Sonntagsgruß für 26.04.2020

Sonntag Misericordias Domini

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde! Ihr Lieben!

„Die Erde ist voll der Barmherzigkeit des Herrn“ – so heißt es in Psalm 33. Von diesem Psalmvers hat der 2. Sonntag nach Ostern seinen Namen: Misericordias Domini. Denn in diesen Wochen nach Ostern wird das Wunder der Auferstehung, das Dasein Gottes unter uns Menschen, seine Liebe und Fürsorge bedacht, besungen und gefeiert. Auch und gerade in Krisenzeiten gilt die frohe Botschaft der Auferstehung: Fürchte dich nicht! Gott ist da und verlässt dich nicht. Letztlich steht alles in seiner Hand, er kümmert sich um mich. Er ist auch bei mir in persönlichen Sorgen und finanziellen Schwierigkeiten, in Traurigkeit und Krankheit, in Enttäuschung über Treffen und Veranstaltungen, die jetzt nicht stattfinden können, oder in Unsicherheiten, wann was wieder möglich sein wird, unser Leben etwas „normaler„ verläuft. Von diesem Gottvertrauen getragen ist der bekannte Psalm 23, der für diesen Sonntag vorgesehen ist.

Gerne hätten wir an diesem Sonntag unser Geheimnisfest gefeiert… Zugleich wäre in vielen Gemeinden der Diakonie-Sonntag gefeiert worden.

Heute lade ich euch ein, in der Familie oder allein bei euch daheim miteinander einen kleinen Gottesdienst zu feiern!

Anleitung für Haus-Gottesdienst

Es kann einer oder auch mehrere die Texte und Gedanken lesen. Wenn ihr mögt, bereitet wieder Brot und einen Becher mit Wein oder Traubensaft für das Abendmahl vor!

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen!

Heute ist Sonntag. Wir halten inne. Zeit, auszuatmen und einzuatmen. Wir schließen die Augen und machen eine Pause von den Bildern, den Zahlen und Kurven, auf die wir starren. Wir schließen die Augen… und schauen auf Gott, der unsichtbar bei uns ist. Möge Gott uns durch diese Zeit führen. Möge Gott uns die Augen für seine Fürsorge öffnen. Amen!

Wir singen:
„Du hast uns Herr gerufen“ (EG 168,1-3)



2. Du legst uns deine Worte und deine Taten vor.
Du legst uns deine Worte und deine Taten vor.
Herr, öffne unsere Herzen und unser Ohr.
Herr, öffne unsere Herzen und unser Ohr.

3. Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist.
Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist,
der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt,
der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt.

T und M: Kurt Rommel, 1967


Wir sprechen im Wechsel Worte aus Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser.
Er erquickt meine Seele. Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Wir beten:
Jesus Christus, in der Begegnung mit dir erfahre ich: selbst die Schranken des Todes sind durchbrochen. Müde bin ich oft und verzagt, sprachlos und ohne Hoffnung. Doch deine Liebe und dein Geist richten mich wieder auf. Ich spüre: Neues Leben wächst und Hoffnung breitet sich aus. Ja, du Jesus, bist mein Helfer alle Zeit. Amen!

Wir hören auf das Wort Gottes:
Jesus sagt uns zu: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28)

Überlegt für euch:
Was oder wer macht mir Mühe? Wo bin oder wodurch fühle ich mich beladen? Was belastet mich?… Lasst euch Zeit zum Nachdenken…

Jesus denkt vielleicht an die Tagelöhner, die für wenig Geld schwer körperlich arbeiten müssen und immer von der Unsicherheit geplagt sind, ob sie am nächsten Tag jemand einstellt. Er denkt an die Frauen, deren Arbeit niemand achtet, die sich aber rund um die Uhr um Familie und Haushalt kümmern. Jesus denkt an Menschen, die von römischen Soldaten gezwungen werden, ihre Rüstung zu tragen. Jesus denkt an Menschen, die krank sind und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden.

Ich denke heute an die Menschen im Seniorenheim oder Krankenhaus, die keinen Kontakt zu ihren Angehörigen haben dürfen. Ich denke an die Angestellten in den Supermärkten, die mit Mundschutz Regale einräumen oder an der Kasse sitzen. Ich denke an diejenigen, die ihre Arbeit verloren haben oder in Kurzarbeit sind: Oder die sich voller Sorgen fragen, ob ihr kleines Geschäft diese Krise überleben wird. Ich denke an Schüler*innen und Eltern, die vom Lernen Zuhause überfordert sind, denke an alle, die es so sehr vermissen, sich mit ihren Familien, ihren Freundinnen und Freunden treffen zu können…

Aber ich höre auch die Aufforderung: Komm mit allem zu Jesus, zu Gott! Ja, an ihn kann ich mich wenden, bei ihm abladen! Er wird mir beistehen, mir helfen, mir neu Freude schenken! Das altertümliche Wort „erquicken“ meint „neu beleben, stärken, erfrischen“.

Im griechischen Urtext steht „Ruhe schenken oder gewähren“, auch „beruhigen“.

Für mich ist klar: Jesus nimmt meine Last nicht einfach weg, aber er hilft mir, mit meinem Leben zu Recht zu kommen, gibt mir Kraft für meine Aufgaben im Alltag. Er schenkt mir eine Ruhepause, einen Ort zum Auftanken. Er gibt mir Gelassenheit, ja, er schenkt mir Momente der Freude, so dass ich gestärkt weiter gehen kann. Ein Lied, ein gutes Wort (aus der Bibel), ein Gespräch mit einem Vertrauten, ein Gebet, Brot und Wein im Abendmahl, ein Gottesdienst – all das und vieles mehr sind für mich solche Ruhepunkte, die Gott mir schenkt. Und manchmal kommt es mir auch vor, dass meine Last leichter wird, dass da einer tragen hilft…

Überlegt für euch:
Wo habt ihr Erleichterung oder gar Befreiung von eurer Last erlebt? Wo und wie habt ihr gespürt, dass Gott euch neue Freude schenkt? Was sind meine Ruhepunkte, meine Auftankorte? … Lasst euch Zeit zum Nachdenken…

Ich will auf Gottes Angebot eingehen und auf seine Zusage vertrauen. Amen!

Wir beten in der Stille
und reden mit Gott, weil wir vertrauen: Gott ist da und hört mich!…

Gott, ich will dir danken für… – Stilles Gebet
Gott, ich denke an… – Stilles Gebet
Gott, ich bitte dich für… – Stilles Gebet
Gott, hilf mir in aller Ungewissheit und Angst nicht das Vertrauen auf dich zu verlieren. Schenk mir und anderen Besonnenheit. Bewahre die Schwachen. Sorge für die Kranken. Sei bei allen, die sterben. Gib denen Kraft, die Kranke und Alte pflegen, die sich darum kümmern, dass wir haben, was wir zum Leben brauchen. Amen!

Wir beten gemeinsam:
Vaterunser im Himmel…

Wir singen:
„Kommt, wir teilen das Brot am Tisch des Herrn“ (EG 585,1-3)


2. Kommt, wir teilen den Wein am Tisch des Herrn,
kommt, wir teilen den Wein am Tisch des Herrn,
teilen wir uns diesen Wein, wird der Friede nahe sein.
Erbarm dich, Herr, über uns.

T: Friedrich Walz 1982;
M: nach dem Spiritual „Let us break bread together“


Wir beten:

Gott, bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir uns würdig und wertgeschätzt.
Mit dem Brot und dem Wein (Saft), die vor uns stehen, dürfen wir erfahren: du bist da, uns ganz nah.
Das stärkt uns für unser Leben.
Dafür danken wir dir.
Wir erinnern uns an Jesus Christus, deinen Sohn, und das letzte Essen mit seinen Freunden und sprechen, wie er es uns aufgetragen hat:

Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, in der verraten wurde,
nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach:
Nehmt und esst! Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.
Solches tut zu meinem Gedächtnis!

Ebenso nahm er auch den Kelch nach dem Mahl,
dankte und gab ihnen den und sprach:
Nehmt und trinkt alle daraus!
Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut,
das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Solches tut, so oft ihr’s trinkt, zu meinem Gedächtnis!

Reicht einander das Brot und danach den Becher und sagt euch gegenseitig zu:

Das Brot des Lebens – für dich!
Der Kelch der Freude – für dich!

Reicht einander die Hände und sprecht:
Brot und Kelch, Nähe und Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus stärken und bewahren uns im Glauben zum ewigen Leben!
Friede sei mit uns! Amen!

Wir beten:
Guter Gott, an deinem Tisch haben wir deine Nähe gespürt und erlebt, wie gut du uns tust – hab Dank dafür!
Bleib du bei uns mit deiner Liebe und deinem Segen. Amen!

So möge uns Gottes Segen begleiten (nach Iris Haidvogel):

Gott segne dich: deine Dankbarkeit und dein Lachen, deine Zuversicht und deine Ideen.
Gott behüte dich inmitten deiner Ratlosigkeit und deiner Fragen,
deiner Erschöpfung und deiner Tränen.
Gottes Angesicht leuchte über dir wie ein Kind,
das dich voll Freude anstrahlt oder wie die Sonne,
die dich durch und durch wärmt.
Gottes Gnade leuchte in dir,
so da dass du dir das Urteil über andere und über dich ersparen kannst.
Gott sieht dich und hört dich,
dein lautes und dein leises,
ja auch 
dein gebrochenes Halleluja und schenkt dir in all dem,
was dein Leben jetzt 
gerade ist – Frieden.
Amen!

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag
und herzliche Grüße,

Euer Peter

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