Marias schwieriger Weg

Der 1. Abend der Fastenaktion 2019 fand am 12. März 2019 im Pfarrzentrum der Pfarre Rehhof statt, deren Kirche – passend zum heurigen Thema – der Gottesmutter Maria geweiht ist.

Maria Hadwiger führte im Rehhofer Pfarrsaal durch den ersten Abend der Fastenaktion 2019 (Foto: Helmut Meisl)
Dr. Gerlinde Katzinger bei ihrem Referat (Foto: Helmut Meisl)

Die Religionspädagogin MMag. Dr. Gerlinde Katzinger referierte am ersten Abend und setzte den Schwerpunkt ihrer Ausführungen über die Inhalte, die in der Bibel über Maria zu finden sind. Die „Suche“ der Referentin nach Informationen über Maria  begann in den 4 Evangelien.

Markusevangelium

Das Markusevangelium gilt vielen Theologen als das älteste Evangelium, es dürfte 70 n.Chr. entstanden sein. In diesem Evangelium finden sich nur sehr wenige und recht kurze Informationen über Maria. Diese Texte sind durchaus ernüchternd und stellen das traditionelle Marienbild einigermaßen in Frage. Überhaupt keine Informationen finden sich über die Kindheitsgeschichte Jesu. Die Erzählungen konzentrieren sich auf das öffentliche Wirken des erwachsenen Jesus. Maria gehört nicht zu den Jüngern Jesu und wird auch in der Kreuzigungsszene und der Grablegung Jesu nicht erwähnt.

Die zentralen Texte erzählen vom Wirken Jesu und davon, dass die Menschen in seiner Heimat nicht an ihn als Propheten glauben (der Prophet im eigenen Land zählt nicht). Das Leben Jesu klingt sehr distanziert seiner eigenen Familie gegenüber. In einer Stelle der Schrift sagt seine Familie sogar, das „er von Sinnen ist“. Es ist für Maria sehr schwierig nachzuvollziehen, welchen Weg ihr Sohn Jesus genommen hat.

Die Familie Jesu gilt als durchschnittliche Familie, es ist an keiner Stelle die Rede davon, dass sie eine aussergewöhnliche Familie wäre. Markus zeichnet ein sehr nüchternes und ein sehr ernüchterndes Bild von Maria. Marienfrömmigkeit und Marienverehrung, wie sie vor allem in der kath. Kirche und Orthodoxie entwickelt hat, kann sich nicht auf das Markusevangelium berufen. Maria ist eine durchschnittliche Frau, die mit dem Weg ihres Sohnes hadert, ein Schicksal, das sie wohl mit vielen Müttern auch heute teilt.

Matthäusevangelium

In diesem Evangelium wird Maria insgesamt 13-mal erwähnt, entweder namentlich oder indirekt (zB. „das Kind und seine Mutter“). In dieser Schrift gibt es auch ein „Kindheitsevangelium“. Wobei nicht von Kindheitsgeschichten, sondern vom Kindheitsevangelium berichtet werden sollte, weil die Erzählungen über den Eintritt Jesu in diese Welt schon eine Vorabzusammenfassung dessen bieten, was die Evangelien über den erwachsenen Jesus berichten. In der Passionserzählung selbst kommt Maria auch bei Matthäus nicht vor.

Das Matthäusevangelium ist nicht wirklich eine Grundlage für die Marienfrömmigkeit. Maria tritt an keine Stelle als sprechende oder handelnde Person auf. Sogar bei der Beschreibung der Geburt Jesu konzentriert sich der Evangelist hauptsächlich auf Josef. Es ist nirgends davon zu lesen, dass Maria eine Zustimmung gibt für das, was ihr „zugemutet“ wird. Das ist sicherlich als eine Abbildung der sozialen Ordnung der damaligen Zeit zu sehen.

In diesem Evangelium findet sich auch der theologische Hinweis auf die jungfräuliche Geburt Jesu im Alten Testament.

Lukasevangelium

In diesem Evangelium wird zweifelsfrei am meisten über Maria berichtet. Zu den bekanntesten Bibelstellen zählt die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium, davon wissen auch Schüler am meisten, diese Geschichte kennen sie einigermaßen.

Der Evangelist hat den Beinamen „der Ikonenmaler“ bekommen. Dies wahrscheinlich deshalb, weil die Erzählungen sehr persönlich und genau beschrieben sind, fast „ausgemalt“. Er setzt auch andere Schwerpunkte im Zusammenhang mit Maria im Gegensatz zu den vorgenannten Evangelisten. Bei allen zentralen Ereignissen ist Maria beim Lukasevangelium mit dabei. Es gibt auch eine zweite Ankündigungsszene bei der Ankündigung der Geburt von Johannes des Täufers. Maria bringt ihre Bedenken vor, vertraut aber letztlich auf die Ankündigung Gottes und entscheidet selbständig.

Die Geburtsszene wird bei Lukas in Armut beschrieben, weder Nachbarn, Verwandte oder Freunde können Maria unterstützen. Nur die „Randgruppe“ der Hirten kommt Maria zu Hilfe. Es wird schon in der Weihnachtsgeschichte vorweggenommen, dass die Aufgabe, Mutter Jesu zu sein, keine Einfache ist.

Auch bei Lukas ist nachzulesen, dass Maria ihren Sohn nicht immer versteht, es kommt auch zu Zurückweisungen Jesu mit dem Hinweis, dass nicht die Blutsverwandschaft das Wesentliche ist („… selig sind die, die das Wort hören und es befolgen“). Für Jesus ist Maria nicht nur Mutter, sondern vor allem auch Hörende und Glaubende und sie nimmt auch keine besondere Position ein. Maria ist in erster Linie ein Vorbild im Glauben.