Sonntagsgruß zum 12. Februar 2023

[10.02.2023]

Sonntag Sexagesimae

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Wo schaue ich hin: Auf das, was nicht gelingt? Oder auf das, was in Erfüllung gegangen ist?

Letzten Sonntag im Gottesdienst: Einschließlich aller Mitwirkenden (Lektorin, Lektor, Musiker, 2 Kirchendienste) waren 15 Menschen in der Kirche. Wo schaue ich hin? Auf diesen niederschmetternden Gottesdienstbesuch? Oder auf Suzies einfühlsam formulierten Gebete, auf ihre berührenden Predigtgedanken, die Herzen, die dieser Gottesdienst erreicht hat?

Jesus erzählt dazu im Evangelium für diesen Sonntag eine wunderbare Geschichte (Lukas 8,4-8). So viel von der Saat, die ein Sämann sät, geht verloren: am Weg zertreten, von den Vögeln gefressen, auf Fels verdorrt, von den Dornen überwuchert. Aber ein Teil fällt auf gutes Land und trägt hundertfach Frucht.

Alltag in der Schule: Wo schauen Lehrerinnen und Lehrer hin? Malen sie immer noch dicke rote Striche und Fehlerzeichen in alle Schularbeiten und Tests? Schauen sie immer noch hauptsächlich auf das, was Schüler*innen NICHT können? Glauben sie, durch ständiges Einhacken auf den felsigen Boden ihn dazu zu bringen, doch noch fruchtbar zu werden? Ich denke, wir sollten endlich anfangen, dicke grüne Striche zu malen und Freudenzeichen zu all dem, was unsere Schüler*innen können, uns mit ihnen freuen an dem, was ihnen gelingt, an ihren wunderbaren Ideen und all dem, wo sie ihre Stärken haben und ihnen Spaß macht.

Ja, es gehört zum Leben dazu, dass etwas nicht gelingt. Ja, wir dürfen Fehler machen. Aber letztlich wird uns die reiche Ernte, die uns trotz allem beschert wird, überraschen.

Wieso ist sich Jesus da eigentlich so sicher? Hat er dafür irgendein Argument?

Ja, hat er. Aber keines mit dem Verstand. Sondern eines im Herzen. Weil er seinen himmlischen Vater im Herzen hat, weiß er, dass es kein Scheitern gibt, das nicht bei ihm aufgehoben wäre. In seinen Händen, in den Händen Gottes, wird alles zum Segen.

Wo schaue ich hin?

Peter Pröglhöf

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