(5) Trauer beginnt am Tag der Diagnose

[24.03.2026]

Ein wunderbarer, besinnlicher und zum Nachdenken anregender letzter Abend der diesjährigen Fastenaktion der Halleiner Pfarrgemeinden. Die Referentin, Dr. Regina Jones ist Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde und war in dieser Funktion über 20 Jahre im Landeskrankenhaus in Salzburg tätig. Wie sehr sie diese berufliche Zeit persönlich geprägt hat und was man im Kontakt mit Menschen in Krisenzeiten alles richtig und falsch machen / sagen kann, darüber und mehr lauschten die Besucher im voll besetzten Pfarrsaal des Pfarrzentrums in Neualm fast andächtig.

Nicole Andres ist Seelsorgerin im Pfarrzentrum Neualm begrüße in dieser Funktion die vielen Gäste des Abends
Andrea Leisinger, ebenfalls Seelsorgerin mit Hauptdienststelle in der Stadtpfarre, führte souverän durch den Abend

Wie schon bei den vorhergehenden Abenden bieten wir den Besuchern der Homepage auch dieser Mal wieder eine Zusammenfassung, eine Langfassung (kompletter Vortrag) zu Nachlesen und auch noch eine Sound-Datei zum „Nachhören“ an. Nachstehend aber zuerst eine Zusammenfassung für einen schnelleren Überblick.

Ein persönlicher Zugang zur Trauer

Mein Name ist Regina Jones. Ich bin Kinderärztin und Kinderonkologin und habe die letzten 20 Jahre in Salzburg damit verbracht, die Palliativversorgung für Kinder aufzubauen – im Krankenhaus ebenso wie im häuslichen Umfeld.
Palliativmedizin bei Kindern bedeutet weit mehr als medizinische Betreuung. Sie umfasst immer auch das ganze Umfeld: Eltern, Geschwister, das gesamte Leben einer Familie. Diese ganzheitliche Begleitung hat meine Arbeit geprägt.

Wenn das Leben aus der Bahn gerät

Schicksalsschläge haben viele Gesichter. Der Verlust eines Kindes ist wohl das Schwerste – aber Trauer entsteht auch in anderen Situationen: durch Krankheit, zerbrechende Beziehungen, enttäuschte Erwartungen oder das Gefühl, dass das eigene Leben anders verläuft als erhofft.
Für mich bedeutet Trauer vor allem eines: den Abschied von Vorstellungen, Sicherheiten und Zukunftsbildern. Sie beginnt oft viel früher, als wir denken. Bei Familien mit schwer kranken Kindern setzt sie bereits mit der Diagnose ein – in dem Moment, in dem klar wird, dass das Leben nicht mehr so sein wird wie geplant.

Eine Geschichte, die bleibt

Ich erinnere mich an ein Mädchen, nennen wir sie Mia, mit einer seltenen Stoffwechselerkrankung. Ihre Mutter beschrieb ihren Alltag so:
Statt Spielplatz und Unbeschwertheit bestimmten Pflege, Medikamente und ständige Wachsamkeit ihr Leben. Nächte ohne Schlaf, Tage zwischen Hoffnung und Angst. Und dennoch: tiefe Liebe, Dankbarkeit für jeden einzelnen Tag und der Wunsch, die gemeinsame Zeit bewusst zu erleben.
Diese Geschichte zeigt, was Trauer auch ist:
nicht nur Schmerz, sondern gleichzeitig Nähe, Liebe und bewusst gelebte Gegenwart.

Trauer ist individuell

Jeder Mensch trauert anders. Manche lassen den Schmerz sofort zu, andere verdrängen ihn zunächst. Manche werden still, andere aktiv. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Gerade deshalb ist es für Außenstehende so schwierig, angemessen zu reagieren. Gut gemeinte Sätze wie „Ich verstehe dich“ oder „Du musst loslassen“ können verletzen – weil sie das Erlebte vereinfachen.

Was wirklich hilft, ist etwas viel Schlichteres: zuhören, da sein, aushalten.

Was Trauer braucht

Ein junger Patient hat es einmal so formuliert: Er wollte keinen Rat. Keine Lösungen. Nur jemanden, der wirklich zuhört.

Das lässt sich auf viele Situationen übertragen. Trauer verlangt nicht nach schnellen Antworten, sondern nach Raum. Raum für Gefühle, auch wenn sie widersprüchlich oder schwer nachvollziehbar sind.

Gibt es einen Sinn?

Schicksalsschläge wirken oft sinnlos, unfair und unbegreiflich. Und sie dürfen auch so stehen bleiben. Vielleicht geht es weniger darum, dem Verlust selbst einen Sinn zu geben – sondern dem, was war.
Den gemeinsamen Momenten. Der Beziehung. Der Liebe, die bleibt.

Hoffnung neu verstehen

Hoffnung bedeutet nicht, dass alles gut ausgeht. Hoffnung bedeutet, weiterzugehen – auch ohne Gewissheit.

Viele Eltern beschreiben sie als bewusste Entscheidung: nicht aufzugeben, den Moment zu leben, Licht selbst in dunkelsten Zeiten wahrzunehmen.

Weiterleben mit dem Verlust

Trauer verschwindet nicht. Der Schmerz bleibt – aber er verändert sich. Das Ziel ist nicht, ihn zu überwinden, sondern mit ihm leben zu lernen. Einen inneren Platz zu schaffen für das, was verloren wurde – einen Raum, der bleibt.

Was wir füreinander tun können

Im Umgang mit trauernden Menschen braucht es vor allem Mut und Menschlichkeit. Nicht perfekt reagieren, nicht die richtigen Worte finden – sondern einfach da sein. Zuhören. Aushalten. Nicht weggehen.
Denn oft ist genau das die größte Unterstützung.

Zusatzangebote

Hier können sie den kompletten Vortrag in Ruhe (noch eimal) anhören (Dauer 30 Minuten):


Und hier haben sie die Möglichkeit, den kompletten Vortrag nachzulesen.

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Fastenaktion

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