Sonntagsgruß für 10.05.2020

Sonntag Kantate

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde! Ihr Lieben!

Am zweiten Sonntag im Mai feiern wir Muttertag, ein Tag zum Danke-Sagen für all das, was die Mütter das ganze Jahr über für ihre Kinder (und auch Männer…) tun und leisten. Im Moment ist das besonders viel, weil neben der bezahlten Arbeit im Beruf (oft jetzt Zuhause oder sehr herausfordernd in der Krise) und der Hausarbeit noch die intensive Unterstützung der Kinder beim Lernen daheim dazu kommt. Natürlich wäre es gut, nicht nur an einem Tag im Jahr, sondern immer dankbar das zu schätzen, was jemand anderer tut bzw. mir schenkt. Aber so ein Erinnerungstag ist trotzdem gut – das ist wie mit Geburtstagen oder kirchlichen Festen. Das Jesus von Gott lebendig gemacht wurde – begleitet uns im Glauben auch durch das ganze Jahr, besonders in diesen Wochen nach Ostern. Und es lässt uns jubeln und Gott singen – auch wenn gerade das Singen in Corona-Zeiten sehr eingeschränkt ist.

Doch an diesem Sonntag „Kantate“ (Singet!) will ich wenigstens innerlich singen, für mich allein oder in der Familie. Auch die Psalmen wurden gesungen, wie der Wochenpsalm 98: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Jauchzet dem Herren, alle Welt, singet, rühmet und lobet! Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König! Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn.“

Was für eine gewaltige Wirkung der Gesang hat, habe ich als Jugendlicher auf meinem ersten Kirchentag im Jahr 1981 erlebt. Ganz allein war ich zum Taizé-Gebet in den „Hamburger Michel“ gegangen. In der rappelvollen Kirche konnte ich noch einen Platz am Fußboden im Altarraum ergattern. Und dann setzten die sich wiederholenden Gesänge ein, zogen mich in ihren Bann. Die ganze Kirche war voller Klang, ein Gesang. Ich verschmolz mit den vielen Sänger*innen um mich herum. Ich fühlte mich im Einklang mit mir selber und ich spürte ganz intensiv Gottes Dasein, war mit ihm ganz eng verbunden, ja verschmolzen.

Eine ähnliche Erfahrung erzählen uns die biblischen Worte aus dem 2. Chronikbuch. Endlich ist der Tempel in Jerusalem fertig gestellt. Der König Salomo versammelt die Repräsentanten der 12 Stämme Israel. Ganz viele Menschen aus dem Volk kommen zusammen, stehen dicht an dicht gedrängt. Denn heute soll die Bundeslade in den Tempel gebracht werden. Sie hat die Israeliten auf dem Weg durch die Wüste begleitet. Sie birgt die Tafeln mit den 10 Geboten, ja sie ist Zeichen und Ausdruck der Gegenwart Gottes mitten unter ihnen. Die Priester bringen die Lade in das Allerheiligste und als sie herauskommen, ereignet sich Folgendes:

„Alle Leviten, die Sänger waren, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: ‚Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig‘, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des Herrn, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.“( 2.Chronik 5,2-14)

Was für ein Erlebnis! Alle Stimmen der Sänger*innen und Instrumente klingen exakt überein, wie eine einzige Stimme. Ein gewaltiges Lob Gottes, eine den ganzen Raum erfüllende Klangwolke. Ein Ton, der alle verbindet – und der Gott spürbar anwesend sein lässt. In der Schlussszene des Filmes „Wie im Himmel“ ist das auch so zu hören…

Die Wolke Gottes hatte das Volk Israel auf seiner Wanderung durch die Wüste begleitet – als Zeichen für den Schutz, als Garant für Gottes Dasein mitten unter ihnen. Diese Fürsorge, diese Gegenwart Gottes bleibt – auch in der neuen Situation im Land Israel, im Tempel.

Das ist die erste Zusage, die ich mitnehme: Gott ist bei mir, bei uns, auch wenn sich die Zeiten ändern, wenn Herausforderungen auf mich zukommen, wenn ich übersiedle oder eine neue Aufgabe übernehme. In meinem Gotteslob, im Singen, Summen, Beten erfahre ich dieses Dasein Gottes. Vor allem in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen!

Daher ist es so wichtig, dass wir endlich wieder Gottesdienst feiern dürfen! Mich hat deshalb die kleine Gemeinschaft der Mittagsgebete so getragen, weil dort dieses gemeinsame Gotteslob hörbar und erfahrbar wird. Und damit Gottes Dasein spürbar ist.

Noch eine zweite Zusage nehme ich mit: Ich wünsche mir, mit mir selbst, mit meinem Leben, mit der Welt im Einklang zu sein. Ich erlebe meinen Körper, mich selbst als Resonanzkörper. Das drückt sich im Wort Person aus. Das lateinische Wort „personare“ bedeutet „hindurch tönen oder klingen“. Ja, in mir klingen viele Stimmen, durch mich fließen viele Töne. Das beginnt mit dem, was ein Baby im Mutterleib hört – die Stimme der Mama, aber auch Geräusche und Musik von außen. Dann die liebevollen Worte meiner Eltern, tröstlich, aufheiternd, bestärkend, das was andere Menschen mir sagen. Dazu kommt Musik, laut oder leise, das Singen der Vögel oder Hundegebell, Geräusche von Menschen oder Maschinen, aber auch Lärm. Worte, die gut tun, aber auch Worte, die verletzen. Musik, die mich aufbaut, Musik, die nur laut ist oder mich in Angst versetzt.

Wie schön, wenn all das, was auf mich einströmt, was ich zu hören bekomme, sich in mir vereinigt zu meiner Lebensmelodie – und ich so mit mir, meinen Erfahrungen und Erlebnissen im Einklang bin. Und Gott dafür Danke sagen kann, was mir alles geschenkt worden ist. Dass ich Kraft bekommen habe für die schweren Zeiten, dass Gott mich auch in Schwierigkeiten behütet hat. Dass ich selbst angesichts von Not und Tod singen und Gott loben kann. Ich erinnere mich an eine alte Dame, durch einen Schlaganfall ans Bett gefesselt, mit der ich gemeinsam fröhlich Kirchenlieder gesungen habe – und sie dankbar auf sich und ihr Leben schauen durfte, im Einklang mit sich. So im Einklang mit sich sein, seine Lebensmelodie finden – das kann ich nicht machen, sondern ich erlebe es als wunderbares Geschenk. Aber ich kann darum bitten, mich dafür öffnen.

Vielleicht fällt solche Lebenssicht Menschen leichter, die nicht nur mit sich, sondern auch mit Gott im Einklang sind. Denn in all den menschlichen Stimmen und irdischen Geräuschen höre, erfahre ich auch Gottes Stimme. Das Zutrauen und die Liebe, die meine Eltern in mich gelegt haben, haben mich geöffnet für die Töne und die Liebe Gottes. So wünsche ich mir, ein Resonanzkörper Gottes zu sein. Dass Gottes Liebe, sein wunderbares Wirken in mich strömt. Dann kann ich als Klangkörper, als Instrument Gottes ihn loben! So wie es die Musiker*- innen und Sänger*innen damals im Tempel taten. Und in ihrem einstimmigen Musizieren die wahrhaftige Gegenwart Gottes erlebten.

Auch wenn wir im Moment nicht in unserer Kirche aus voller Kehle und mit vielen Stimmen Gott loben können, vertraue ich: Gott will auch jetzt in mir klingen und mich zum Tönen bringen! Das Lied „Ich sing dir mein Lied“, das Fürbittengebet oder der Segen von Iris Haidvogel können mir dabei eine Hilfe sein!

Euch allen ganz viel Segen Gottes, einen guten Sonntag und herzliche Grüße,

Euer Peter

Fürbittengebet

  • Gott, schenke mir Augenblicke des Einklangs – mit mir, mit dir und der Welt um mich herum. Solche Augenblicke tragen mich durch die schweren Zeiten. Lass mich ein Klangkörper deiner Liebe sein. Lass deine Stimme durch mich hindurch strömen, dass sie durch mich in der Welt hörbar wird.
  • Ich bitte dich für die, denen ihr Lied im Halse steckenbleibt, und für die, die mundtot gemacht wurden, für die, die ihre Melodie noch nicht gefunden haben, und für die, deren zarte Stimme in unserer lauten Welt kein Gehör findet.
  • Ich bitte dich für alle, die ihre Stimme erheben für eine gerechtere und friedlichere Welt, und sich dafür einsetzen, dass unsere Erde ein Zuhause bleibt für die nachkommenden Generationen.
  • Gott, schenke mir und uns Augenblicke des Einklangs – mit mir, mit dir und der Welt um mich herum. Amen!

Lied „Ich sing dir mein Lied“

  1. Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst, du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
  2. Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben von Nähe, die heil macht, wir können dich finden, du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
  3. Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. Die Höhen, die Tiefen hast du mir gegeben. Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung, du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
  4. Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang hast du mir gegeben von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen, du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Segen von Iris Haidvogel

  • Möge es in deinem Leben nie zu spät sein für Gottes Segen.
  • Möge sein Engel dich stets gerade rechtzeitig finden, bevor du eine Dummheit machst.
  • Möge seine Hand dich stets dann sanft festhalten, wenn du zu fallen drohst.
  • Möge sein Trost dich stets zart umhüllen wie eine Schutzschicht, wenn die Gezeiten auf dich einprasseln.
  • Möge seine Liebe dich stets begleiten wie ein treuer Hund, der nie von deiner Seite weicht.
  • Möge seine Güte dir stets folgen wie dein Schatten, der dir voraus- und nacheilt, wohin du auch gehst.
  • Möge es in deinem Leben nie zu spät sein für den einen Anruf, das eine „Ich liebe dich“, den Kuss, das Lachen.
    Denn es wird nie zu spät sein für den Segen.
    Amen!

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