Mit dem Thema „Firmung“ bzw. „Konfirmation“ beschäftigten sich die Referenten am dritten Abend der Fastenaktion 2018 im Pfarrzentrum in Rif.

Pastoralassistent Klaus Leisinger erörterte die kirchengeschichtliche Entwicklung dieses Sakramentes aus röm. kath. Sicht, Pfarrer Peter Gabriel übernahm den Part zur Aufklärung der evangelischen Sichtweise. Über die praktische Umsetzung in der Pfarre Hallein schließlich referierte die in der Stadtpfarre angestellte Pastoralassistentin Sri Fackler.

Wassertaufe – Geisttaufe

Bereits in den frühen Jahren des Christentums gab es den Ritus der Firmung bzw, Konfirmation. Damals verstand man die Firmung als den zweiten Teil der Taufe, wobei unterschieden wurde zwischen der „Wassertaufe“ und der „Geisttaufe“ (Firmung). Beide „Taufen“ durften ursprünglich nur vom Bischof gespendet werden und erforderten ein zweijähriges Katechumenat zur Vorbereitung. Als die Zahl der Täuflinge ab dem 4. Jahrhundert deutlich anstieg, gab es erste Änderungen, indem die Taufe durch Pfarrer gespendet werden konnte; die Firmung blieb dem Bischof vorenthalten.

Die Kindertaufe wurde erstmals in der Ostkirche eingesetzt, dort dann aber gleich in einer Feier gemeinsam mit der Erstkommunion und der Firmung. Ein „Sakrament“ wurde die Firmung im Zuge des Konzils von Florenz.

In der Reformation mit Gründung der evangelischen Kirche wird festgelegt, dass der eigentliche „Bischof“ der Pfarrer vor Ort ist. Nicht als Sakrament angesehen wird die Konfirmation bei den evangelischen Christen, da diese keinen von Jesus direkt abzuleitenden Auftrag erkennen können.

In früheren Jahren wurden die evangelischen Christen ebenfalls umfassend in ihren Glauben eingewiesen, wobei dazu ein eigener „Katechismus“ geschaffen wurde. Während es damals durchaus noch üblich war, die Konfirmationskandidaten vor der Zeremonie einer Prüfung über das Grundwissen des Glaubens (10 Gebote, Glaubensbekenntnis, wichtige Gebete …)  zu unterziehen, so verzichtet man heute aus guten Grund auf diese Befragung.

In der evangelischen Kirche entwickelte sich früh mit der Einführung der Konfirmation eine Kombination mit dem Abendmahl. Nach entsprechender Vorbereitung gab es eine festliche Feier in der Gemeinde u.a. mit „Handauflegen“ und Segensbitten der Gemeinde für die Konfirmanten. Richtig verbreitet wird die Feier der Konfirmation erst im Zeitalter des „Pietismus“ gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Ab da sollte der Konfirmationsunterricht helfen bei der Verwandlung des Menschen und der Bekehrung zu einem christlichen Leben. Erst mit der Konfirmation galten diese als „richtige“ Christen; in der Tat eine Abwertung des Sakramentes der Taufe. Dabei ist man ab der Taufe ein „echter “ Christ.

In den evangelischen Gemeinden entwickelt sich die Konfirmation zu einem wichtigen auch gesellschaftlichen Ritual, zu einem Fest für die ganze Gemeinde, das es auch heute noch ist. Mit der Konfirmation ab 14 Jahren gelten die Jugendlichen als „erwachsen“ und „volljährig“ im Sinne der Kirche. Die Konfirmation hat in der Pfarrgemeinde auch heute noch als einen höheren Stellenwert als die Taufe.

Die erste lange Hose

In den Zeiten, in denen Kinder nur mit kurzen Hosen und entsprechenden Strümpfen herumliefen, war die Konfirmation jener Anlass, bei dem sie die erste lange Hose bekamen; und sie durften erstmals auch Alkohol trinken. Noch in den 1960-er Jahren war in den deutschen evangelischen Gemeinden klar: „Wenn ich 14 bin, darf ich in die Diso gehen und Alkohol trinken“.

Diskussionen bis heute gibt es über den „richtigen“ Zeitpunkt der Konfirmation, ab wann denn ein Jugendlicher reif genug ist, um als volljähriger Christ zu leben.

In der katholischen Kirche findet ab dem II. Vatikanischen Konzil eine Erneuerung in der Liturgie statt. Die „Eingliederung“ als Christ findet in drei Schritten statt: Der Taufe, der Erstkommunion (in der Volksschule) und der Firmung (ab 12 bis 14 Jahren). Bei jedem dieser Eingliederungsschritte betont das Konzil die Wichtigkeit der Vorbereitung. Im Jahr 1971 wurde dazu durch Papst Paul VI. ein eigener Erlass betreffend den neuen Firmritus veröffentlicht. Die Salbung mit Chrisam auf die Stirn, die Handauflegung und die festgelegte „Spendungsformel“ (sie „besiegelt“ den Vorgang) gelten ab diesem Zeitpunkt für alle röm. kath. Gemeinden.  Auch in der kath. Kirche gelten die Jugendlichen ab diesem Zeitpunkt als „volles Mitglied in der Kirche“.

Viele Priester sehen das Firmalter als zu früh für eine echte Entscheidung an. Bei beiden Kirchen aber wird vorerst das Alter beibehalten, was vor allem praktische Gründe hat: Bis zu diesem Alter ist es noch relativ leicht die Jugendlichen in den Schulen im Religionsunterricht zu erreichen.

Wie bei der Taufe gibt es auch bei der Firmung Unterschiede bei den Kirchen hinsichtlich des Patenamtes. Während bei der Konfirmation in der evangelischen Kirche der Pate „nur“ ein getaufter Christ sein muss, verlangt die katholische Kirche, dass der Pate katholisch getauft ist.

Mündig ab 14

Parallel zur katholischen Kirche hat sich ab den 1970-er Jahren auch in der evangelischen Kirche einiges weiterentwickelt. Die Konfirmation wurde deutlich aufgewertet, mit der Konfirmation dürfen die Jugendlichen auch die Gemeindvertretung mitwählen und haben auch bei der Wahl des Pfarrers ein Stimmrecht. Ein konfirmierter evangelischer Christ darf zudem ab 14 Jahren selbst als Pate auftreten. Dieser Zeitpunkt trifft auch mit staatlichen Vorgaben zusammen, ab 14 Jahren muss ein Jugendlicher nicht mehr die Eltern fragen, wenn er aus der Kirche austreten oder dem Religionsunterricht nicht mehr beiwohnen will.

Der Konfirmationsunterricht in der evangelischen Kirche ist zweijährig, wobei das erste Jahr auch schon in der Volksschule sein kann. Es gibt dabei heute keine „Prüfung“ vor der versammelten Gemeinde mehr. In der Vorbereitung gibt es eine Entwicklung weg von den klassischen Glaubensthemen (die es natürlich auch weiterhin gibt) hin zu Themen aus der Lebenswelt der Jugendlichen. Die Konfirmation wird stärker als Prozess verstanden, als ein Weg, der gemeinsam gegangen wird. Ein Christ ist mit der Konfirmation auch nicht „fertig“, vielmehr wird dieses Fest als ein weiterer Meilenstein im christlichen Leben gesehen, der eine besondere Segnung erfährt.

In einem feierlichen Gottesdienst mit sehr großer Teilnahme der Gemeinde und aller Freunde und Verwandten des Konfirmanten spendet der Priester vor Ort die Konfirmation. Paten muss es bei der Konfirmation nicht mehr geben, „das braucht ein 14-jähriger nicht mehr“. Im Rahmen der Feier werden die Konfirmanden auch in die Gemeinde förmlich aufgenommen. Während die erste Teilnahme am Abendmahl früher gemeinsam mit der Konfirmation möglich war, hat man diesen Termin – eher aus praktischen Gründen – nun vorverlegt in die Zeit der zweijährigen Vorbereitung. Seit dem Jahr 2002 sind alle getauften evangelischen Christen eingeladen und zugelassen zum Abendmahl; die Kinder bekommen dann natürlich Traubensaft anstatt Wein.

Für die evangelischen Christen bedeutend sind die „Konfirmationsjubiläen“. Das „silberne Konfirmationsjubiläum“ ist zB. in Deutschland ganz üblich, auch in Österreich ein „goldenes“ und „diamantenes“ Jubiläum. Aus diesem Anlass wird dann ein Konfirmationsgedächtnis gefeiert, bei dem die Jubilare noch einmal gesegnet werden. In Hallein startet Pfarrer Peter Gabriel einen Versuch mit einem 10-jährigen Konfirmationsjubiläum.

Jugendliche verwandelt

Sri Fackler berichtet über die Firmvorbereitung in der katholischen Gemeinde von Hallein. Die Firmvorbereitung dauert gut ein halbes bis dreiviertel Jahr und beruht aktuell auf drei Säulen: Der Teilnahme am Gottesdienst (während der Zeit der Vorbereitung 5 Gottesdienste), die Teilnahme an Projekten (es gibt eine Auswahl aus einer Liste) und die Teilnahme an einem Firmtag. Die Jugendlichen sollen bei der Vorbereitung erfahren, dass Christentum vor allem etwas mit Gemeinschaft zu tun hat. „Wir sind als Christen auf unserem Lebensweg nicht allein, auf unserem Glaubensweg nicht und wir können miteinander feiern“. Über die Projekte sollen die Jugendlichen sehen, was es heißt, als Christ zu leben und für seine Umwelt Verantwortung zu übernehmen. Viele Jugendliche sind oft „wie verwandelt“, wenn es darum geht, sich bei Projekten persönlich einzubringen.

Der Konfirmationskurs in Hallein dauert fast ein Jahr, alle zwei Wochen am Freitag Nachmittag treffen sich die Jugendlichen. Dazu kommen 2-3 mehrtägig „Freizeiten“, wo die Jugendlichen über Nacht unterwegs sind. Übergeordnet gab es vor Kurzem einen „Konfitag“ mit 250 Jugendlichen aus Salzburg und Tirol in Wörgl mit einem „Actiontag“ mit Workshops und Gottesdienst. Einmal ist ein „Gemeindepraktikum“ vorgesehen, wo eine Gruppe aus der Gemeinde besucht wird (zB. Seniorencafe, Krabbelgottesdienst, Fastenaktionsvortrag). Am Anfang des Vorbereitungsjahres gibt es einen Begrüßungsgottesdienst und am Abschluss (anstatt der früheren „Prüfung“) gestalten die Jugendlichen einen kompletten Sonntagsgottesdienst mit Texten, Zeichnungen, Anspielungen und zeigen dabei, was sie in der Vorbereitung „gelernt“ haben. Neben 8 Gottesdiensten, die sie besuchen müssen, ist in Hallein zusätzlich die Teilnahme an einer Tauffeier vorgeschrieben.

Die Leitung und Durchführung der evangelischen Konfirmation ist ganz stark auf den Pfarrer konzentriert, sie ist eine seiner Hauptaufgaben; natürlich mit Mitarbeitern in einem Team.

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