Tanzgeschichten

[31.03.2026]

„Es führt über den Main. Eine Brücke von Stein. Wer darüber will gehn. Muss im Tanze sich drehn – Falalalala-Falalala.“

… Bei diesem Volkslied erscheint für mich eine Szene, wie meine damals zweijährige Tochter diesen Text mit ihrem süßen Stimmchen mitsingt, sich mit dem Körper hin und her wiegt und sich leicht im Tanze dreht. Leider besteht von dieser Szene kein Film und es existiert kein Tiktok oder Instagram Video. Dieses Bild ist nur in mir und „Mamaglücksgefühle“ von vor über zwanzig Jahren machen sich in mir breit.

Und eine weitere Erinnerung taucht auf: Es muss um 1990 gewesen sein. Meine Familie durfte bei Padre „Johla“ (Don Bosco) an der venezolanisch-kolumbianischen Grenze aus Sicherheitsgründen übernachten. Damals war diese Gegend schon ein gefährliches Pflaster. Für Silvester lud uns Padre Johla zur Mitternachtsmette ein. Ganz allein traute ich mich, ohne zu wissen, was auf mich zukam, an diesem Gottesdienst teilzunehmen. In einer alten Karre fuhren wir in das Kirchenareal. Der Pfarrer, eigentlich nicht mehr ganz so jung, baute sein Keyboard auf und währenddessen füllte sich der Altarraum mit Sängern, Gitarristen und diversen anderen Musikern und deren unterschiedlichen Instrumenten.

Dann ging der Gottesdienst los – oder besser gesagt, ab. Bei voller Lautstärke und nach kurzer Andacht war die gesamte Gemeinde nicht mehr auf den Bänken zu halten und sprang auf. Von Kleinkind bis Uralt wurden alle mitgenommen, und in vielen Kreisen wurde durch die gesamte Kirche und durch die Reihen getanzt. Auch mich nahm eine ältere Frau lächelnd an die Hand, und ich versuchte meine steifen nordeuropäischen Hüften zu schwingen. Einerseits kam ich mir etwas deplatziert bei den südamerikanischen Tänzerinnen vor. Andererseits genoss ich den gemeinsamen Tanz, den Gesang und die Instrumente in brütender Hitze so mittlerweile gegen 2:30 Uhr in der Früh. Alle waren mit großer Begeisterung dabei. Der für uns Europäer eigentliche Gottesdienst wurde zur Nebensache. Und am Keyboard, der „deutsche Pfarrer“, sorgte für eine überschwängliche Stimmung. Ich war einfach bei der beschwingten Masse dabei, und ich war stolz und glücklich, weil ich allein mitgekommen war und mit allen ins neue Jahr tanzen durfte.

Und als letztes noch eine schöne Tanzgeschichte aus meiner Familie in einer ganz anderen Zeit und an einem ganz anderen Ort: Meine Urgroßtante Lissgot, geboren 1883, war eine ganz tolle Erzählerin von alten Geschichten aus ihren jungen Tagen. Mit großen Ohren und sehr aufmerksam liebte ich es, diesen Geschichten zuzuhören. Lissgot stammte aus dem Ort Bulkes, ein deutsches Dorf in der Batschka, dem heutigen Serbien.

Sonntags ging man damals zum Tanz. Eltern, Großeltern, halt die ganze Verwandtschaft aus dem Dorf. Auf der einen Seite saßen die „Mädcha“. Dahinter die Eltern und Verwandten und gegenüber die Burschen. Die Erwachsenen beobachteten ganz genau, wer welches „Mädcha“ zum Tanz führte.

Lissgot hat mir immer erzählt, dass sie das Tanzen so richtig im Blut hatte – sie war auch in alten Jahren eine leidenschaftliche Polkatänzerin. (Leider habe ich das nicht von ihr geerbt). Meiner Urgroßmutter „Motter“, das hat Lissgot erzählt, war sehr steif und der Polkaschritt wollte ihr wohl nicht so gelingen. (Das habe ich wohl von ihr geerbt).

Tanzhüften hin oder her. Beide Frauen sind unter die Haube gekommen. Und die Jugend hatte beim Tanz ihre Sonntagsfreude und die Erwachsenen hatten ihren Verkupplungstratsch. Die eine oder der andere Jugendliche ging wohl mit dem Gefühl, zum ersten Mal verliebt zu sein, leicht beschwingt nach Hause – in Vorfreude auf den nächsten Sonntagstanz.

Karin Landwehr

Beitragsbild: Pfeffer in gemeindebrief.evangelisch.de

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