Winter 201718

[2017-11-16]

“Na, Kinder, wart ihr auch schön brav? Dann habe ich für euch ein paar schöne Geschenke in meinem großen Sack.“ – so fragte der Weihnachtsmann meiner Kindheit.

Und was ist, wenn das Kind nicht brav war? Holt er dann die Rute heraus? Zuckerbrot und
Peitsche – so könnte man die Pädagogik dieses Weihnachtsmannes beschreiben.
Das kann einem Kind (und auch Erwachsenen) Angst machen, nicht brav,
gut genug zu sein, nicht genug geleistet zu haben. Und die schönen Sachen gibt es als
Belohnung fürs Wohlverhalten.

Der Bischof Nikolaus, aus dem sich ja der Weihnachtsmann „heraus entwickelt“ hat,
schenkte einfach Kindern und Menschen in Not. Und das Christkind tritt
auch ganz anders auf – jedenfalls wenn es sich an seinem irdischen Vorbild,
Jesus von Nazareth, orientiert. Der fragte nicht, ob jemand Schuld auf sich
geladen hatte, als Sünder galt oder einen unehrenhaften Beruf hatte. Jesus
ging auf alle Menschen zu, hatte mit ihnen Tischgemeinschaft und lud sie in die
liebende Gnade Gottes ein. Natürlich bewirkte diese Einladung, dass Menschen
sich veränderten, versuchten, besser, mehr im Sinne Gottes zu leben. Aber
diese „Umkehr“ war nie Voraussetzung für die liebende Zuwendung Jesu,
sondern höchstens die Folge davon, gerade ermöglicht durch die Erfahrung
bedingungsloser Liebe

Das ist für mich die Kernbotschaft christlichen Glaubens: Gott begegnet mir
ohne Vorurteile, ohne dass ich eine Vorleistung erbringen muss, besonders brav
oder religiös sein muss. Gott schenkt mir seine Liebe, schenkt sich mir. Er sieht
mich, der ich immer wieder Fehler mache, mit anderen Augen, als ich mich
selbst, als meine Mitmenschen mich sehen. „Die Rechtfertigung des Sünders
allein aus Gnade“ hat das Martin Luther genannt, an dessen reformatorische
Erkenntnis wir im zu Ende gehenden Jahr immer wieder gedacht haben.
Das ist für mich auch die Botschaft von Weihnachten, des „Geschenke-Festes“.
Gott schenkt sich mir, in diesem kleinen Jesuskind in der Krippe, in der
wundersamen Geburt im Stall von Bethlehem, in diesen normalen Leuten aus
dem Volk, Maria und Josef. Gott schenkt mir seine Liebe –umsonst. Gott schenkt
mir damit Freiheit, Selbstvertrauen und Kraft, im Alltag zu leben – so gut es
geht nach seinen Geboten, in Vorausschau auf seine Herrschaft, in der Liebe,
umsonst Gerechtigkeit und Frieden das Sagen haben.
Nicht die Geschenke unterm Christbaum, sondern die frohe Botschaft, dass
Gott mir seine Liebe, seine Nähe schenkt – umsonst – das bedeutet für mich
Weihnachten.
Diese Erfahrung wünsche ich euch in diesen adventlich-weihnachtlichen Tagen.
Es geht nicht ums Brav-Sein, um möglichst viele Geschenke, sondern um Gott,
der sich in Jesus Christus mir zum Geschenk macht.
Euch allen ein gesegnetes, fröhliches Christfest

Euer Pfarrer Peter Gabriel

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