Ewiges Leben – in Jesu ausgebreiteten Armen

[03.04.2021]

Einen Tag nach unserer Zoom-Sitzung als Redaktionsteam sitze ich in der Schaitbergerkirche beim freitäglichen Mittagsgebet. Ich hatte mich für einen Artikel über das ewige Leben gemeldet. Während ich mit den anderen Beterinnen über den Wochenspruch sinniere, betrachte ich das Halleiner Kreuz.

Eigentlich ist da ja gar kein Kreuz! Ich sehe unsere Jesus-Figur: Ausgebreitete Arme, sein Kopf neigt sich mir zu, Jesu Gesicht kommt mir fast wie zufriedenes geschnitztes Lächeln vor. Ja „geschnitzt“ – aus demselben Holz wie die Krippe und das Kreuz? Mein Freund Jesus, der die Arme ausbreitet, als würde er sagen: „Es ist vollbracht. Der Weg in die Ewigkeit mit mir ist offen. Meine Arme sind ausgebreitet für dich.“

Die Krippe war nur eine Zwischenstation, ebenso Jesu Weg übers Kreuz. Als Christen bekennen wir seine Auferstehung und Himmelfahrt. Seine ersten Jünger*innen hatte er gut auf seine Mission vorbereitet – schon vor seinem Sterben und Auferstehen: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?“ (Joh. 14,2)

Jesu Mission ist gleichzeitig seine Vision für uns. Ihm nachfolgen bedeutet letztlich nach unserem Sterben und Auferstehen vollends im Reich Gottes, im Hause unseres himmlischen Vaters anzukommen. Dort will uns Jesus mit offenen Armen willkommen heißen!

Das gilt mir selbst, meinen bereits verstorbenen Lieben und auch den mir anvertrauten.

Ewiges Leben bei und mit Jesus – mir das so richtig konkret vorzustellen, da tu ich mir ehrlich gesagt nicht unbedingt leicht. Es geht jedenfalls nicht um eine unendliche Verlängerung unseres irdischen Daseins. Ganz bei Gott zu sein setzt voraus, dass es keinen Tod mehr geben wird und keine Traurigkeit, keine Klage und keine Quälerei (Offb. 21,4) – DAS ist unsere Zukunftsperspektive.

Allerdings ist das Reich Gottes mit Jesus ja schon angebrochen (Lk. 17,21). Vor gut 2000 Jahren hat er seine Arme bereits ausgebreitet und uns mit sich verbunden. Davon bekomme ich schon jetzt immer wieder ein Gespür. Daran will ich mich erinnern lassen, von jedem Kreuz, das ich sehe. Krippe, Kreuz und ewiges Leben – die sind aus demselben Holz geschnitzt.;-)
Jens-Daniel Mauer
Pfarrer

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