Sonntagsgruß zum 5. November 2023

[03.11.2023]

22. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

„Du sollst dir kein Bild machen …“ So beginnt eine der Anweisungen für ein gutes Leben, die Mose an sein Volk Israel weitergibt (2. Mose 2o, 2ff).
Bilder sind für uns unglaublich wichtig. Ständig sieht man jemanden, der mit seinem Smartphon mit einem Bild einen schönen Moment oder ein liebes Gesicht festhalten will.

Der Moment vergeht, das Gesicht wird mit der Zeit alt, aber das Bild ist gespeichert. Es bleibt die schöne Erinnerung. Das kann aber auch wehmütig machen, weil wir merken, wie vergänglich alles ist. Wir können es nicht festhalten, so gut unsere technischen Möglichkeiten auch sein mögen.
Es kann noch schlimmer kommen: Das liebe Gesicht wird zur Enttäuschung. Im Computer können wir es löschen, aber es bleibt doch etwas zurück – Schmerz, Bitterkeit.

Ja, die Bilder, die wir uns machen, können beglückend, aber eben auch enttäuschend sein. Menschen verändern sich. Sie werden uns fremd. Das Bild, das wir von ihnen haben, war vielleicht völlig falsch.

Du sollst dir kein Bild machen … Auch wenn du mit einem Menschen schlechte Erfahrungen gemacht hast – fixiere ihn nicht darauf. Es tut dir und ihm nicht gut.

Die Worte des Moses beziehen sich allerdings auf unser Gottesbild. Auch das kann enttäuschend sein, wenn einer beim Vaterunser immer an die Prügel denken muss, die er von seinem Vater oder einer anderen Autoritätsperson bezogen hat. Oder wenn er nicht verstehen kann, warum es gerade in seinem Leben so viele Schmerzen und Probleme geben muss. Da kann sich unser Gottesbild in Düsternis einengen, bedingt durch negative Lebenserfahrungen.

Darum will uns Mose ermutigen: Lass selbst dann, wenn dein Leben schwer zu ertragen ist, Raum für einen weiten Blick, wo auch Liebe Platz hat und Dankbarkeit. Darauf wollte Jesus uns fokussieren und so unserem Leben die Schwere nehmen und die Ich-Bezogenheit.

In den Lichtblicken, in den beglückenden Bildern unseres Lebens Gott ahnen – das ist es, was ich uns wünsche!

Ihr Pfr.i.R Wolfgang Del-Negro

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