Brief des römisch-katholischen Pfarrers

[28.11.2024]

Liebe Leute in der evangelischen Pfarrgemeinde,
liebe Leserinnen und Leser!

Herzlichen Dank für die Einladung, für diesen Gemeindebrief zu schreiben – ein Zeichen für das lebendige Miteinander von römisch-katholischer und evangelischer Gemeinde in Hallein. Das ist in Salzburg aufgrund unserer Kirchengeschichte nicht selbstverständlich. In Zukunft wird es aber meiner Meinung nach ganz wesentlich sein, dass wir christlichen Kirchen gemeinsam auftreten.

In meiner Kindheit und Jugend waren die „Evangelischen“ eine vernachlässigbare Größe. Erst ein intensives ökumenisch organisiertes theologisches Studienjahr hat mir den wichtigen Beitrag der Reformation zur Entwicklung von Theologie und Kirche nahegebracht und mich für die Ökumene geöffnet. Als Pfarrer in den Gebirgsgauen von Salzburg habe ich die schwierige Lage der evangelischen Gemeinden in ihrer extremen Diasporasituation mitbekommen und gute Kontakte zu ihren Vertreterinnen pflegen können. Jetzt erlebe ich eine sichtbare, lebendige Gemeinde, klein, aber oho. Die gemeinsamen Aktionen sind eine Freude.

Das müssen wir ausbauen! Als Christinnen und Christen sind wir in Hallein zu einer Minderheit geworden. Da ist eine gemeinsame Stimme wesentlich, um glaubwürdig von Gott und der Würde des Menschen und der ganzen Schöpfung zu sprechen.

Die Verschiedenheit der Traditionen soll bleiben. Wir werden weiter in unserer je eigenen Weise Gottesdienste feiern und unser Gemeindeleben organisieren. Aber wir können noch viel voneinander lernen. Das katholische Kirchenrecht blockiert vieles, vieles ist trotzdem möglich. Ein paar Beispiele:

  • Die Durchlässigkeit der Gemeinden darf wachsen: Nicht alle, die sich – vielleicht eine Zeit lang – in einer anderen Gemeinde wohlfühlen, müssen gleich die Konfession wechseln.
  • Die diakonisch/caritative Arbeit kann gemeinsam schlagkräftiger werden.
  • Ich kann mir auch ein gemeinsames Feiern von Anlässen wie Erntedank oder Jahresschluss gut vorstellen. Dabei denke ich auch an Feiern an anderen Orten als in unseren Kirchen.
  • Ein gemeinsamer Religionsunterricht der christlichen Kirchen erscheint mir zunehmend sinnvoll und geboten.

Wir haben durch die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte eine gute Ausgangsbasis. Darauf können wir aufbauen. Dass die ökumenische Freundschaft nicht nur in den Häuptern der Gemeinden, sondern in allen ihren Gliedern selbstverständlich wird, wünsche ich mir.

Pfarrer Markus Danner

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