Sonntagsgruß zum 4. Juni 2023

[02.06.2023]

Sonntag Trinitatis

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Sehr häufig verwenden wir am Tag das Wort WIR! Das beginnt am Frühstückstisch bei der Planung für den Tag oder in der WhatsApp-Gruppe beim Überlegen, was wir am Wochenende unternehmen wollen. In Gesprächen wird heiß diskutiert, was wir in Österreich besser machen oder wie wir etwas zur Klimarettung beitragen könnten.

Ich als einzelner, wir als Menschen brauchen solche Bezüge zu einer Gruppe, einem Verband von Menschen, wo ich dazu gehöre, wo ich mich wohlfühle.
Eine dieser WIR-Gemeinschaften ist für mich auch unsere Halleiner Pfarrgemeinde, wo wir im Herbst eine neue Gemeindevertretung wählen und uns am Sonntag im Gottesdienst versammeln, um gemeinsam zu singen, zu beten und auf Gottes Wort zu hören.

Das stärkende WIR, in dem ich geborgen bin, kann aber auch eine Schattenseite haben, nämlich wenn die Gemeinschaft andere ausschließt oder wenn Menschen von sich aus aussteigen möchte, weil sie andere Werte oder Glaubenseinstellungen vertreten. Während der Corona-Pandemie haben wir eine Aufspaltung des WIR erlebt, mit Verwerfungen und Trennungen bis in Familien hinein. Und die Geschichte der christlichen Kirche enthält viele Beispiele, wo Gläubige sich vom WIR der Gemeinschaft abgespalten haben oder die vorherrschende Richtung „Abweichler“ ausschließt.

Jesus hat hingegen Menschen eingeladen zum WIR, in das anbrechende Gottesreich und in die Gemeinschaft mit Gott.

Der Apostel Paulus vergleicht die christliche Gemeinde mit dem menschlichen Körper (1.Korinther 12,12-26). Die verschiedenen Körperteile haben je unterschiedliche Aufgaben und auch je ein anderes Aussehen, aber sie sind alle wichtig für das Funktionieren des Körpers, gehören alle zum WIR dazu.
So ist es auch mit den Mitgliedern der christlichen Gemeinschaft mit ihren je unterschiedlichen Begabungen und auch ihrem je eigenen Glaubens- und Gottesverständnis.

Und Gott selbst ist ja auch ein WIR!

In der Schöpfungserzählung heißt es: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei… Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (1.Mose 1,26-27)

Zum einen hat Gott „unterschiedliche Gesichter“, wenn er in Mann und Frau und wohl auch in hell- bzw. dunkelhäutigen Menschen etc. zu entdecken ist. Zum anderen wird die göttliche Weisheit als eine Ausdrucksweise Gottes verstanden. Im Johannesevangelium wird das Sprechen Gottes dann mit Jesus von Nazareth identifiziert.

Die christliche Theologie entwickelte dann die Vorstellung der göttlichen Dreieinigkeit von Gott dem Vater und Schöpfer, Gott dem Sohn Jesus Christus und Gott dem Heiligen Geist. Gott also als ein Beziehungsgeflecht, als ein WIR, das mit sich in Austausch und Kommunikation lebt und uns Menschen in je verschiedenen Ausprägungen begegnet. Dieses Geheimnis des Glaubens bedenken und feiern WIR am Trinitatis-Sonntag.

Euer Pfarrer Peter Gabriel

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