Sonntagsgruß zum 3. März 2023

[03.03.2023]

2. Sonntag der Passionszeit – Reminiszere

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Markus 12,1-12) ist der Predigttext für diesen Sonntag mit Namen Reminiszere – er bezieht sich auf den Anfang von Psalm 25,6: „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit!“

In der Erzählung Jesu begegnet mir jedoch ein ganz anderer Gott: zornig und bestrafend, weil seine Geduld am Ende ist.

Dabei fängt alles so harmonisch an: ein Mensch erbaut einen wunderbaren Weinberg mit allem, was dazu gehört, und verpachtet ihn, damit er gehegt und gepflegt wird, um dann reiche Ernte zu bringen.

Doch als der Weinbergbesitzer seinen Anteil des Ertrages erhalten möchte, verweigern ihm die Pächter das. Ja mehr noch, die Knechte und Boten, die er zu ihnen schickt, werden geschlagen, geschmäht, ja sogar getötet. Zuletzt schickt er seinen eigenen Sohn, doch auch mit dem gehen sie nicht anders um und töten selbst ihn.

Nun reicht es dem Weinbergbesitzer, er reagiert seinerseits mit Gewalt, bringt die Weingärtner um und verpachtet seinen Weinberg neu.

In seinen Gleichnissen beschreibt Jesus Vorgänge und Begebenheiten aus seinem Alltag, die jedoch hindeuten, einen zweiten Blick eröffnen auf andere Ereignisse. Letztlich geht es um das Verhältnis von uns Menschen zu Gott.

Für die Menschen jüdischen Glaubens ist der Weinberg seit alters ein Bild für das von Gott geliebte Volk Israel. Gott ist der Weingärtner, der sich so rührend um sein Volk sorgt. Doch in der Geschichte haben die Menschen sich immer wieder von Gott abgewendet, auf andere Götter oder sich selbst vertraut. Die Propheten, die im Namen Gottes auf Unrecht hinweisen oder die Menschen zum Vertrauen auf Gott auffordern, werden nicht ernst genommen, verlacht, ja sogar getötet.

Auch Jesus wird von den Menschen seiner Zeit als Prophet, als Bote Gottes verstanden, als ganz besonders eng mit Gott verbunden, so wie ein Sohn. Sie könnten das Gleichnis Jesu so hören, dass er von sich selbst und seinem bevorstehenden Tod spricht.

Denn durch seine neue, verschärfte Auslegung der Gebote Gottes, durch sein Hinterfragen der religiösen Autoritäten und seine Ansage, dass jetzt Gottes Herrschaft angebrochen ist, stört er, ist unbequem – und schafft sich Gegner, ja Feinde.

Aber ich könnte in der Jetztzeit den Weinberg auch als diese Erde verstehen, die Gott uns Menschen anvertraut hat. Wir sehr haben wir Gottes wunderbare Schöpfung zerstört, viele Tierarten und Pflanzen ausgerottet, das Klima massiv geschädigt?! Wird Gott uns irgendwann als Pächter entlassen, weil wir so schlecht mit seiner Welt umgehen?

Die Passionszeit leitet mich an, mich auch solch provozierten Texten und unangenehmen Fragen zu stellen. Umdenken, Umkehren und auf Gott vertrauen – dazu wollen uns diese Wochen vor Ostern anleiten! Machen wir uns gemeinsam auf den Weg!

Euer Pfarrer Peter Gabriel

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