Was ist Hoffnung?

[27.12.2020]

Bei der letzten Redaktionssitzung des Gemeindebriefs, bei der ich nicht persönlich dabei sein konnte, kam die Idee auf, an dieser Stelle das Buch „Die Kraft der Hoffnung“ von Heribert Prantl als Lesetipp vorzustellen. Ich kannte das Buch zwar nicht, aber daran soll es nicht scheitern, man kann es sich ja mal ansehen. Ich möchte es gleich vorweg sagen: Ich hatte bislang nicht genügend Zeit, um mir das Buch zu besorgen und zu lesen. Trotzdem wage ich die Behauptung, dass es einen Lesetipp absolut wert ist.

Komisch, da schlägt einer ein Buch zum Lesen vor, das er gar nicht kennt??
Es ist nur zu verständlich, dass man jetzt als Leser dieses Gemeindebriefes gerne ein paar Gründe hätte, wie ich auf diesen Lesetipp komme, ohne gelesen zu haben.

  • Erster Grund: Die Person Heribert Prantl. Wie das in unserer modernen Zeit so üblich ist, kann man wunderbar im Internet recherchieren, um etwas über eine bekannte Persönlichkeit zu erfahren. Heribert Prantl ist einer der meist geschätzten und vielfach ausgezeichneten Journalisten Deutschlands, dessen Fähigkeit zum intellektuell kritischen Diskurs über gesellschaftliche Themen allgemein anerkannt ist (außer man glaubt an die Verschwörungstheorie der „Lügenpresse“). Er ist führender Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung, einer ebenso allgemein anerkannten Zeitung, der man attestiert, dass sie die Rolle der Medien als kontrollierende Kraft in der Demokratie mit Sorgfalt wahrnimmt. Vor seiner Zeit als Journalist war er Rechtsanwalt und Richter.
  • Zweiter Grund: Einige Gedanken aus dem Buch, die ich recherchieren konnte und die vielversprechend sind. Hier eine kleine Auswahl:
    „Auffällig oft reden diejenigen die Hoffnung schlecht, denen es gar nicht schlecht geht. Die vermeintlich hoffnungslosen Fälle können es sich nicht erlauben, auf Hoffnung zu verzichten.“
    „Wenn man glaubt, muss man dann alles glauben, was im Glaubensbekenntnis steht, inklusive Hölle und Jungfrauengeburt? Welche Frage. Glauben entbindet nicht vom Denken.“
    „Je ungünstiger die Situation ist, in der wir unsere Hoffnung bewähren, desto tiefer ist diese Hoffnung. Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht. Sondern Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“ (Vaclav Havel)

Lust zum Lesen bekommen? Ich in jedem Fall. Da scheint einer am Werk zu sein, der sich wirklich und intensiv mit dem Thema Hoffnung beschäftigt hat. Dem es nicht darum geht, schnell mal eine Menge Geld zu machen, indem er ein Buch herausgibt, das sich dank seines Bekanntheitsgrades schon gut verkaufen wird. Das Buch ist eine Zusammenschau einer jahrelangen intensiven Beschäftigung mit dem Thema, es enthält – zum Teil unbearbeitet, zum Teil überarbeitet – Gedanken, die Prantl in vielen Jahren als Journalist veröffentlicht hat. Aber er bezieht sich dabei zumeist auf andere Menschen, die er kennen- und schätzen gelernt hat oder mit deren Leben er sich beschäftigt hat. Wie Havel, Bonhoeffer, Mandela und viele mehr. Immer auf der Suche nach Gedanken, die es wert sind, gedruckt zu werden, damit der Leser/die Leserin darüber nachdenken kann. Auch ein Qualitätshinweis, wenn einer ein Buch schreibt, in dem er sich als Suchender zu erkennen gibt, der aus den Gedanken anderer Gewinn schöpft.

Ich werde es mir dieses Buch sicher besorgen.

Hartmut Schwaiger

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