Sonntagsgruß zum 5. Mai 2024

[03.05.2024]

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Gemeinde!

Beten, also mit Gott reden, gehört ganz elementar zum Christsein dazu. Wenn ich mit jemanden in einer Beziehung lebe, dann ist es selbstverständlich, dass wir miteinander reden, Freuden und Sorgen, Glück und Ängste teilen. Das gilt auch für meine Beziehung zu Gott: ihm kann ich alles sagen, ja er kennt mich so gut, dass er eh schon weiß, wie es mir geht, was mich beschäftigt. Und ich vertraue: er meint es gut mit mir, beschenkt mich reich. Manchmal kann ich zwar nicht alles verstehen, was in meinem Leben geschieht, in einigen Momenten spüre ich Gottes Nähe nicht so deutlich – und doch ist er da, für mich da. Diese Glaubensgewissheit drückt sich aus im biblischen Wort für den Sonntag Rogate (Betet): „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20)

Der nachstehende Sonntagsgruß bedenkt den Spruch für den Monat Mai, wie Christsein zwischen Freiheit und Verantwortung sich gestaltet.

Ein Gebet von Jeremias Gotthelf geben wir euch mit für die kommende Woche:

„Herr, unser Gott, Du hast unzählige stille Wege, auf denen du möglich machst, was unmöglich scheint. Gestern war noch nichts sichtbar, heute nicht viel, aber morgen steht es vollendet da, und nun erst gewahren wir rückblickend, wie du unmerklich schufst, was wir unter großem Lärm nicht zustande gebracht haben.“

Wir wünschen euch immer wieder dieses Vertrauen in Gottes Wirken und Dasein, seinen Segen auf all euren Wegen!

Euer Pfarrer Peter


Gruß zum Sonntag Rogate

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht über mich haben.“ (1.Kor. 6,12) – das ist das biblische Motto für den Monat Mai.

Paulus und die Richtung des frühen Christentums, die er vertritt, eröffnen damit einen weiten Raum. Es gibt keine religiösen Gebote und Vorschriften mehr, die das Leben einer Christin, eines Christen bestimmen oder regeln. Für die sich auf Jesus als den Christus berufende neue Gruppe, die gerade dabei war, aus dem Judentum heraus zu wachsen, war das revolutionär!

Denn Paulus behauptet damit, dass die in den jüdischen heiligen Schriften, also unserem 1.Testament, festgelegten Regeln, Ge- und Verbote nicht mehr gültig sind!

Das betrifft vor allem die Beschneidung der männlichen Kinder am 8. Tag nach der Geburt, die vielen Speisevorschriften – z.B. kein Schweinefleisch, keine Schalentiere, nicht Fleisch und Milch in Kombination oder auch die Bestimmungen, was man am Sabbat, am Ruhetag tun darf.

Paulus kann sich dabei auf den Grundsatz Jesu berufen (Markus 2,27): „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“

Auch sonst interpretiert Jesus Gebote und Regeln des jüdischen Glaubens neu, einige entschärft er, andere legt er viel strenger aus. Schon wer zu seinem Nächsten „Du Narr!“ sagt, verstößt gegen das 5. Gebot „Du sollst nicht töten!“ (Matthäus 5,21-22)

Denn natürlich gelten auch für die Christinnen und Christen die 10 Gebote weiter, die ganz im Sinne des 1.Testamentes zusammengefasst sind in dem Satz: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Lukas 10,27)

Paulus geht aber noch einen Schritt weiter: Auch wenn alles erlaubt ist, heißt das nicht, dass ich als Christ, als Christin nun völlig zügellos und ungebremst leben kann oder sollte. Denn gerade in der Nachfolge Jesu Christi trage ich Verantwortung, für meine Mitmenschen, für die mir von Gott geschenkte Schöpfung, aber auch für mich selbst. Ich bin Gott gegenüber verantwortlich, nach den Maßstäben Jesu zu reden und zu handeln.

Das bedeutet, theoretisch kann und darf ich alles tun, aber ich muss immer wieder abwägen: was tut mir selbst gut oder schädigt mich mehr? Ja mehr noch, was bestimmt und beherrscht mich so sehr, dass Gott kaum noch Platz hat, dass ich mich selbst vernachlässige oder auf meinen Nächsten vergesse?

So zu leben, ist gar nicht so leicht und erfordert viel Eigenverantwortung! Aber es bedeutet auch, mit dem Wort Gottes und den Maßstäben Jesu gut vertraut zu sein.

Ehrlich: alleine schaffe ich das oft nicht – und so bin ich froh über Schwestern und Brüder im Glauben, mit denen ich gemeinsam überlegen und beten kann, was gut und Jesus entsprechend ist.

Ich genieße einerseits die Freiheit des christlichen Glaubens und bin mir zugleich der großen Verantwortung bewusst. Wagen wir es doch gemeinsam, im Sinne Jesu zu leben!

Euer Pfarrer Peter Gabriel