wollen ist nicht zwingend der Wunsch nach Distanz, Elisabeth erlebt auch Situationen, in denen es ohne eine Berührung Nähe gibt.

Eine bedeutende Erfahrung, die Elisabeth nicht unerwähnt lassen möchte, ist, dass die Botschaft „lch bin da, ich lasse dich nicht allein“, mit einer Berührung einhergehen kann. Sie erzählt: „Wenn ein Patient von seiner Not übermannt wird und weint, kann eine Berührung tröstend sein – vielleicht auch ohne Worte.“

Elisabeth Lainer

Danke, liebe Elisabeth, für deinen Einblick in eine so besondere Aufgabe, in der jemand mit Berührungsängsten definitiv große Schwierigkeiten hätte. Ja und ich habe noch Stoff zum Nachdenken: Dass Berührungen nicht einfach Berührungen sind, sondern es vielleicht Berührungen ohne Worte gibt, aber nie eine Berührung ohne eine Botschaft? … Sehe ich die ausgestreckten Hände in meiner Umgebung, die signalisieren, berührt werden zu wollen? … Wem werde ich mal meine Hand entgegenstrecken, in meiner finalen Lebensphase? … Und die Vorstellung, dass dann der Moment nicht mehr fern ist, dass Jesus meine ausgestreckte Hand berührt, freut mich.

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