Mitgefühl mit der Natur?

[09.07.2021]

Das Wort Mitgefühl wird selten in Bezug zur Natur gesehen. Am meisten noch bei den Tieren. Unsere Haustiere erwecken manchmal mehr Mitfühlen als wir bei manchen Menschen bereit sind zu empfinden. Auch bei vom Aussterben bedrohten Tieren werden unsere positiven Emotionen angefacht.

Aber schon bei der Wiedereingliederung von Wölfen und Bären in unsere heimischen Wälder ist bei einigen von uns die Grenze des Mitgefühls erreicht. Bei Insekten, solange sie schön wie Schmetterlinge oder nützlich wie Bienen sind, hegen wir positive Gefühle, während andere „Krabbeltiere“ oft ekelig gefunden und gnadenlos zerquetscht werden.

Schauen wir in das Reich der Pflanzen: Bei der Rodung von Wäldern und großen Bäumen fühlen manche mit, aber die kleine Blume oder der Grashalm wird von den meisten bedenkenlos ausgerupft.

Wie sieht es bei den ganz kleinen Lebewesen aus, den Mikroorganismen, wie Bakterien, Viren, Pilzen? Diese werden fast immer mit Krankheit verbunden und erwecken zumeist Angst und sicher kein Mitgefühl.

Und dann gibt es ja noch die „unbelebte“ Natur, die Böden, Gesteine, das Wasser und die Luft – haben wir da Mitgefühl?
Aber all das gehört zu Natur und ist ein einziger großer Organismus, alles ist perfekt aufeinander abgestimmt, nichts ist zu viel, nichts ist unnütz, und das bedarf keines Urteils oder Wertung von uns. Und wir Menschen sind ein Teil dieses großartigen Organismus Natur und untrennbar damit verbunden. Wir sind aus dieser Natur entstanden und alle Anteile daraus sind lebenswichtig für unser Überleben.

Daher, finde ich, ist Mitgefühl mit der Natur die Wahrnehmung und Achtung dieser Verbindung, und bedeutet letztendlich auch Mitgefühl für uns selbst.

Ursula Brandweiner

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