Es gibt nicht „das Marienbild“

Pastoralassistent Robert Golderer begrüßt die Gäste und den Referenten des Abends.

Unter dem Thema „Ich sehe dich in tausend Bildern – Mariendarstellungen einst und heute“ stand der letzte Vortrag der Fastenaktion 2019 im Pfarrzentrum Neualm. Pastoralassistend Robert Golderer konnte als überaus kompetenten Referenten den Diözesankonservator der Erzdiözese Salzburg, Pfarrer MMMag. Dr. Roland Kerschbaum begrüßen. Nachstehend die wichtigsten Ausschnitte aus dem interessanten Vortrag, die uns vom Referenten dankenswerter Weise überlassen wurden.

Einbegleitung

Im Gedicht des Romantikers Novalis (Georg Philipp Friedrich von Hardenberg 1772-1801), „Ich sehe ich in 1000 Bildern“ wird Maria lieblich ausgedrückt. „Doch keins von allen kann dich schildern, wie meine Seele dich erblickt. Ich weiß nur, dass der Welt Getümmel, seitdem mir wie ein Traum verweht, und ein unendlich süßer Himmel mir ewig im Gemüte steht ….„, so weiter im Gedicht.

Maria ist als Mutter vor allem mit ihrem Kind die beliebteste Darstellung in der christlichen Kunst. Unzählige Darstellungsweisen, verschiedene Lebensstationen, theologische Deutungen haben sich so ergeben. Ausschlaggebend dafür sind sicher das Wunder ihres Lebens, ihre Begnadung durch Gott, ihr Schicksal zwischen Glück und Leid und ihre menschliche Nähe zu Gott.

“1001 Gesichter der Liebe“, so lautete etwa 2015 eine Ausstellung im steirischen Diözesanmuseum. Geheimnisvolles und zutiefst Menschliches, größte Freude und tiefste Trauer haben Künstlerinnen und Künstler immer wieder in großartige und berührende Bildwerke gegossen. Es gibt ja nicht „das Marienbild“, zu jeder Zeit haben sich Künstler in verschiedenen Ausprägungen, als Spiegel der jeweiligen Theologie und Geisteswelt auseinandergesetzt.

Beim Besuch eines Paters in der Kirche am Dürrnberg war daher die Frage nicht verwunderlich: „Welche Maria ist die denn hier die Richtige?“ Ihm gefiel besonders die Prozessionsmadonna und ihre Naturhaarfrisur mit Haarspange!

Beim Versuch, in diesem Vortrag anhand von Bildern ein Fresko von Marienbildern zu entwerfen geht Kerschbaum sinngemäß wie beim Aufbau eines Freskos vor. Ein Fresko braucht guten Untergrund, Grobputz, feuchten Feinputz und dann den Farbauftrag.

Der „Grobputz“ –  Christliche Bilder im Kontext der Theologie und Geistesgeschichte

MMMag. Dr. Roland Peter Kerschbaum, Referent des 5. Abends der Fastenaktion 2019 und ein hervorragender Kenner der Kunstszene.

Kunst im Rahmen christlicher Kirchen ist immer ein Spiegel der jeweiligen geistigen Strömungen ihrer Zeit. Das gilt natürlich auch für Bilder Mariens in der Kunst, die ja auch im engen Kontext mit den Bildern Jesu Christi stehen.

Das junge Christentum lebte aus dem jüdischen Bilderverbot und der Naherwartung der Wiederkunft Christi. Aber es öffnete sich zunehmend der damaligen hochstehenden Leitkultur des Hellenismus. Man rang um den christlichen Glauben und seine Formulierung in einer Synthese zwischen christlicher Offenbarung, orientalischen Motiven und griechischer Philosophie – vor allem Platon war hier wichtig als Leitfigur.

Es stellte sich daher die Frage: Darf man sich überhaupt ein Bild machen? Entscheidender Impuls für die christliche Kunst wurde die Lehre der Menschwerdung Gottes. Gott wird greifbar, sichtbar, so erlaubt er selbst gleichsam, ihn im Bild darzustellen: Kol 1,15 (Jesus als Ikone des unsichtbaren Gottes). Trotzdem blieben Christusbilder noch lange umstritten: Bilderstreit im Osten als christologischer Streit, auch angefacht durch den bilderlosen Islam. Dieser Vorgang wiederholt sich in der Geschichte immer wieder: Bilderkritik des hl. Bernhard, Bilderkritik vieler Reformatoren, Moderne, usw.

Der Osten schuf das vergeistigte Christusbild, die Ikone und damit verbunden vergeistigte Heiligenbilder und Bilder Mariens: Ikonen als Botschafter des Himmels, sind immer zweidimensional, Abbilder, die auf das Urbild hin weisen.

Verehrung der Bilder laut II. Nicenum 787 bis heute: Verneigung, Kerzen, Küssen, nicht den Rücken zuwenden, nicht mit verschränkten Armen davor stehen. Maria gilt ab Mitte des 6. Jh.in Ikonen als Zentralgestalt. Als so genannte Lukasbilder gelangten ostkirchliche Ikonen als Schenkung oder Raubgut in den römischen Westen.

Überschwappen dieser Bildidee auf den Westen: Christus als König, Pantokrator, als König auf dem Kreuzesthron. In Parallele dazu findet sich die Thronende Theotokos etwa in S. Maria Maggiore in Rom.