Mit Gefühl: 1 Blick

[15.07.2021]

Arbeit mit Jugendlichen – Stand der Dinge: 1 Jahr Pandemie = 1 Jahr Stillstand. Die Jugendlichen „sind abgetaucht “. Online-Angebote ziehen nicht, wen wundert ́s, nach monatelangem Homeschooling will man nicht auch noch am Abend vor dem PC sitzen, um „Menschen zu treffen“.

Lange Zeit waren Kinder und Jugendliche nicht im Blick der Verantwortungsträger*innen.
Und jetzt, 2021? Plötzlich sind sie da, diverse Jugendstudien. Und all diese Studien alarmieren: Selbstmordgedanken, Depressionen, Schlafstörungen, Vereinsamung sind einige Schlagworte aus sämtlichen Studien. Und wir, die Verantwortlichen in der Pfarrgemeinde, haben wir sie im Blick? Gelingt es uns, den Kontakt irgendwie aufrecht zu erhalten? Ich erschrecke ob der Ergebnisse dieser Studien, mich lässt das nicht kalt. Ich denke an die Jugendlichen, die sonst bei uns ein und aus gehen, ich versuche, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Es gelingt mäßig bis schlecht. Dranbleiben lautet die Devise. Doch kann ich auch nur annähernd erahnen, wie es ihnen wirklich geht?

Ich lasse einige Jugendliche zu Wort kommen:

  • „Also körperlich geht ́s mir eigentlich recht gut. Nur mir geht ́s halt zur Zeit ned so gut, weil sich alle meine Freunde immer mehr von mir distanzieren.“
  • „Es ist schwierig, Schule und Privates unter einen Hut zu bekommen. Wenn ich oft um 01:00 Uhr in der Nacht am Schreibtisch sitze und immer noch nicht fertig bin mit Lernen, kommt meine Mutter manchmal zu mir. Auch wenn ich dadurch noch genau so viel zu tun habe, baut es mich auf, wenn sie Mitgefühl mit mir zeigt.“
  • „Die Pandemie ist für mich hauptsächlich aufgrund der Einschränkungen und der Anzahl der Sterbenden durch dieses Virus schlimm. (…) Wenn ich mal sauer auf die Regierung bin oder es mir nicht so gut geht, denke ich einfach daran, wie schlimm es viele Menschen haben, und meine Freunde und meine Familie trösten mich. Oder ich lenke mich ab und lese oder bete. “

Mich berühren diese Aussagen. Ich denke an Jesus – what would Jesus do? Er, der ständig unterwegs war, die Menschen im Blick. Kontaktfreudig. Ich kann momentan nur in Gedanken unterwegs sein zu „unseren Jugendlichen“. Ich kann Aktionen starten wie vor Ostern – wir haben ca. 30 Briefe persönlich zu den Jugendlichen gebracht.

That would Jesus do: Dranbleiben. Mit Gefühl.

Susanne Zippenfenig