Sommer 2019

Abstand halten – das hat unser Leben in den vergangenen Wochen bestimmt und geprägt. Die „Corona-Bank“ ist ein ausdrucksstarkes Bild dafür. Abstand halten aber nicht nur beim Einkaufen, Spazierengehen oder Radfahren, sondern auch in der Familie und im Freundeskreis. Auch in unseren Gottesdiensten und kirchlichen Treffen müssen wir weiterhin Abstand wahren und eine Gesichtsmaske tragen. Und wer weiß, wann eine Begrüßung per Handschlag, eine herzliche Umarmung überhaupt wieder möglich sein werden. Ich denke, wir haben da noch einen weiten Weg vor uns…

Aber ich bin mir auch ganz sicher: Gott hält sich nicht an die Abstandsregeln, er kommt mir gerade in der Zeit der Krise ganz besonders nah, hält mich an der Hand, nimmt mich in den Arm, gibt mir das, was ich zum Leben brauche. Und das sind eben nicht nur Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf und das finanzielle Auskommen. Mindestens genauso wichtig sind gute, tröstende Worte, Zuspruch und auch (körperliche) Berührung. Und auch der Anstoß: Komm, Kopf hoch, versink nicht in düsteren Gedanken, sondern schau nach vorne, vertrau auf deine Kraft und vor allem auf Gottes Mitgehen!

Diese berührende Nähe Gottes habe ich in den vergangenen Wochen bei Trauerfeiern auf dem Friedhof oder bei Sterbebegleitungen gespürt, ebenso in aufbauenden Worten, in Gesprächen, im Gebet und bei Hausabendmahlsfeiern. Diese Nähe Gottes zeigt sich mir in einer Geschichte, die mir seit langem sehr wichtig ist – es ist das biblische Wort für den Monat Juli (1.Könige 19,7):

„Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“
Das Bild von Beate Heinen zeigt für mich, wie Gott in Gestalt eines Engels sich um den erschöpften und verzweifelten Elia kümmert. Zärtlich beugt er sich zu ihm herunter, rüttelt ihn sanft wach. Brot und Wasser zur Stärkung stehen schon bereit, so wie im Abendmahl für mich der Tisch gedeckt ist. Wie im Frühling erblüht der Ginsterstrauch in hellen Farben, wird durchscheinend für die Anwesenheit Gottes, für sein Dasein, seine Liebe. Ja, dieser Gott will und schenkt Leben und Lebendigkeit. Dieser Gott gibt Kraft und neue Freude – auch für den Weg durch den Alltag, für den Weg in die „neue Normalität“. Dieser Gott ist und bleibt derselbe – auch in allen Veränderungen.

Wer oder was waren meine Engel in diesen Corona-Wochen? Wo und wie habe ich das Licht und die Liebe Gottes aufscheinen gesehen? Ich wünsche mir, dass ich auch weiterhin im Alltag offen bleibe für Gottes Zuwendung, aufmerksam für die Engel um mich herum. Und auch selber für andere zum Engel werde. Und das auch, wenn Arbeit und Stress wieder mehr werden, wenn die Normalität sich wieder einstellt. So wünsche ich euch einen gesegneten Sommer

Euer Peter Gabriel

gemeindebrief_sommer_2020