Geschwister (5/8)

[2020-04-21]

Einzelkind versus Geschwisterkinder

Jeder hat so seine Traumvorstellung von der perfekten Geschwisterkonstel- lation und glaubt man den Experten, prägt uns diese auch tatsächlich für unser weiteres Leben. Aussuchen kann man sie sich allerdings nicht, trifft sie uns doch eher zufällig. Ich zum Beispiel bin als Einzelkind aufgewachsen. Das hat, zugegeben, natürlich auch Vorteile.Trotzdem hätte ich immer gern Geschwister gehabt, am allerliebsten einen großen Bruder, der mich liebevoll beschützt. Erst später habe ich mitbekommen, dass Geschwister zu haben nicht immer gleich bedeutend sein muss damit sich auch gut zu verstehen und einander am Herzen zu liegen. Aber immerhin bedeutet es die Chance, einen Gefährten oder eine Gefährtin fürs Leben zu haben, die einen ein ganzes Leben lang kennt, in derselben Familie groß gezogen wurde, dieselben Erinnerungen teilt und mit dem/der man sich auf eine magische Art tief verbunden fühlt.

Als ich meinen Sohn, heute 16, bekommen habe, habe ich erst einmal nicht darüber nachgedacht, ob er als Einzelkind aufwachsen soll oder nicht. Als er dann bereits 6 Jahre alt war, kamen aber diese Gedanken auf und ich habe mir für ihn genau das gewünscht…. ein Geschwisterkind, das das gleiche Leben teilt. Je älter ich werde, desto mehr vermisse ich es, Geschwister zu haben. Viele Dinge ließen sich leichter tragen, wenn man zu zweit oder dritt wäre…. Erkrankungen der Eltern, Todesfälle, Pflege, die Verantwortung in medizinischen Notfällen und auch das Gefühl, wenn die Eltern einmal nicht mehr sind, allein zurückzubleiben, weil es dann niemanden mehr gibt, der einen schon das gesamte Leben durch alle Höhen und Tiefen begleitet hat und auf den man sich verlassen kann.

Umso froher und dankbarer bin ich, dass meine Kinder einander haben, und zum Glück verstehen sie sich auch gut. Darauf haben wir von Anfang an geachtet, dass sie respektvoll und fürsorglich miteinander umgehen, Verständnis füreinander haben und sich nach Möglichkeit alles ausreden. Natürlich wird auch gestritten was das Zeug hält, aber wenn es darauf ankommt, sind sie ein Herz und eine Seele und in Krisenzeiten sieht man deutlich, wie viel Halt sie einander geben können. Als Einzelkind würde ich immer dafür plädieren, Kindern das Aufwachsen mit Geschwistern zu ermöglichen, wenn es machbar ist.

Andererseits habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass gerade Einzelkinder Freundschaften besonders ernst nehmen und Freunde wie Geschwister zusammenwachsen können. Und es gibt unendlich viele Wege, die das Leben bereit hält, um Menschen kennenzulernen, die dann zu wirklich guten Freunden werden, oder, wenn man sehr viel Glück hat, sogar zu Familie.

Letztlich sind wir alle Kinder Gottes und Schwestern und Brüder im Glauben.

Martina Höfner

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