Blödes Corona

Vermisst ihr auch schon eure Freunde und habt sie schon so lange nicht mehr gesehen, dass ihr befürchtet, sie gar nicht mehr zu kennen? Wenn ja, dann ergeht es euch genau wie Emma. Wenn Emma das gewusst hätte, dass sie ihre beste Freundin Lilly sooo lange nicht mehr sehen würde, hätte sie noch viel intensiver mit ihr gespielt. Sie hätte mit Sicherheit nicht mit ihr gestritten und hätte die Mama gefragt, ob sie nicht bei ihr übernachten dürfe….

„Was ist das überhaupt, dieses blöde Corona?“, fragte sie ihre Mama. „Tja, wie soll man das erklären“, überlegte Mama. „Weißt du, man kann es mit freiem Auge nicht sehen. Es ist so winzig, dass man es nur mit einem Mikroskop sehen kann. Das macht das Ganze so schwierig. Vor einem Auto kann man ausweichen und mit einem Messer oder der Schere kann man behutsam umgehen, um sich nicht zu verletzen, aber mit Viren ist das ganz anders“, erklärte sie. Emma überlegte: „Aber wenn es so klein ist wie du sagst, dann ist es ja gar nicht so schlimm, oder?“ „Doch eben genau deswegen“, sagte Mama, „weil man es nicht sehen kann, kann man auch keinen Bogen darum machen. Man kann sich nur davor schützen, wenn man keinen Kontakt mit anderen hat.“

„Kontakt, was meinst du damit, Mama?“, fragte Emma. „Tja, Umarmungen, Bussis, Hände schütteln,… das nennt man Kontakt. Wenn du mit Lilly spielst, dann gebt ihr euch die Hände und umarmt euch auch und da kann es dann passieren, dass ihr euch ansteckt“, versuchte ihre Mutter zu erklären. „Das ist wie mit der Grippe oder Windpocken und anderen Krankheiten, die ansteckend sind.“ „Mama, jetzt mal ehrlich: Wie kann man etwas bekommen, nur durch Hände schütteln?“, fragte Emma ungläubig. „Naja, wenn du einer kranken Person die Hände gibst, noch nicht, aber wenn du dir danach an die Nase fasst oder die Finger in den Mund steckst, dann bekommst du es. Klingt komisch, nennt man aber Tröpfcheninfektion.“ „Ok. Und was kann ich jetzt tun, um mich davor zu schützen?“, fragte Emma neugierig.

„Oft mit Seife Hände waschen, niemanden anhusten, nicht zu nahe kommen und beim Einkaufen einen Mund-Nasenschutz tragen. Das ist das Beste dagegen“, zählte Mama auf, „und wenn sich jeder daran hält, wird es bald wieder besser werden und dann kannst du Lilly und deine Großeltern bald wieder sehen.“ „Na hoffentlich!“, rief Emma.

Ein paar Wochen später war Emma ganz traurig. Mama sah sie an und fragte, was denn los sei?

„Ich vermisse Lilly so sehr! Wieso darf ich sie noch immer nicht besuchen gehen? Hannah darf ja auch zu ihrer Freundin, warum ich nicht?“, fragte Emma betrübt. Hannah war ihre größere Schwester und in der Tat durfte sie ihre beste Freundin Anna schon öfter sehen. „Emma, ich weiß, es ist hart, aber Hannah wohnt in der Nachbarschaft und sie waren vorher schon jeden Tag zusammen. Und außerdem halten die beiden den Abstand zueinander ein. Lilly und du seht euch nicht jeden Tag, also würdest du dich so freuen, dass du ihr gleich in die Arme fällst! Aber ich habe eine Überraschung für dich“, antwortete Mama. „Weil du so brav gelernt hast, darfst du Lilly heute anrufen, per Video-Anruf und dann kannst du sie wenigstens auch sehen, möchtest du das?“ „JA!“, schrie Emma und war total aus dem Häuschen. Sie schnappte sich das Handy der Mutter und lief in ihr Zimmer, um Lilly gleich anzurufen.

Der Anruf dauerte 1 1⁄2 Stunden und als Mama ins Zimmer kam um nachzusehen, saßen die beiden quasi nebeneinander, Emma am Boden, Lilly auf dem Bildschirm daneben und beide malten und quatschten dabei, als ob sie wirklich zusammen wären. Mama lächelte und freute sich, dass die Überraschung geklappt hat und ließ die beiden wieder allein.

Am Abend, als Emma ins Bett ging, umarmte sie ihre Mutter ganz fest und sagte ihr ins Ohr: „Mama, das war heute ein perfekter Tag! Danke! Ich hab‘ dich sehr lieb und bin froh, dass du da bist und ich wenigstens mit dir kuscheln darf! Und weißt du noch was? Bald darf ich Lilly wieder sehen und Oma und Opa und dann werde ich sie alle ganz fest umarmen und nie wieder los lassen, ich freu mich schon darauf!“ Danach legte sie sich hin und schlief langsam ein.

Tja meine Lieben, so wie Emma, wird es euch vielleicht auch gehen, aber auch diese verrückte Zeit geht bald zu Ende und dann wird alles wieder gut und um so schöner wird dann die Zeit danach. Haltet durch! Gott ist ja auch noch da und versteht sehr gut, wie es euch geht! Ihr könnt ja mit euren Eltern zu Gott beten und mit ihm eure Sorgen, Ängste und Hoffnung teilen. Er wird euch zuhören und für euch da sein. Immer!

Bleibt gesund

Eure Yvonne Ennsmann