Das schönste Herz

[27.11.2025]

„Höre auf dein Herz.“

Kennt ihr das? Hat das zu euch auch schon jemand gesagt? Man spricht dann auch vom „Bauchgefühl“. Aber oft ist das leichter gesagt als getan – denn unser Kopf denkt manchmal ganz anders als unser Herz.

Lasst mich eine Geschichte erzählen. Sie stammt von einem unbekannten Autor und handelt davon, was passiert, wenn Menschen glauben, sie seien großartig – und dabei das Wichtigste vergessen: auf ihr Herz zu hören.

Es war einmal eine Stadt, in der sich viele Menschen trafen, um ihre Waren zu verkaufen und Neuigkeiten auszutauschen.

Eines Tages betrat ein junger Mann den Marktplatz, stellte sich auf ein Podest und rief:
„Seht her! Ich habe das schönste Herz von allen! Keine Narben, keine Kratzer, keine Fehler – vollkommen schön und perfekt!“

Die Menschen blieben stehen und bewunderten das makellose Herz des jungen Mannes. Er wurde immer stolzer und prahlte lauter.

Da trat ein alter Mann aus der Menge und sagte ruhig:
„Nun, dein Herz ist schön – aber meines ist viel schöner.“

Die Menschen lachten, denn das Herz des Alten war voller Narben, Risse und Flicken. Manche Stücke schienen herausgerissen und durch andere ersetzt zu sein, die nicht richtig passten. Es war alles andere als perfekt.

„Wie kannst du behaupten, dass dein Herz schöner ist als meines?“, fragte der junge Mann empört.
„Deines ist völlig zerschunden!“

Der Alte lächelte.
„Ja, du hast recht – auf den ersten Blick sieht mein Herz schlimm aus. Aber jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe geschenkt habe.
Ich habe Stücke meines Herzens gegeben – und manche haben mir einen Teil ihres Herzens zurückgeschenkt.
Die Furchen zeigen, dass es manchmal weh tut, wenn man liebt, und dort, wo Teile fehlen, hoffe ich, eines Tages wieder etwas zurückzubekommen.“

Der junge Mann schwieg. Tränen liefen über sein Gesicht.
Dann nahm er sich ein Stück seines perfekten Herzens, riss es heraus und gab es dem Alten.
Dieser setzte es dankbar in sein eigenes Herz ein – und gab dem Jungen ein Stück von sich zurück.
Es passte nicht ganz, doch das machte nichts.
Denn der junge Mann blickte nun auf sein Herz, das nicht mehr perfekt war, aber lebendig und schön.

Sie umarmten sich, und die Liebe, die sie geteilt hatten, verband sie.

Manchmal ist es schwer, auf sein Herz zu hören oder es zu verschenken – weil der Kopf Zweifel sät oder weil wir verletzt werden. Aber wir dürfen niemals aufhören, unserem Herzen zu folgen.

Ich glaube, auch Gott hat viele Narben, weil er uns alle liebt und uns sein Herz schenkt – und doch hat er es nie bereut, auf sein Herz zu hören.

Gerade in der Weihnachtszeit sollten wir versuchen, Menschen in unser Herz zu lassen und ihnen zu zeigen:
„Ich mag dich.“

Eure Yvonne

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