Sonntagsgruß zum 28. Jänner 2024

[26.01.2024]

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Gemeinde!

„Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jesaja 60,2b) – mit diesem Sonntag endet die weihnachtliche Epiphaniaszeit. Wir haben bedacht, wie sich das Licht Jesu Christi, die Herrlichkeit Gottes in unserer Welt zeigt und erfahrbar werden will. Ab dem kommenden Sonntag wenden wir unseren Blick Richtung Passion (Leiden), Tod und Auferstehung von Jesus Christus – aber natürlich immer unter der Gewissheit: das Licht, das Weihachten in der Krippe von Bethlehem aufgestrahlt ist, erhellt auch die dunklen Zeiten im Leben Jesu – und in meinem eigenen.

Zum Abschluss der weihnachtlichen Freudenzeit erwartet uns ein ganz besonderer Kantatengottesdienst – den Text der Kantate bedenkt der nachstehende Sonntagsgruß!

Wir laden euch ein, folgendes Gebet in die kommenden Tage für euch mitzunehmen:

Gott, ich danke dir für die hellen Momente in meinem Leben.
Ich denke an die Zeiten, in denen ich Liebe erfahre und Herzenswärme spüre.
Wenn ich auf einmal klarer sehe, welchen Weg ich gehen kann.
Manchmal bekomme ich eine Ahnung davon, dass die Welt niht einfach nur Welt ist.
Sie ist durchlässig für dein himmlisches Licht.
Gott, ich möchte solche hellen Momente zählen, damit ich an den dunklen Tagen nicht vergesse:
Es gibt Licht. Du bist mein Licht! Amen!“

Euch viel lichtvolle Momente, stärkende Erfahrungen, tröstende Begegnungen und in allem die Gewissheit: Gott begleitet euch mit seinem Segen!

Eure Pfarrer Peter und Jens-Daniel

Gruß zum letzten Sonntag nach Epiphanias, 28. Jänner 2024

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

„Meinen Jesum lass ich nicht, weil er sich für mich gegeben, so erfordert meine Pflicht, klettenweis an ihm zu kleben. Er ist meines Lebens Licht, meinen Jesum lass ich nicht.“ – so lautet die erste Strophe des Kirchenliedes von Christian Keimann aus dem Jahre 1658 im Originaltext (EG 402). Dieses Lied ist Grundlage für die Choralkantate von Johann Sebastian Bach (BWV 124), die er für den 1.Sonntag nach Epiphanias 1725 in der Leipziger Thomaskirche verfasst hat, und die bei uns an diesem Sonntag in der Halleiner Schaitbergerkirche im Gottesdienst zu hören sein wird.

Ausgangspunkt für Bach ist das Sonntagsevangelium vom 12-jährigen Jesus im Tempel (Lukas 12,41-52). Bach betont dabei den Aspekt des verzweifelten Suchens von Jesu Eltern auf dem Heimweg, ihre große Sorge um ihren erstgeborenen Sohn. Der Liedtext und die Kantate widmet sich der Frage, was bedeutet es, Jesus zu verlieren bzw. besser, wie kann ich Jesus festhalten. Sie ist getragen von der Glaubensgewissheit: im Leben und im Tod immer werde ich immer bei Jesus sein – und er bei mir.

Für mich bildet eine „Verstehensbrücke“ zu diesen Worten aus vergangener Zeit, wie sehr ich an Menschen hänge, sie auf gar keinen Fall verlieren möchte: meinen Lebenspartner, meine Eltern, meine Kinder, ganz enge Freundinnen und Freunde. Immer möchte ich mit ihnen verbunden sein, für sie da sein, ihre Nähe spüren.

Gerade die erste Strophe verwendet Bilder aus der Liebessprache: wie Kletten an der Kleidung kleben und sich gar nicht ablösen lassen, so möchte ich mit diesen Menschen verbunden sein und immer bleiben. Das Geschenk der Liebe und Freundschaft will ich erwidern, weil diese Menschen mein Leben hell machen. Hinter dem Ausdruck „erfordert meine Pflicht“ steht also mein Antworten auf das, was ich geschenkt bekommen habe.

Bei meinem Vater habe ich es genauso erlebt: so viel hat er mir mitgegeben, für mein Leben geschenkt, mich so sehr geprägt, dass es für mich ganz selbstverständlich war (eine Pflicht), mich nun im Alter um ihn zu kümmern und für ihn da zu sein. Nun wissen wir aber alle, das Leben auf Erden ist endlich, von mir noch so geliebte Menschen werden sterben. Das müssen auch Maria unterm Kreuz und die Jüngerinnen und Jünger erleben.

Doch die Kantate tröstet mich: selbst der Tod kann die Beziehung weder zu meinen Liebsten noch zu Jesus unterbrechen – ich bleibe weiterhin ganz eng mit ihnen verbunden. Auch wenn ich den Weg zu Gott antrete, will ich Jesus nicht lassen, sondern vertraue: dann nimmt er mich an der Hand und führt mich in das Leben beim himmlischen Vater.

In Traurigkeit und Schmerz über den Tod eines geliebten Menschen darf ich besonders daran festhalten und Trost erfahren:
Jesus ist bei mir und auch bei dem geliebten Menschen.

So will ich zuversichtlich einstimmen:
„Meinen Jesum lass ich nicht!“

Euer Pfarrer Peter Gabriel